Gardelegen l Gut eine Stunde lang wurden am Dienstagabend im Sozialausschuss im Jugendclub Mood erneut die Argumente ausgetauscht. Die Ausgangssituation allerdings hat sich im Vergleich zu vor zwei Jahren nicht geändert. Die Schülerzahlen reichen nicht, um die Grundschule Estedt entsprechend den Landesvorgaben dauerhaft halten zu können.

Nachdem in der vergangenen Wahlperiode mehrere Anläufe scheiterten, einen konkreten Stadtratsbeschluss für die Schule zu erhalten, dringt die Verwaltung jetzt auf eine Entscheidung. Die Stadt-Mitarbeiter hatten dazu eine umfangreiche Mitteilungsvorlage erstellt mit den Schülerzahlen aller Grundschulen, die Entwicklung bis 2020/21, mit alten Beschlüssen und Protokollen.

"Wir brauchen eine Empfehlung", sagte Norbert Bucklitsch, Sachbearbeiter in der Verwaltung für Schulen, Sportstätten und Bäder. Und aus Sicht der Verwaltung gebe es nur zwei Möglichkeiten: Schließung oder Änderung der Einzugsbereiche, so dass Estedt langfristig im Bestand gesichert sei. Denn ab 2017/18 müsse die Gesamtschülerzahl 60 betragen.

"Es sollten besser mehr Schüler sein, denn es ist immer mit Veränderungen zu rechnen."
- Norbert Bucklitsch, Stadtverwaltung

"Es sollten besser mehr Schüler sein, denn es ist immer mit Veränderungen zu rechnen", so Bucklitsch. Etwa durch Wegzüge oder den Besuch anderer Schulen. Eine Entscheidung müsse spätestens im April 2015 vom Stadtrat beschlossen sein.

Zu spät, fand SPD-Stadtrat Jörg Marten. Die Eltern aus dem Einzugsbereich der Schule brauchten Planungssicherheit. "Ich bin total dagegen, noch mal eine Arbeitsgruppe zu gründen und noch mal eine Analyse zu erstellen. Aufgrund der Zahlen steht fest, dass wir diese Schule nicht halten können", stellte Marten klar. Auch wenn es traurig sei, Schulen schließen zu müssen.

"Aufgrund der Zahlen kann ich nicht entscheiden, ob eine Schule notwendig ist oder nicht."
- Margot Göbel, Gemischte Fraktion

Zuvor entspannte sich eine rege Diskussion. "Aufgrund der Zahlen kann ich nicht entscheiden, ob eine Schule notwendig ist oder nicht", eröffnete Stadträtin Margot Göbel (Gemischte Fraktion) die Debatte. Sie benötige eine realistische Bestandsaufnahme, ein Gesamtkonzept aller Schulen mit Informationen unter anderem zu Räumen, Hallenkapazitäten, Ausstattung, Schulhof oder Hort.

Wenn sich für den Fall, dass die Estedter Schüler in die Gardeleger Reutter-Grundschule wechseln, 170 Schüler auf dem dortigen Schulhof aufhalten, sei die Lautstärke kaum noch zu ertragen. Die Frage sei also auch zu klären, wie groß eine Schulhof sein müsse. "Ich denke, das ist problematisch. All das müsste ich wissen, um entscheiden zu können", so Göbel.

Auf der Basis dieser Bestandsanalyse soll dann eine Arbeitsgruppe eine gesetzeskonforme Beschlussvorlage erarbeiten, sodass eine fundierte Entscheidung getroffen werden könne. Anfang Februar soll sich der Stadtrat in einer Sondersitzung dann ausschließlich mit der Estedter Grundschule befassen. Denkbar sei auch das CDU-Modell der Schulverbünde.

Das Modell sei von der Koalition nicht angenommen worden, reagierte darauf Ausschussvorsitzende Sandra Hietel (CDU, Mitglied im Landesvorstand der CDU). Das hätte aber auch nichts an den Zahlenvorgaben geändert. Pro Standort hätten es auch 60 Schüler sein müssen. Vielleicht könnte das nach der Landtagswahl 2016 erneut zur Beratung stehen. Das aber könne man jetzt noch nicht sagen.

"Es ist zwar traurig, eine Schule schließen zu müssen, aber die Zahlen reichen nicht." - Jörg Marten, SPD-Fraktion

Das würde für Estedt auch nichts bringen, stellte Marten klar. Mit dem Nichtvorhandensein der ersten Klasse sei das Aus für die Schule besiegelt worden. "Wir müssen uns damit abfinden. Es ist zwar traurig, eine Schule zu schließen, aber die Zahlen reichen nicht. Wir müssten sonst Schülermengen aus Gardelegen nach Estedt fahren. Das kann hier auch keiner wollen", betonte Marten.

"Ich sehe keine Möglichkeit, im näheren Umkreis Schüler zu finden." - Gudrun Gerecke, Linke-Fraktion

Doris Hoiczyk (berufene Bürgerin Freie Liste) erinnerte ihrerseits, dass das Ändern der Einzugsbereiche zugunsten der Estedter Schule schon einmal nicht funktioniert habe. "Wem soll man denn nun aufoktroyieren, dass sie nach Estedt fahren sollen", so Hoiczyk. Eltern, die in Gardelegen wohnen, hätten sich bewusst für ein Leben in der Stadt mit all den Möglichkeiten, die eine Stadt bietet, entschieden. Dazu gehöre eben, dass die Kinder mit dem Rad zur Schule fahren können.

Gudrun Gerecke (Linke)bekannte in der Debatte, die Mitteilungsvorlage genau gelesen und dabei festgestellt zu haben, dass in der Zahlenauflistung über Kinder in Straßenzügen am westlichen Stadtrand, etwa Ackendorfer Landstraße und Weteritzer Landstraße, "ganz viele Nullen stehen". Das heißt, dass es dort nur wenige Kinder gibt. "Das würde Estedt auch nicht retten. Die Schule liegt mir am Herzen. Aber ich sehe keine Möglichkeit, im näheren Umkreis Schüler zu finden", so Gerecke weiter. Das sah Margot Göbel etwas anders. Die Kinder aus Hemstedt und Lüffingen beispielsweise würden schon reichen. "Wir hätten dann in Estedt 70 Schüler. Wir müssten nur für 2015/2016 eine Ausnahmegenehmigung beantragen", erläuterte Margot Göbel.

"In Hemstedt und Lüffingen ist nicht einer dafür, nach Estedt zu fahren."
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Günter Hoop, Ortsbürgermeister

"In Hemstedt und Lüffingen ist nicht einer dafür, nach Estedt zu fahren", sagte Hemstedts Ortsbürgermeister Günter Hoop. Er könne sich auch nicht vorstellen, dass Eltern aus anderen Bereichen Hurra schreien würden.

Ausschussvorsitzende Sandra Hietel brach dann die Diskussion ab mit dem Hinweis, die Gemischte Fraktion möge für die Bestandsanalyse einen Antrag stellen. Das übernahm Margot Göbel. Der Antrag wurde mit zwei Ja-Stimmen, einer Enthaltung und sechs Nein-Stimmen abgelehnt. Die Verwaltung wird für die Hauptausschusssitzung die eingangs erwähnte Vorlage erarbeiten. Zuvor wird der Antrag Göbels im Hauptausschuss und im Stadtrat zur Abstimmung stehen.

 

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