Auf der Tagesordnung - im Namen von Bürgermeister Konrad Fuchs - stand die Ortsbesichtigung. In die Kita in Berge kamen die Ortsratsmitglieder am Dienstag jedoch nicht hinein. Nun soll es einen zweiten Vor-Ort-Termin geben.

Berge l Punkt 18 Uhr waren die Berger Ortschaftsratsmitglieder am Dienstag vor der Kita. Doch dort mussten sie auch bleiben. Denn die Einrichtung blieb geschlossen, ein Verwaltungsmitarbeiter oder Erzieher der Einrichtung kam nicht, damit sich die Ortschaftsratsmitglieder dort umsehen können. "Das hat nicht geklappt, ich werde klären, dass wir dort beim nächsten Mal reinkommen", sagte Ortsbürgermeister Paul Berlin in erstaunlich ruhigem Tonfall.

Der stellvertretende Ortsbürgermeister, Christian Grothe, hatte bei den Erzieherinnen des "Wichtelstübchens" wegen des Besichtigungstermins angefragt. "Dann sagten sie mir, dass das so nicht möglich sei, wir müssen einen Antrag stellen, wenn wir in die Kita wollen. Die Erzieherinnen dürfen uns nicht reinlassen", berichtete Grothe bei dem Vor-Ort-Termin.

"Keine wusste etwas Konkretes."

Martina Gruhn, Stadtverwaltung

Martina Gruhn und Silvio Kruse von der Gardeleger Stadtverwaltung sagten gestern, dass es sich "um ein Missverständnis gehandelt" hätte. "Wir haben noch bei den Erzieherinnen nachgefragt, was denn besichtigt werden solle, aber keine wusste etwas Konkretes", so Gruhn, die für die Kindertagesstätten zuständig ist. Außerdem sei am Dienstagnachmittag durch die Kita-Weihnachtsfeier niemand mehr in der Einrichtung gewesen. Silvio Kruse ergänzte: "Das war keine böse Absicht, wir hatten uns bemüht, noch nachzufragen, aber hatten keine Telefonnummer." Allerdings: Der Berger Ortsbürgermeister steht sogar im Telefonbuch.

Im Hinblick darauf, dass die Tagesordnungen der Sitzungen von Verwaltungsmitarbeitern in Zusammenarbeit mit den Ortsbürgermeistern erarbeitet werden und damit die Information zur Kita-Besichtigung bereits im Rathaus vorlag, sagte Gruhn: "Das ist ein bisschen daneben gelaufen."

Neuigkeiten zur Berger Kita erfuhren die Ratsmitglieder am Dienstagabend aber dennoch: Zurzeit gebe es keine Leiterin, sagte Andrea Dannies vom Elternkuratorium. Sie bestätigte, dass derzeit nur die drei Erzieherinnen tätig seien: "Wir führen Vorstellungsgespräche und hoffen, dass wir jemanden finden", berichtete Martina Gruhn.

"Eltern müssen auf andere Einrichtung ausweichen."

Andrea Dannies, Elternkuratorium

Zurzeit werden laut Gruhn 29 Kinder in Berge betreut, darunter 16 Krippen- und 13 Kindergartenkinder. Die Betriebserlaubnis geht von 30 Kindern in der Einrichtung aus, bis Ende 2015 gilt jedoch eine Ausnahmegenehmigung für die Betreuung von 35 Kindern. Laut Andrea Dannies, Vorsitzende des Elternkuratoriums, müsse es im kommenden Jahr einen Aufnahmestopp geben. "Das heißt, dass wahrscheinlich Kinder aus Berge, Laatzke und Ackendorf nicht mehr in die Kita gehen können, sondern Eltern auf eine andere Einrichtung ausweichen müssen", so Dannies. Von den 29 Kindern sind 5 aus Gardelegen, die anderen 24 aus Berge, Ackendorf und Laatzke. Berlin bedauerte den Umstand, sollte es so kommen, dass Kinder aus einem der drei Ortsteile nicht mehr die Berger Einrichtung besuchen könnten, weil sie voll sei. Gruhn sagte, dass Anmeldungen für die Berger Kita vorliegen: "Die Zahlen schwanken immer ein bisschen."

Dass sich der Berger Ortschaftsrat in der Kita umschauen wollte, hing auch mit der Kritik an den baulichen Zuständen zusammen, die im Juli während einer Sitzung des Gemeindeelternrates in der Einrichtung zur Sprache gekommen war. Unter anderem war ein Verschlag in der Berger Kita mit einer losen Tür gesichert worden. Diese hielt nur, weil ein Tisch davor geschoben war. Dieser gefährliche Missstand war damals von der Stadtverwaltung zügig behoben worden. Für Entsetzen in Berge hatten auch die Äußerungen von Bürgermeister Konrad Fuchs gesorgt, der eine Schließung der Kita in die Diskussion gebracht hatte.