Stendal l In der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Leckerei! Wer denkt da nicht gleich an weihnachtlichen Stollen? Den herrlich buttrigen Hefekuchen gibt es mittlerweile in unzähligen Varianten, vom klassischen Butterstollen über Zimtstollen bis hin zu Mohn- oder Nougatstollen. Die besten Kreationen wurden im Stendaler Modehaus Ramelow bei der vierten öffentlichen Stollenprüfung des Landesinnungsverbands des Bäckerhandwerks Sachsen-Anhalt gekürt. Nachdem unabhängig davon bereits am Montag eine Leistungsschau in Magdeburg stattgefunden hatte, waren nun die beiden altmärkischen Landkreise an der Reihe.

Unter den wachsamen Augen der Besucher tasteten, schnüffelten und probierten sich der Sachverständige und Bäckermeister Michael Isensee und sein Assistent, Bäckermeister Peter Flechtner, durch ein Sortiment von 21 verschiedenen Stollen aus 13 regionalen Backbetrieben. "Wir testen nach insgesamt sechs Kriterien: Aussehen, Krusten-oberfläche, Lockerheit sowie Struktur des Teiges, Geruch und natürlich Aroma. Wobei der Geschmack ganz eindeutig am wichtigsten ist", erklärte der ausgebildete Brotprüfer Michael Isensee.

Woraus die einzelnen Backwaren genau bestanden, wusste er nicht. Lediglich ein Handzettel gab Aufschluss über das Mischverhältnis, welches entscheidet, ob sich ein Stollen auch als solcher bezeichnen darf: Der Teig muss ein Mindestmaß an Fett sowie an Trockenfrüchten beziehungsweise der zentralen Zutat wie Mohn oder Nüssen enthalten. Beim Rest sind der Kreativität der Bäcker keine Grenzen gesetzt. "Dabei sollte man jedoch nicht über das Ziel hinausschießen. Schnell ist der Teig zu intensiv gewürzt oder vor lauter Frucht nicht mehr sichtbar", warnte Bäckermeisterin Karin Beier, die die Veranstaltung moderierte. Auch Michael Isensee bestätigte, dass er vor allem auf ein harmonisches Miteinander der einzelnen Komponenten achtet. Zwischendurch nippte er immer wieder an einer Tasse ungesüßtem schwarzen Tee. "Die leichten Bitterstoffe neutralisieren den Geschmackssinn und ich kann mich ganz unvoreingenommen dem nächsten Stollen widmen. Und um am Ende keinen Zuckerschock zu erleiden, esse ich jeweils nur ein kleines Stück." Der Rest der Kostproben wurde anschließend durch das Publikum gereicht, das sich so ebenfalls ein Urteil bilden und seine Favoriten gleich am Stand nebenan kaufen konnte. Der gesamte Erlös von 300 Euro wurde der Stendaler Tafel gespendet.

Während für die Besucher ihr persönlicher Sieger schnell feststand (Flechtners Osterstollen mit säuerlich eingelegten Cranberrys), bewertet Testesser Michael Isensee gleich neun Stollen mit der vollen Punktzahl und dem Prädikat "sehr gut", darunter ebenjener Osterstollen und der Bio-Delikatess-Stollen aus der Apenburger Landbäckerei vonKarin Beier. Weitere elf Stollen wurden mit "gut" benotet. Einzelheiten zu den Ergebnissen sind auf www.stollen-test.de einsehbar.