Und noch mal soll den Blaualgen im Zichtauer Waldbad der Kampf angesagt werden, diesmal mit neuen Waffen. Darauf verständigte sich der Vorstand des Fördervereines. Diesmal war die Situation indes besonders: Denn auch Bürgermeister Konrad Fuchs, sein Mitarbeiter Norbert Bucklitsch und sogar Gutsbesitzer Hasso von Blücher saßen mit am Vereinstisch.

Zichtau l Der Feind ist winzig, und eigentlich kaum zu erkennen. In welcher Stärke er tatsächlich auftritt, kann eigentlich nur unter dem Mikroskop festgestellt werden. Und doch hält er seit exakt dreieinhalb Jahren die Zichtauer fest im Griff, sorgt viele Diskussionen, Ängste und nicht zuletzt für hohe Kosten.

Im August 2011 griff der Feind zum ersten Mal an. "Blaualgen im Zichtauer Waldbad" titelte damals der Gardeleger Kreisanzeiger in der Volksstimme.

Seither floss viel Wasser in den Naturteich und wieder heraus. Und zwar nicht nur Brunnenwasser, sondern sogar schon Leitungswasser, weil dies weniger phosphatbelastet ist. Und auch mit vielen anderen Maßnahmen hatte man versucht, die Algen zu bekämpfen. Alle hatten nur eines gemeinsam: Sie blieben allesamt erfolglos.

Zudem fühlte sich der Vorstand des Fördervereines zwischenzeitlich "alleingelassen", wie Vereinschefin Astrid Läsecke resigniert feststellte. Die Sorgen um den Bestand des Bades machten die Mitglieder müde. Die Stadt indes sah sich zu Unrecht gescholten - auch durch Presseberichte, die vom Unmut der Walbadförderer berichteten. "An uns liegt es nicht, wenn es mit der Zusammenarbeit nicht klappt", betonte Bürgermeister Konrad Fuchs. Die Stadt habe etliche Maßnahmen finanziert, und Stadmitarbeiter Norbert Bucklitsch hatte sich in der Tat in hohem Maße mit der Algenproblematik befasst.

Zurückgezogen aus der Diskussion ums Algenproblem hatten sich zwischenzeitlich allerdings Gutsbesitzer Hasso von Blücher und sein Geschäftsführer Magnus Staehler. Deren Vorstoß, das Bad möglicherweise übernehmen zu wollen, war nämlich nicht bei allen Zichtauern auf Zustimmung gestoßen. Das wiederum hatten die beiden nicht verstanden. Seither herrschte Funkstille zwischen dem Gut und dem Förderverein. Eine verfahrene Situation.

Doch nach der jüngsten Fördervereinsvorstandssitzung am Dienstag in Zichtau soll nun frischer Wind in die Sache kommen. Denn alle Beteiligten saßen an einem Tisch. Neben dem Vereinsvorstand um Astrid Läsecke waren auch Fuchs und Bucklitsch zur Sitzung gekommen. Und sogar Gutsbesitzer Hasso von Blücher war angereist. So mancher Vorwurf kam offenbar auf den Tisch - und konnte ausgeräumt werden.

"Ich kann nichts versprechen. Wir haben noch keinen Haushalt."

Bürgermeister Konrad Fuchs

Und auch eine neue Strategie wurde festgelegt im Kampf gegen den gemeinsamen Feind. Und diesmal soll von unten und von der Seite angegriffen werden.

So soll zunächst das Wasser abgelassen und eine Probe aus dem Sediment des Teiches durch ein Fachinstitut untersucht und bewertet werden. Das Algenproblem entstand nämlich vor drei Jahren, nachdem zuvor Teile des Kiesbettes ausgetauscht worden waren. Ein Angebot eines Ottersburger Labors liegt bereits vor - Kostenpunkt rund 5000 Euro. Hier sollen nun noch zwei weitere Vergleichsangebote eingeholt und der Stadt vorgelegt werden.

"Ich kann nichts versprechen. Wir haben noch keinen bestätigten Haushalt, und ich muss die Sache ja auch noch meinem Stadtrat vorlegen", schränkte Fuchs ein. Sobald die Kosten feststehen, werde er sich aber mit den Fraktionsvorsitzenden beraten. "Dann sehen wir weiter."

Zudem wird die Stadt, das sicherte Fuchs zu, den Antrag an das Kreisamt für Wasser- und Naturschutz stellen, die Zichtauer Beke wieder zu öffnen und damit den Badeteich zu speisen. Die nämlich ist eheblich weniger Phosphatbelastet als der Badeteich.

Der Förderverein wiederum will auf die Suche nach Sponsoren gehen, "und zwar wollen wir diesmal auch versuchen, Unternehmen mit ins Boot zu holen", kündigte Astrid Läsecke an.

Unternehmer Hasso von Blücher mochte sich bezüglich einer Beteiligung an den Kosten für die neuen Untersuchungen allerdings noch nicht festlegen. Offenbar ist er immer noch etwas verstimmt. Auf die Frage von Vorstandsmitglied Martina Näfe, ob er die Untersuchung unterstützen werde, antwortete der Gutsbesitzer, der sich in der Vergangenheit stets großzügig gezeigt hatte, lediglich mit dem Satz: "Ja, und zwar im selben Maße, wie der Ferienpark Zichtau das tut". Der sei, so betonte von Blücher nach der Sitzung, "derzeit schließlich das einzige Unternehmen, das erheblich vom Waldbad profitiert."

"Wir wollen versuchen, Unternehmen mit ins Boot zu holen."

Fördervereinschefin Astrid Läsecke

Ferienparkbetreiberin Roswitha Schmidt ist tatsächlich kein Mitglied im Förderverein, wie sie gestern auf Anfrage bestätigte. "Aber trotzdem sind wir ja immer da, wenn das Waldbad uns ruft." So habe der Ferienpark zahlreiche Veranstaltung unterstützt, "auch kurzfristig und nicht nur im Waldbad, auch im Gut". Personal des Ferienparkes hätte zum Beispiel beim Aufstellen der Krötenzäune mitgeholfen, und "wir sponsern auch oft etwas außer der Reihe."

Das Verhältnis zu von Blücher sehe sie ungetrübt: "Wir saßen ja während der Sitzung auch nebeneinander, und nachdem er das gesagt hat, hat er mich gleich angegrinst.