Bereits zum zweiten Mal in Folge gibt es keinen ordentlichen Vorsitzenden in der Kalbenser Schützengilde. Kommissarisch übernimmt Schießsportleiter Franta Schettge zwar den Posten. Er will ihn, wie Vorgänger Peter Niebel, aber vorerst nur bis zum kommenden Jahr und somit bis zur regulären Wahl ausüben.

Kalbe l Die Stimmung ist angespannt am Freitagabend in den Kalbenser Ratsstuben, auch wenn das die meisten der anwesenden Schützen mit betonter Gelassenheit überspielen. Doch offensichtlich kriselt es im Vorstand des Vereines.

Dessen Oberhaupt, Vereinsvorsitzender Peter Niebel, der den Posten im vergangenen Jahr auch schon nur kommissarisch übernommen hatte, beginnt seinen Rechenschaftsbericht an diesem Abend denn auch gleich mit der Ankündigung, dass er "nicht noch mal den Vorsitz übernehmen" werde. Zwar geht es dann weiter mit vielen Komplimenten und Dank an jene, die sich im abgelaufenen Vereinsjahr auf besondere Weise einbrachten, auch seine Rückschau ist wertungsneutral. Doch danach spricht Niebel bereits verschiedene Kritikpunkte an: Da ist der Bau der geplanten Sanitäranlagen im Vereinshaus in Vahrholz, der wegen "Widrigkeiten" nicht weitergeführt wurde, da gibt es offensichtlich "einen Geschäftsführer, der gar nicht mehr in Erscheinung tritt und sich am Telefon verleugnen lässt", so Niebel, und da ist eine Chronik, deren Weiterführung "noch offen ist". Schlechte Nachrichten en gros.

"Ich stecke viel Arbeit in die Chronik, ohne dass das mal gewürdigt wird."

Cornelia Niebel

Da kann selbst Schießsportleiter Franta Schettge mit den doch recht beachtlichen schießsportlichen Ergebnissen des Vereines nicht für Aufmunterung sorgen. Kassenwart Bernd Krone nutzt seinen Bericht gar für eine Entschuldigung bei einer Vereinsfrau für eine Kritik an deren Protokoll. Die Genannte nimmt diesen mutigen Sprung über den eigenen Schatten aber glücklicherweise freundlich an und entspannt die Situation damit maßgeblich. Und auch Vereins- chef Peter Niebel streut sich schließlich Asche aufs Haupt und entschuldigt sich in der Diskussion bei Chronistin Cornelia Niebel, die nach eigenen Angaben "seit Jahren eine Menge Arbeit" in die Chronik steckt, "ohne dass das mal verbal im Vorstand gewürdigt" werde. "Soll nicht mehr vorkommen", verspricht der Chef und bedankt sich ausdrücklich. Das lässt schließlich auch die fleißige Protokollantin wieder ein bisschen lächeln.

Und die sorgt dann auch gleich während der folgenden Wahl für eine weitere Entspannung. Denn Niebel beendet die etwas hilflose Situation, die nach der missglückten Geschäftsführerneuwahl entstanden ist - für den Posten war Hannelore Müller vorgeschlagen worden, die die mehrheitliche Wahl indes überraschend nicht annimmt. Und so meldet sich Cornelia Niebel kurzentschlossen und bekommt dafür ordentlich Applaus und das Versprechen des Noch-Vorsitzenden: "Wir unterstützen dich auch dabei."

Laut Satzung neu gewählt wurden am Freitagabend schließlich die beiden Stellvertreter des Vorsitzenden. Heinz Günter Falk und Dagmar Gaede übernehmen ab sofort diese Posten. Schatzmeister Bernd Krone wird im Amt bestätigt.

Und dann gibt es schließlich noch einen Tausch. Denn da Peter Niebel zum Schießsportleiter gewählt wird, wird sein - ohnehin kommissarischer - Posten wieder vakant. Den übernimmt - ebenfalls kommissarisch für ein Jahr - nun Vorgänger Franta Schettge.