Eine Reise durch Nordamerika muss gar nicht lang sein. Mit René Kempf dauerte sie am Wochenende in Miesterhorst zum Beispiel nur etwa eineinhalb Stunden. Die Teilnehmer benötigten dafür noch nicht einmal ein Visum, und doch erlebten sie viele Abenteuer.

Miesterhorst l Nein, er braucht kein Mikrofon. René Kempf hat eine kräftige Stimme. Und er spricht natürlich Deutsch an diesem Abend im Miesterhorster Café Andrea, auch wenn er Kanadier ist. "Und wenn Sie Kanadisch-Sächsisch verstehen, kommen wir klar", sagt er und grinst verschmitzt. Denn eigentlich stammt Kempf aus Zwickau. Und auch wenn ihm im Verlauf seines Vortrages manchmal die deutsche Übersetzung für einen typisch kanadischen Ausdruck nicht gleich einfällt, kann er seine sächsische Heimat trotzdem nicht verleugnen. Doch auch das macht ihn sympathisch - das, aber vor allem seine charmante Art von seiner Heimat zu erzählen.

"So ein Grizzly ist, wenn er steht, höher als die Decke hier."

Die heißt seit 28 Jahren nämlich Kanada. Dort lebt er gemeinsam mit seiner Familie ganz klischeehaft in einem echtem Blockhaus im Wald, das auch tatsächlich in so manchem Winter im Schnee versinkt. Sein "ja, es ist nicht immer lustig in Kanada" glaubt ihm an diesem Abend dennoch keiner der mehr als 50 Gäste. Viel zu viel Schalk und Abenteuerlust glänzen in seinen Augen.

Und damit steckt der Deutsch-Kanadier spätestens nach fünf Minuten dann auch alle seine Zuhörer an. Denn Kempf begeistert sie in seinem Vortrag nicht nur mit wirklich großartigen Fotos - vom Porträt eines Grizzlybären beim Lachsfang über einen schlafenden Wolf bis hin zu bezaubernden Landschaftsaufnahmen - er entführt sie auch verbal direkt nach Nordamerika. Auf seiner Reise nimmt er sie an diesem Abend mit durch den Norden Kanadas bis hinauf nach Alaska. Die Tour führt sie vorbei an den großen Städten, "die durchaus auch Reizvolles zu bieten haben", schließlich direkt hinein in die Wildnis Kanadas und Alaskas. "Bären, Indianer, Goldsucher" hat er seine Tour genannt.

Und zu allen drei Themen gibt es nicht nur zahlreiche Geschichten, sondern auch viele Tipps für jene, die es auch mal versuchen wollen. Zum Beispiel den, sich besser nicht mit einem Grizzly einzulassen. "Der ist nämlich, wenn er steht, höher als hier im Café Andrea die Decke." Wer sich einem solchen Koloss dennoch plötzlich gegenübersehe, solle ihm deshalb "besser nicht direkt in die Augen schauen", aber dafür freundlich mit ihm reden: "Natürlich auf Englisch, etwa: `Hey bear, all okay, bear`, sonst versteht er es ja nicht."

Und zu Lachen gibt es auch sonst noch jede Menge an diesem Abend. Zum Staunen ebenso. So erfahren die Gäste zum Beispiel, dass der Weihnachtsmann Santa Claus in Alaska eine Frau hat, dass es in vielen Orten lebendige "Ampelmännchen" gibt und auch, dass nicht nur die Berge, "sondern auch die Steaks dort oben um ein Vielfaches größer sind, als in Deutschland".

Dass die Besucher am Ende dann doch dorthin, genauer direkt nach Miesterhorst, zurückkehren müssen, findet so mancher sicher schade. Vielleicht plant der eine oder andere aber auch schon seine nächste Reise nach Kanada. "See you later", wünscht sich auch Kempf augenzwinkernd.

So manch einer war aber offensichtlich auch schon mal da, im Land der Bären und bunten Wälder. Die Bilder an den Wänden, die Miesterhorsts ehemaliger Bürgermeister Diethelm Meyer selbst geschossen hat, sprechen da nämlich eine deutliche Sprache.

Mehr zu Kanada und Alaskareisen mit René Kempf gibt es unter www.captainrenestravel.de.

   

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