25 Jahre stand sie hinter dem Tresen an der Kasse und hat die Kundschaft bedient. Am Sonnabend hatte Renate Mewes ihren letzten Arbeitstag im Jeseritzer Dorfkonsum. Seit gestern ist er geschlossen. Renate Mewes wechselt nach Letzlingen. Am 1. Mai geht sie in den Ruhestand.

Jeseritz l Zu DDR-Zeiten gab es in fast jedem Dorf einen Konsum. Brot und Milch liefen auf Bestellung. Zum Wochenende kam noch Wurst und Fleisch für den Sonntagsbraten dazu. Und zwischendrin gab es noch etwas Kosmetik, Reinigungsmittel, Kaffee, Bier und Brause. Diese Zeiten sind schon lange vorbei. In zahlreichen Dörfern wurden die Läden schon gleich nach der Wende geschlossen.

In einigen Dörfern hielten sie sich noch. Dazu gehörte auch der Jeseritzer Konsum. 25 Jahre überstand er die Wende. Seit gestern ist allerdings auch diese Ära abgeschlossen. Der Konsum ist zu. Renate Mewes aus Potzehne, seit 25 Jahren im Jeseritzer Dorfkonsum beschäftigt, hatte am Sonnabend dort ihren letzten Arbeitstag.

Die PuG Kauf Genossenschaft Salzwedel, Betreiberin des Jeseritzer Konsums, hat den Laden aus Rentabilitätsgründen geschlossen.

"Es hat sich einfach nicht mehr gelohnt", sagte Renate Mewes. Zuletzt hätten nur noch die älteren Leute eingekauft. Die Jungen nur, wenn sie etwas beim Einkauf in den großen Märkten vergessen hätten. "Um die älteren Menschen tut es mir leid", bedauerte Renate Mewes, aber es sei nun mal so, dass die Unkosten für Wasser, Strom und andere Dinge trotzdem anfallen, ganz gleich, ob der Umsatz da sei oder nicht.

Der Laden sei kurz vor der Wende für den Konsum gebaut worden - ein kleiner, gemütlicher Laden mit familiärer Atmosphäre - mit Stammkundschaft, wie die 80-jährige Irene Wachsmann oder die Mitarbeiter des Jeseritzer Landwirtschaftsbetriebes von Norbert Tendler, die morgens in den Laden kamen, um fürs Frühstück einzukaufen. Und viele kamen auch, um nebenbei ein Schwätzchen zu halten und Neuigkeiten auszutauschen.

Renate Mewes war zuvor im Potzehner Konsum beschäftigt und wechselte vor 25 Jahren nach Jeseritz - mit Öffnungszeiten wie zu DDR-Zeiten, erzählte die 62-Jährige lachend. Täglich von 8 bis 13 und von 16 bis 18 Uhr und sonnabends von 8 bis 11 Uhr.

"Nach der Wende haben die Leute nur noch Westprodukte gekauft. Das war alles neu, schön bunt verpackt. Heute ist das wieder anders. Es werden wieder Produkte aus dem Osten nachgefragt", hat Renate Mewes beobachtet.

Am Sonnabend hat sie gemeinsam mit einer Gardeleger Kollegin noch Inventur gemacht. Gestern wurden die Waren abgeholt und nach Letzlingen gebracht.

Dort gibt es noch einen Konsum, die Kaufhalle am Marktplatz. Dort wird Renate Mewes zunächst auch arbeiten. Zumindest bis zum 1. Mai. Dann geht sie in den Ruhestand.

"Wir haben den Laden so lange erhalten, bis Frau Mewes in Rente geht", sagte Anja Maaß, Vorstandsmitglied des Salzwedeler Unternehmens, zur Schließung.

Eine Nachbesetzung von Mewes` Stelle sei wegen der fehlenden Rentabilität nicht möglich gewesen. Mit dem Ende des Jeseritzer Konsums gibt es in der Hansestadt nur noch einen in Gardelegen und einen in Letzlingen. "Die sind aber nicht gefährdet", betonte Maaß. Geschäfte in so kleinen Dörfern wie Jeseritz habe die PuG Kauf Genossenschaft nur noch im Harz, in der Altmark jedoch nicht mehr, so Maaß.