Kalbe l Wie funktioniert eigentlich Politik? Wie arbeitet eine Fraktion im Bundestag? Fragen wie diese kann Laura Pawils ihren Mitschülern jetzt ganz sicher beantworten. Drei Tage lang war die 16-jährige Sekundarschülerin Anfang des Monats auf Einladung der altmärkischen SPD-Bundestagsabgeordneten Marina Kermer beim "Planspiel Zukunftsdialog" in Berlin dabei und nutzte so die Möglichkeit, Politik hautnah zu erleben.

Die, so versichert die Zehntklässlerin lächelnd, sei zunächst einmal "ganz schön anstrengend". Die drei Tage, an denen Laura mit rund 100 anderen Jugendlichen - Schülern, Studenten, Gymnasiasten und Auszubildenden - aus dem gesamten Bundesgebiet zur Bundestagsabgeordneten auf Zeit wurde, hatten es nämlich in sich. "Wir waren wirklich vollgepackt mit Terminen", versichert sie. Angefangen von der Akkreditierung im Reichstagsgebäude - inklusive eines Mittagsimbiss\' im Bistro und einer Begrüßung durch SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann - bis hin zu den Abschlussberatungen und der letzten Fraktionssitzung gab es kaum Pausen, dafür aber viel Spannendes zu erleben. Zumal Laura in ihrer Lieblingsarbeitsgruppe landete. Mit 22 anderen jungen Leuten schloss sie sich der AG Bildung und Forschung an. Deren Themen lagen der jungen Altmärkerin nämlich selbst am Herzen. "Uns ging es vor allem um einheitliche Anforderungen im Bildungssystem", sagt sie. Unter dem Motto "Jetzt lernt zusammen, was zusammengehört", erarbeiteten die Politiker auf Probe auch gleich mutige Anträge. "Wir wollten, dass das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern zur ausgleichenden Finanzierung des Bildungssystems aufgehoben wird", sagt Laura energisch. "Zumindest sollten gemeinsame Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es den Ländern dann immer noch ermöglichen, ihre individuellen Stärken zu fördern."

Kostenloses Mittagessen für alle Schüler

Und Lauras Arbeitsgruppe hat auch noch mehr Vorschläge, "zum Beispiel ein kostenloses Mittagessen für alle Schüler oder kostenlose Schulbusse, auch für die Gymnasiasten". Vorstellen könnte sich Laura auch "ein Kulturticket" für Jugendliche. "Das könnte ruhig zehn Euro im Monat kosten, dafür würde man dann aber in alle kulturelle Veranstaltungen kostenlos reinkommen."

Die Anträge ihrer Gruppe kamen bei den anderen drei Fraktionsarbeitsgruppen dann natürlich auch gut an: "Bei uns gab`s kaum Kritik, als wir unsere Vorschläge vorgestellt haben." Dafür wurde unter den Jugendlichen heftig über die Anträge der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales gestritten: Die hatte unter anderem vorgeschlagen, "dass Asylantragsteller bis zur Anerkennung ihrer Anträge doch Ein-Euro-Jobs übernehmen könnten", sagt Laura empört. Das sei von den anderen Arbeitsgruppen indes als "menschenverachtend" abgelehnt worden.

Immer noch ist die 16-Jährige schwer begeistert von ihrem Ausflug in die Politik. Selbst wenn zwischendurch kaum Zeit blieb. Außer einer Besichtigung des Reichstages und der großen Kuppel war nicht viel Sightseeing angesagt: "Wir waren ja bis abends 22 Uhr im Paul-Löbe-Haus!" Da seien alle im Hotel nur noch müde gewesen. Sie so sehr, dass sie am zweiten Tag glatt ihr Frühstück verpasste. Das allerdings machte nichts: "Da gibt es überall Büfetts, an denen man sich bedienen kann. Kein Wunder dass manche Politiker doch ein bisschen fülliger sind."

Lauras Fazit nach drei Tagen Politikversuch: "Ich würde jederzeit wieder hinfahren!" Ihre erste Rede vor Publikum plant sie derzeit schon. In der nächsten Sozialkundestunde wird sie ihrer Klasse von Berlin berichten.