Bongo, Cajon oder Yambu - was sich anhört wie Fremdwörter mit unerklärter Übersetzung sind ganz einfach Instrumente. Hinter den Begriffen verstecken sich verschiedene Trommeln, deren Klänge jetzt im Jugendclub Mood des Jugendförderungszentrums am Tannenweg zu hören waren.

Gardelegen l Er hat eine Vision. Carsten Roßberg - Musiker und Instrumentallehrer - möchte im Jugendclub Mood eine Percussion-Band aufbauen. Und weil das für so manchen das nächste Fremdwort bedeutet, übersetzt er es am Montagnachmittag auch gleich. "Wir können aber auch Trommelgruppe sagen", beruhigt er beim ersten Ferienworkshop dieser Art seine jungen und älteren Zuhörer.

Mädchen und Jungen, Mütter und Väter waren am ersten Ferientag zum Trommelworkshop gekommen. Mitzubringen war nichts weiter als ein bisschen Neugier und Spaß an Musik. Denn: Dass jeder trommeln kann, das zeigte sich am Ende des Tages beim abschließenden Konzert. Ganz ohne Noten oder Dirigenten schlugen alle in ihrem ganz eigenen Rhythmus auf ihre unterschiedlichen Trommeln, und es klang herrlich melodisch und so mitreißend, dass die Zuhörer unwillkürlich mit den Füßen den Takt mitstampften oder sogar gleich in einen leisen rhythmischen Tanz verfielen.

"Man kann sich ruhig für unmusikalisch halten."

Das jedoch ist genau das Prinzip, mit dem Carsten Roßberg die neue Percussion-Band aufbauen möchte. "Man kann sich ruhig für unmusikalisch halten. Das spielt keine Rolle. Einfach herkommen und sich ausprobieren. Jeder kann mitmachen. Ob grün, blau, rot oder weiß - auch Altmärker können dabei sein", fügt er mit schelmischem Augenzwinkern hinzu.

"Es ist doch ganz egal, welche Sprache man spricht, ob man hier wohnt, gerade hier wohnen darf und noch nicht weiß, wie lange man bleibt oder wohin man gehen wird - Musik verbindet uns alle, ganz ohne Worte", macht er deutlich, dass die Trommelgruppe international besetzt werden soll. Aus langjähriger Erfahrung als Musiklehrer und Leiter der Gardeleger Musikschule wisse er, dass Musik tolle Gefühle vermitteln und über Probleme hinweghelfen kann, betont Roßberg.

"Einfach losgehen und Straßenmusik machen."

Doch die Vision von Carsten Roßberg geht sogar noch einen Schritt weiter. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der Gardeleger möchte mit dieser Trommlergruppe so etwas wie Straßenmusik machen. "Einfach mal los, raus in die Fußgängerzone, rein in die Innenstadt und dort für Zuhörer trommeln. Das ist es, was ich mir für die Gruppe vorstelle", blickt Carsten Roßberg voraus. Die Idee dazu trage er schon seit langem in sich. "Aber dafür haben die Strukturen, in denen ich bisher gearbeitet habe, einfach nicht gepasst".

Er selbst habe schon auf der Straße als Musiker gespielt und wisse, wie Musik wirkt. Diese Möglichkeit möchte er jungen Leuten mit der Percussion-Band auch eröffnen.

"Man kann auf sich aufmerksam machen, damit zeigen, was man kann und gemeinsam mit der Gruppe mutig und selbstbewusst in die Öffentlichkeit treten", betont Carsten Roßberg.

Und spätestens dann, wenn die unterschiedlichen Trommeln im gleichen mitreißenden Rhythmus erklingen, werde deutlich, wie bedeutungslos die Unterschiede zwischen Menschen sind.

Ob sie nun aus Syrien, Libyen, Bosnien oder Afghanistan kommen: "Wie wir sind, das wird egal, wenn wir uns zusammensetzen und Musik machen. Dafür brauchen wir keine gemeinsame Sprache. Da geht alles nonverbal", verspricht der erfahrene Musiker.

Beim Workshop kamen übrigens neben Bongos (Südamerika) und herkömmlicher mitteleuropäischer Trommel auch ein Cajon (Spanien), eine Darabuka (Arabien) und ein Yambu (Nordafrika) zum Einsatz.

   

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