Und wieder gibt es Streit um ein Gardeleger Denkmal. Diesmal geht es um das Haus in der Sandstraße 9. Hier soll - so plant die Wobau - ein Hofgebäude weichen. Ein Antrag ist gestellt - das Landesamt für Denkmalpflege hatte ihn, die obere Denkmalschutzbehörde würde ihn gern mal sehen - aber entscheiden muss der Kreis.

Gardelegen l Das Ensemble kennen in Gardelegen viele: Vorn an der Sandstraße steht das Wohnhaus, etwa um 1910 gebaut, im Hinterhaus, etwa in den 1970er Jahren errichtet, war mal die Volkshochschule drin. Und dazwischen steht ein Anbau, der einst eine Werkstatt beherbergte, später dann auch Schulungsräume. Und genau der soll weg. Stattdessen möchte die Gardeleger Wobau das Vorder- und Hinterhaus sanieren und damit neue Wohnungen und Stellplätze für künftige Mieter schaffen. Denn Parkplätze vor dem Haus sind nur begrenzt zu haben.

"Sobald es um eine Wegnahme geht, sind wir mit im Boot"

Andreas Riethmüller, Leiter der Oberen Denkmalschutzbehörde

Wie jedes Haus im Stadtkern gehört aber auch das Objekt Sandstraße 9 zum denkmalgeschützten Bereich der Stadt. Und dort reißt man nicht einfach irgendetwas ab. Das darf nur auf Antrag passieren. "Und den haben wir diesmal auch gestellt", sagt Wolfgang Oelze. Dass er dabei ein bisschen ironisch klingt, liegt an den jüngsten Schuldzuweisungen der Oberen Denkmalschutzbehörde, dass ein ordentlicher Antrag ein anderes Denkmal in Gardelegen - nämlich das Trü- stedtsche Haus - hätte retten können. Nur war die Wobau dort nicht Eigentümer. Diesmal ist sie es, beziehungsweise die Stadt. Und so ging der Antrag an die Untere Denkmalschutzbehörde, sprich den Kreis, und von dort nach Halle zum Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, wo Gebietskonservator Falko Grubitzsch eine Stellungnahme abgeben sollte, ob und welche Punkte für oder gegen einen Abriss sprächen. "Aber dort liegt der Antrag nun schon seit einem halben Jahr, und es tut sich nichts", sagt Oelze, der dringend auf die Genehmigung wartet.

Und da werde Oelze auch noch lange warten, sagt Andreas Riethmüller, Leiter der Oberen Denkmalschutzbehörde, auf Volksstimme-Nachfrage. "Denn dafür ist der (Grubitzsch)doch gar nicht zuständig", stellt er klar. Und auch er klingt dabei ein bisschen ironisch. Denn seine Behörde müsse es - siehe Trüstedtsches Haus - am Ende immer ausbaden, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen sei. Das Landesamt, so Riethmüller, sei schließlich keine Behörde, es gebe nur ein Votum auf rein wissenschaftlicher Grundlage ab. "Das Amt muss sich lediglich mit der Unteren Denkmalschutzbehörde, also dem Kreis, ins Benehmen setzen. Der Landkreis trifft dann die erste Entscheidung, sobald es aber um so brisante Dinge wie eine Wegnahme geht, sind wir mit im Boot", betont Riethmüller.

"Das ist nicht ganz richtig so", sagt gestern Falko Grubitzsch, ebenfalls auf Nachfrage der Volksstimme. "Ich weiß nicht, ob Herr Riethmüller darüber nicht informiert ist, aber über einen Teilabbruch sollte die Untere Denkmalschutzbehörde allein entscheiden können, selbstverständlich beraten durch das Landesamt für Denkmalpflege." Und was dies angehe: Der genannte Antrag der Wobau auf Abriss liege schon lange nicht mehr auf seinem Schreibtisch, sondern sei wieder zurück an die Untere Denkmalschutzbehörde gegangen.

In seiner Stellungnahme habe er übrigens mehr Gründe angeführt, die für den Erhalt des Mittelgebäudes sprechen würden, als für den Abriss, sagt Grubitzsch. Ob das Gebäude dennoch abgerissen wird oder nicht, diese Entscheidung werde aber in Salzwedel fallen.

"Auf wen sollen wir sonst hören, wenn nicht auf Halle?"

Wolfgang Oelze, Geschäftsführer der Gardeleger Wobau

Und dort hält man sich offensichtlich zumeist an die Stellungnahmen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie. Denn von Grubitzsch sei schließlich auch im Fall des Nebengebäudes hinter dem Trüstedtschen Hauses - das derzeit nun abgerissen werden muss - die "knallharte Ansage" gekommen: "Das Ding bleibt stehen!", erinnert sich Wolfgang Oelze, "und das war für uns letztendlich ausschlaggebend, dass wir das Objekt aufgegeben haben." Denn der Erhalt eines "Schuppens" hätte sich für die Wobau nicht gerechnet. Die Aussage des Gebietskonservators sei für ihn damals klar und deutlich gewesen. "Auf wen sollen wir sonst hören, wenn nicht auf Halle?", fragt Oelze.

"Herr Oelze und Herr Fuchs haben etwas an den Ohren."

Falko Grubitzsch, Gebietskonservator, Landesamt für Denkmalpflege

Andreas Riethmüller, oberer Denkmalschützer des Landes und mit seiner Behörde ebenfalls in Halle ansässig, ist mit "so einem Auftreten" der Mitarbeiter des Landesamtes wiederum gar nicht einverstanden. Und jetzt klingt er nicht mehr ironisch, sondern eher ärgerlich.

Aber auch Falko Grubitzsch ist ärgerlich. "Herr Oelze und Herr Fuchs haben etwas an den Ohren, so sind die Worte nicht gefallen", sagt Grubitzsch. Denn so sei von seiner Seite aus nie argumentiert worden. Ganz abgesehen davon sei er aber auch heute noch der Ansicht, dass auch das Hinterhaus des Trüstedtschen Hauses hätte erhalten werden können. "Das hätte man ja sogar selbst auch als Wohnhaus ausbauen können", meint Grubitzsch. Solches sei in der Region übrigens auch schon erfolgreich umgesetzt worden.