Kalbe l Sie konnte es kaum fassen, als Musikerin Patricia das Kärtchen mit ihrem Namen aus der durchsichtigen Box zog und anschließend auch noch Gaby Albrecht auf sie zukam, um ihr einen Gutschein zu überreichen. So eben hatte Hildegard Osterburg aus Kalbe nämlich zwei Karten für die nächste große Volksmusikshow im Kulturhaus gewonnen. Die findet am 8. März statt und bringt unter anderem solche bekannten Interpreten wie Mara Kayser oder Judith Mel nach Kalbe.

Doch am Sonnabendnachmittag galt es erst einmal, die Stimmen anderer Künstler zu genießen. Und es war dabei nicht unbedingt nötig, ein erklärter Fan der Volksmusik zu sein, um eine wohlige Gänsehaut nach der anderen zu bekommen. Denn was Gaby Albrecht und ihre Mitstreiter Bettina Patricia, Ronny Weiland und die Begleitband Harlekin dort boten, das konnte sich mehr als hören lassen. Als Namensgeberin der Show, die "Weihnachten mit Gaby Albrecht" hieß, nahm die gebürtige Magdeburgerin mit der ungewöhnlichen Altstimme ihre Aufgabe auch ganz besonders ernst. Sie trat nicht nur immer wieder gemeinsam mit allen genannten Kollegen auf, sondern rezitierte auch einige Gedichte und sogar eine längere Weihnachtsgeschichte. Nicht einmal ein Handy, das dabei penetrant aus einer der Zuschauerreihen bimmelte, konnte sie aus dem Konzept bringen. Halb im Spaß, halb im Ernst meinte die Künstlerin dann allerdings: "Nun gehen Sie doch schon ran! Es könnte ja der Weihnachtsmann sein."

Premiere für Ronny Weiland

Besonders berührend waren jedoch Gaby Albrechts Duette mit Ronny Weiland, mit dem sie, wie sie sagte, eine Art "Weihnachtliches Verhältnis" pflege und mit dem sie unter anderem "Der Trommler" sang. Der Thüringer mit dem Steinmetz-Meisterbrief in der Tasche, der doch tatsächlich von sich behauptet, vor 2004 überhaupt nicht gewusst zu haben, wie gut er singen könne, verfügt über einen Bassbariton, den er zuweilen von ganz tief aus dem Keller zu holen scheint. Nicht von ungefähr wird er immer wieder mit dem verstorbenen Ivan Rebroff verglichen. Der sang bekanntlich besonders gern das Lied "Es steht ein Soldat am Wolgastrand". Ronny Weiland gab dieses am Sonnabend ebenfalls zum Besten und stand seinem großen Vorbild dabei in nichts nach - zumal er auch optisch, sowohl von der Statur als auch von der Kostümierung her, an Rebroff erinnerte.

Nach der Pause tauchte Weiland dann allerdings in einem weißen Anzug auf. Den habe Florian Silbereisen vor einiger Zeit mal bei einer Fernsehshow, in der auch er aufgetreten sei, in der Garderobe vergessen. "Und? Passt!", scherzte Weiland und schaute an sich herunter.

Im Gegensatz zu ihm war das Duo Bettina Patricia am Sonnabend bereits zum wiederholten Mal in Kalbe zu Gast. Und auch die beiden Schwestern vom Bodensee verzauberten das Publikum - allerdings nicht nur mit ihrem zweistimmigen Gesang, sondern auch und vor allem mit ihren steirischen Harmonikas, mit denen sie unter anderem ein zu Herzen gehenden Instrumentalstück von Slavko Avsenik intonierten.

Die Volksmusik-Künstlerin, die bislang aber die häufigsten Auftritte im Kalbenser Kulturhaus absolviert hat, heißt Gaby Albrecht. Sie kommt so gut wie jedes Jahr. Und immer, wenn sie sich für ein weiteres Konzert ankündigt, ist der Vorverkauf eine Art Selbstläufer. Auch diesmal konnte der Veranstalter wieder ein "Ausverkauft" vermelden.

   

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