In Sachen Trüstedtsches Haus tut sich einiges, nachdem die Volksstimme über den Abriss des einsturzgefährdeten Gebäudes berichtet hat. Ein geplatzter Notartermin, Eigentümer und potentieller Eigentümer im Volksstimme-Gespräch, ein Lokaltermin am Donnerstag und eine Suche nach Lösungsmöglichkeiten.

Gardelegen l Etwas wundersam ist es schon, was da derzeit im Zusammenhang mit dem Trüstedtschen Haus passiert.

Der Kreis hatte auf Volksstimme-Anfrage informiert, dass noch in diesem Jahr im Rahmen einer Ersatzvornahme das Trüstedtsche Haus mit seinem markanten Fachwerk abgerissen wird. Der Eigentümer sei mehrfach auf seine Sicherungspflicht hingewiesen worden, da das Gebäude einsturzgefährdet sei. Der habe nicht reagiert, sei unbekannt verzogen, die Post habe nicht zugestellt werden können, hatte Kreissprecherin Birgit Eurich auf Anfrage informiert. Die Volksstimme berichtete darüber am 8. November.

Am 12. November gab es in Bernburg einen Notartermin. Der Besitzer des Hauses, Volkmar Christen aus Duisburg, wollte die Immobilie verkaufen an Thomas Näfken aus Bernburg. Der Notartermin platzte wegen des Volksstimme-Berichts über den Abriss. Und eine E-Mail tauchte auf an Bauamtsleiter Engelhard Behrends. Näfken drückte seine Überraschung aus, dass ein Abriss geplant sei. Seit Monaten sei er mit ihm, Behrends, in Kontakt. Da sei noch nicht einmal eine Sachstandsinformation erfolgt. Ein notarieller Abschluss eines Kaufvertrages sei unter diesen Umständen nicht möglich gewesen.

Von den Vorgängen habe auch Volkmar Christen nichts gewusst, wie er im Volksstimme-Gespräch betonte. Er sei auch nicht unbekannt verzogen. Vom Kreis habe er zweimal Post bekommen, dass der Putz abbröckelt. Über den geplanten Zwangsabriss sei er nicht informiert worden. "Das ist doch wohl alles ein Witz", meinte Christen, der das Trüstedtsche Haus im Mai 2013 gekauft hatte.

"Den letzten beißen immer die Hunde. Das ist schon merkwürdig."

Eigentümer Volkmar Christen

"Ich habe vom Vorbesitzer alle Unterlagen, Baupläne und Gutachten erhalten. Aber Post vom Kreis oder der Stadt, dass der Putz abbröckelt, sowas hatte der nie bekommen. Solche Briefe kommen erst, seitdem wir das haben. Den letzten beißen immer die Hunde. Das ist schon alles merkwürdig", meinte Christen.

Ursprünglich habe er das Haus sanieren wollen. Es habe auch Interessenten gegeben, etwa für ein kleines "Romantikhotel" oder eine Arztpraxis. Es sollte eine Verbindung zwischen Wohnen und Gewerbe werden. Die Pläne indes hätten sich zerschlagen, zumal sich Anfang 2014 ein Kaufinteressent gemeldet hätte: Thomas Näfken aus Bernburg.

Unterdessen gab es zu diesem Zeitpunkt schon mehrfach Gespräche über den maroden Zustand des Hauses. Anfang des Jahres habe die Verwaltung darauf gedrungen, dass in Sachen Trüstedtsches Haus was passieren müsse, bestätigte Bürgermeister Konrad Fuchs. Der Eigentümer sei mehrfach angeschrieben worden, habe aber nicht reagiert.

Vor etlichen Wochen habe es einen Lokaltermin mit dem Kreis-Bauordnungsamt gegeben. Ein Statiker sei auch dabei gewesen. "Und der hat bestätigt, die Hütte fällt zusammen, wenn Schnee und Sturm kommen", so Fuchs. Der Kreis habe die Ersatzvornahme angeordnet: den Abriss des Hauses. Der Schutthaufen sollte liegenbleiben. Das Fachwerk sollte die Stadt einlagern.

Unterdessen rudert der Kreis allerdings etwas zurück. Der Altmarkkreis habe von den Verkaufsverhandlungen keine Kenntnis gehabt. Von Abriss sei so auch nicht die Rede gewesen, sondern von Ersatzvornahme. Mit Blick auf die neue Situation werde sich das Bauordnungsamt kurzfristig mit dem potenziellen Eigentümer hinsichtlich der notwendigen Gefahrenabwehrmaßnahmen in Verbindung setzen, erklärte Kreissprecherin Birgit Eurich auf erneute Anfrage.

"Den schwarzen Peter lasse ich mir nichtzuschieben."

Bauamtsleiter Engelhard Behrends

Das ist offenbar auch schon passiert. Näfken war am Dienstag der vergangenen Woche im Bauordnungsamt. Am Donnerstag war er in Gardelegen. Nicht nur auf dem Grundstück Trüstedtsches Haus, sondern auch bei Stadt-Bauamtsleiter Engelhard Behrends. Und der zeigte sich zunächst auch etwas verärgert. Denn dass alle im Tal der Ahnungslosen gewesen wären, sei nicht wahr. Behrends verwies auf E-Mail-Kontakte mit Näfken, in denen er mehrfach auf den drohenden Abriss hingewiesen hätte, zuletzt erst vor wenigen Wochen. "Den schwarzen Peter lasse ich mir nicht zuschieben", stellte Behrends klar. Im Gegenteil. "Wir kämpfen um jedes Haus und um jeden Interessenten", betonte Behrends, der sich in den vergangenen Jahren aktiv für den Erhalt des Hauses eingesetzt hatte.

Nun soll möglichst alles ganz schnell gehen. Näfken, der in Bernburg eine Firma hat, die unter anderem Terrassen und Wintergärten baut, ist nach wie vor am Kauf des Hauses interessiert. Allerdings nur, wenn es Hilfe seitens der Stadt gibt. Konkret geht es um die Sicherung des Hauses, die laut einem Kostenvoranschlag einer Fachfirma aus Ritze 24000 Euro kostet. Die Firma sei auch der Auffassung, dass das Gebäude erhalten werden könne.

"Wir wollen eine Lösung finden. Das geht aber nicht von heute auf morgen", so Behrends. Für dieses Jahr sei der Fördergeldtopf auch ausgereizt. Behrends wird aber am Montagabend den Stadtrat über die Sachlage informieren. Bis dahin soll Näfken seine Pläne und Fördergeldvorstellungen auch schriftlich fixiert haben.