Am Kalbenser Kulturhaus und auf dem Parkplatz vor dem Reiterhof "Dammkrug" in Güssefeld soll es künftig je zwei Caravanstellplätze geben. Moderne Technik dafür soll allerdings noch nicht angeschafft werden.

Kalbe l Wer mit einem Wohnmobil in die Einheitsgemeinde Kalbe kommt, hat nur einen öffentlichen Platz, um sein Gefährt zu parken und die Nacht dort zu verbringen: Nahe dem Schloss von Goßler ist eine unbefestigte Freifläche dafür ausgewiesen. Viel nachgefragt wurde die Möglichkeit bislang aber nicht. Und nun gibt es auch noch einen Interessenten für den Platz (Volksstimme berichtete). Deshalb sollen die Camper an einen anderen Ort weiterziehen.

Die Verwaltung schlug dem Stadtrat kürzlich gleich zwei kommunale Flächen vor. Einmal sollen an der Nordseite des Kulturhauses einige Caravan-Stellplätze hergerichtet werden. Weitere sollen vor dem Haupteingang des Reiterhofes "Dammkrug" in Güssefeld auf einem Parkplatz entstehen - um die touristische Attraktivität der Region "mit besonderer Fokussierung auf Wohnmobilisten" zu steigern, wie es in der Beschlussvorlage hieß. Der Hauptausschuss hatte sich bereits einstimmig dafür ausgesprochen.

Die Stadträte wollten während ihrer jüngsten Sitzung allerdings vorab noch ein paar Erklärungen. So bat Nicole Wernecke um die Definition des Wortes "herrichten". "Was heißt das genau?", wollte sie wissen. "Für 100 Euro richte ich nichts her."

Bürgermeister Karsten Ruth bemühte sich um eine Präzisierung: Natürlich reichten 100 Euro bei Weitem nicht, bestätigte er. "Die Plätze sind bislang ja völlig unbefestigt." Die Kosten würden sich indes nach dem Umfang der Ausstattung richten. Möglich wäre eine einfache Ausweisung mit der Option, Strom und Wasser aus dem Kulturhaus oder dem "Dammkrug" zu beziehen, bis hin zu Münzautomaten für höhere touristische Ansprüche. Dazu lägen ihm zwar noch keine belastbaren Zahlen vor, bedauerte Ruth, "aber mit rund 10000 Euro pro Stellplatz müssen wir wohl rechnen".

Ratsmitglied Günter Pusch wollte daraufhin wissen, welche Einnahmen daraus zu erzielen seien. Er schlug mangels Erfahrung der Stadt vor, sich in der Nachbargemeinde Bismark zu informieren, wo es bereits Stellflächen gäbe.

Sein Ratskollege Volkmar Erl riet, sich bei der Entscheidung nicht nur von der Frage nach den Einnahmen leiten zu lassen. "Darüber muss man auch mal hinwegsehen!" Er könne ein solches Angebot nur befürworten, so Erl.

Eine Empfehlung, die auch Stadträtin Melissa Schmidt gab: "Wenn man nichts anbietet, kann auch keiner dort stehen", gab sie zu bedenken. "Es geht ja nur erst einmal darum, dass da ein Schild steht. Wenn wir das nicht tun, vergeben wir uns etwas", sagte sie. Zwar sei eine Selbstversorgung mittels Münzautomaten gut - "denn wenn einer abends kommt, hat die Verwaltung ja auch nicht mehr auf", - zunächst sei die Lösung, die Versorgung über Leitungen abzusichern, aber eine erste Möglichkeit, fand Schmidt.

So, erinnerte Karsten Ruth, funktioniere es ja auch, wenn zum Beispiel Schausteller auf dem Kulturhausplatz stünden. Diese erhielten Strom und Wasser aus dem Anschluss des Kulturhauses. "Und hinterher wird dann abgerechnet."

Zustimmung für die Ausweisung solcher Plätze gab es schließlich auch vom Stadtratsvorsitzenden Gerhard Gansewig: "Ich bin auch ein alter Caravaner", verriet er. Und er sei immer dankbar, wenn in unbekannten Orten solche Stellplätze angeboten würden.

Einstimmig folgten ihm schließlich die Kollegen und beschlossen zunächst die Ausweisung von jeweils zwei Stellflächen, vorerst allerdings ohne die in der Beschlussvorlage genannte "Bereitstellung technischer Anschlussmöglichkeiten".

Die Gesamtmaßnahme fand zudem Aufnahme in den Katalog der gewünschten Investitionen, die in den kommenden fünf Jahren vom Förderprogramm Leader profitieren könnten.