Deutschland stirbt aus - Gardelegen hält dagegen. Der Überalterung, den Wegzügen und den Prognosen des statistischen Landesamtes zum Trotz leben mit dem Jahreswechsel 22 Menschen mehr in der Einheitsgemeinde als im Vorjahr.

Gardelegen l Auch wenn die Zahl nur klein ist, sie ist doch irgendwie ein Hoffnungssignal: Gardelegen ist im vergangenen Jahr nämlich größer geworden. Sicher auch um das eine oder andere Einfamilienhaus, genau bezifferbar aber um die Zahl seiner Bewohner. Insgesamt 23417 Gardeleger gab es am letzten Tag des vergangenen Jahres. Und dazu zählen natürlich auch alle Ackendorfer, Solpker oder Miester.

Den größten Zuwachs verzeichnete aber tatsächlich die Stadt Gardelegen selbst. 105 Menschen kamen hier im vergangenen Jahr rechnerisch dazu. Noch ein Jahr zuvor hatten die Statistiker ein Minus von 67 Personen errechnet.

Dass sich die Bevölkerung in diesem Jahr so deutlich gegen den Trend entwickelt hat, hat mehrere Gründe. Einer der bedeutendsten ist die Zuwanderung von ausländischen Einwohnern. 226 Männer, Frauen und Kinder ausländischer Herkunft kamen 2014 in die Hansestadt - einige als Mitarbeiter von Unternehmen, andere als Asylantragsteller. Damit beträgt die Zahl der Ausländer in Gardelegen nun insgesamt 729, davon 367 EU-Bürger, umgerechnet 3,11 Prozent oder rund jeder 33. Bürger der Stadt.

"Gardelegen ist eben auch sehr kinderfreundlich."

Bürgermeister Konrad Fuchs

Ein weiterer Grund für die positive Entwicklung ist aber auch eine weitere Tendenz, die sich laut Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs "erst in den letzten paar Jahren zeigt." Seit 2009 ziehen nämlich offensichtlich wieder mehr junge Eltern in die Einheitsgemeinde. So wurden in Gardelegen 187 Kinder geboren aber 194 Jungs und Mädchen unter einem Jahr lebten am 31. Dezember 2014 in der Hansestadt und deren Ortsteilen. "Gardelegen ist eben sehr kinderfreundlich", kommentiert Fuchs. "Die Krippenplätze sind bezahlbar, die Kinderbetreuung ist sehr gut."

"Wir schrumpfen, aber nicht so dramatisch, wie vorhergesagt."

Bürgermeister Konrad Fuchs

Das alles seien Vorteile, die so mancher, der hier lebt, vielleicht nicht mehr so zu schätzen wisse. Für Familien, die aus anderen Bundesländern oder Kommunen kommen, seien diese Standortfaktoren aber bedeutsam.

Dennoch klafft die Schere zwischen Geburten und Sterbefällen auch 2014 wieder weit auseinander. Denn den 187 Geburten in Gardelegen stehen 287 Todesfälle gegenüber. Und diese Differenz spricht schließlich für einen insgesamten Rückgang der Bevölkerung, der auf lange Sicht auch mit Zuzügen und Einwanderung nicht aufzuhalten ist. Das will auch Fuchs nicht leugnen. Dennoch freut sich der Stadtchef über die neuesten statistischen Zahlen: "Denn wir schrumpfen zwar, aber bei weitem nicht so dramatisch, wie vorhergesagt." Die Prognose des Landesamtes für Statistik hatte nämlich für 2014 einen Rückgang der Bevölkerung von 295 Menschen vorausgesagt. Dass diese Zahlen zu hoch angesetzt sind, war, laut Konrad Fuchs, "auch in den Vorjahren schon so zu erkennen."

Das Durchschnittsalter der Gardeleger Bevölkerung liegt übrigens bei 45 Jahren. Dabei sind die Damen, die leicht in der Unterzahl sind, mit durchschnittlich 47 Jahren etwas älter als die Herren (43 Jahre).

In der Überzahl sind dagegen die Dorfbewohner. In den Ortsteilen wohnen nämlich mit 13139 Menschen derzeit knapp 3000 Männer, Frauen und Kinder mehr, als in der Kernstadt.