Von dieser Resonanz können andere Veranstalter nur träumen. Gleich an zwei aufeinanderfolgenden Abenden waren die Neujahrskonzerte im Zuge der Altmark-Festspiele auf Gut Zichtau ausverkauft. Beim Publikum hinterließen sie Begeisterung pur.

Zichtau l "Die hatten ja gewaltige Stimmen. Ich habe nur darauf gewartet, dass da ein Glas zerspringt", sagt am Samstagabend einer der Gäste beim Verlassen der Orangerie. Er und seine Frau sind aus Vienau angereist, um auf Gut Zichtau eines der beiden Neujahrskonzerte mit Glanzlichtern aus Oper, Operette und Filmmusiken zu erleben. Und die Anfahrt hat sich nicht nur für dieses Paar gelohnt.

Die Veranstaltungen - das erste Konzert gibt es am Sonnabend- , das zweite am Sonntagabend - sind seit Wochen komplett ausverkauft. Denn das Publikum weiß, dass ihm im Zuge der Altmark-Festspiele Kultur in Top-Qualität geboten wird. Auch diesmal sieht es sich nicht getäuscht, ist beide Male restlos begeistert, was sich nicht nur in Zugabeforderungen, sondern auch in stehenden Ovationen ausdrückt.

Reinhard Seehafer, dem Musikalischen Leiter der Altmark-Festspiele, ist es wieder einmal gelungen, herausragende Künstler in die Region zu holen. Und er selbst gehört dazu. Bei beiden Konzerten begleitet er Ulrike Staude (Sopran), Patricia Osei Kofi (Mezzosopran) und Jörg Hempel (Bariton) am Klavier, während seine Frau, Carmen Seehafer, moderiert. Zu allen Stücken und zu denjenigen, die sie komponiert haben, hält sie interessante und charmant vorgetragene Informationen sowie manch amüsante Anekdote bereit.

Aber auch den Künstlern entlockt sie einiges aus dem Nähkästchen. So erzählt zum Beispiel Ulrike Staude, dass sie wahnsinnig gern tanze, besonders argentinischen Tango, dass ihr Ehemann aber leider ein Tanzmuffel sei. Der sitzt derweil direkt hinter ihr. Denn es handelt es sich um Sänger Jörg Hempel. Und dann verrät auch Carmen Seehafer, dass es ihr Mann mit dem Tanzen nicht so habe. Der Maestro liefert daraufhin, verschämt lächelnd, gleich eine Art wissenschaftliche Erklärung dafür, warum so vielen Musikern bei körperlicher Bewegung das Taktgefühl abhanden komme.

Verneigung vor Udo Jürgens

Absolut gefühlvoll ist hingegen das, was Reinhard Seehafer dem Klavier entlockt - und Jörg Hempel seiner Kehle. Immer wieder geht der Bariton bei seinen Vorträgen auch auf Tuchfühlung mit dem Publikum, singt mit Leidenschaft und körperlichem Einsatz Arien berühmter Opern wie zum Beispiel die des Van Bett aus "Zar und Zimmermann". Seine Ehefrau und deren Kollegin präsentieren sich hingegen unter anderem als "Die lustigen Weiber von Windsor".

Während in der ersten Konzerthälfte die Oper im Mittelpunkt steht, geht es nach der Pause in den Bereich der Operette und der Filmmusiken. Da verwandelt sich zum Beispiel Ulrike Staude in Zarah Leander und erhält für "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen" sogar Szenenapplaus vom Maestro persönlich.

Besonders beeindrucken die Künstler jedoch, wenn sie gemeinsam agieren. Zum Beispiel beim letzten und zugleich jüngsten Lied des Abends, das aber ebenfalls längst ein Klassiker ist: Mit "Merci Cheri" verneigen sie sich vor dem kürzlich verstorbenen Udo Jürgens.

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