Die Gardeleger Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe hat neue Orientierungsschilder bekommen. Zu verdanken ist die Aktion dem Einsatz der Familie Köhn.

Gardelegen l Ein umgefallenes Schild lag am Gräberfeld der Mahn- und Gedenkstätte. Der Holzpfahl war abgefault. Dabei hatte sich mit Janusz Marszalek vom Friedenszentrum Auschwitz wichtiger Besuch angekündigt. So kann das nicht bleiben - dachte sich Ulrich Köhn. "Wir haben ein ansonsten so gut gepflegtes Gräberfeld", sagt der Gardeleger und beschließt kurz vor Weihnachten, zu handeln.

Der Gardeleger nahm Kontakt mit einer ortsansässigen Metallbaufirma auf, ließ sich die neuen Pfähle aus Stahl anfertigen. In Eigenregie bohrte er die Löcher. Seine Tochter Konstanze Steinecke stellte unterdessen die neuen Schilder her. Gemeinsam mit ihr und seiner Frau Ingeborg hat Ulrich Köhn gestern die gespendeten neuen Schilder angebracht.

Das Schicksal der Opfer des Massakers ist zum Teil der Familiengeschichte geworden. "Ich bin mein Leben lang mit der Gedenkstätte verbunden gewesen", sagte Ingeborg Köhn. Die ehemalige Französisch- und Englischlehrerin am Gymnasium hält den Kontakt mit den französischen Überlebenden aufrecht und half bei Besuchen aus dem Nachbarland immer als Dolmetscherin aus. "Ganz so wie mein Vater Werner Klinkhardt. Ich habe sein Werk fortgesetzt", sagte sie mit einem Lächeln. Gleiches gilt auch für ihren Mann Ulrich. Schon sein Vater, Tischlermeister Friedrich "Fritz" Köhn habe als einer von 16 Gardeleger Tischlern die Holzkreuze für die Gedenkstätte gefertigt - damals aber nicht freiwillig.

Noch immer bewege es ihn sehr, wenn er die Gedenkstätte besuche. "Was hier passiert ist, ist ein Trauerspiel", sagte Ulrich Köhn über das Massaker.

Sichtlich stolz sind die Großeltern auch auf das Engagement ihrer Enkelin Karla Steinecke. Sie gehört zu der Gruppe von acht Schülern, die mit viel Einsatz dafür gesorgt hatten, dass in Gardelegen seit Oktober Stolpersteine an Opfer der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten erinnern.

Bürgermeister Konrad Fuchs lobte den Einsatz der Familie. "Das ist doch das bürgerschaftliche Engagement, wie wir es uns wünschen", sagte Fuchs. Von Paul Schmidt und Torsten Haarseim vom Förderverein der Mahn- und Gedenkstätte gab es zum Dank Blumen.