Vier Männer und eine Frau wollen am 22. Februar neuer Bürgermeister der Hansestadt werden. Am Dienstagabend stellten sich die Kandidaten im Rathaussaal vor - und auch den Fragen des Publikums.

Gardelegen l Ein gut gefüllter Rathaussaal und fünf Bürgermeisterkandidaten, die um die Gunst der Wähler vor ihnen warben. Mehr als zwei Stunden lang standen am Dienstagabend Peter Kapahnke (parteilos), Dirk Kuke (parteilos), Stephan Mertens (parteilos), Kai-Michael Neubüser (CDU) und Mandy Zepig (SPD) den Zuhörern Rede und Antwort.

Souverän und durchaus kurzweilig nutzten sie die Möglichkeit, ihre Lebensläufe und Ideen fünf Minuten lang vorzustellen. Peter Kapahnke aus Parleib brachte seine langjährige kommunalpolitische Erfahrung als Gemeindebürgermeister, Kreistags-, Stadtrats- und Ortschaftsratsmitglied ein. Er stehe als parteiloser Kandidat für überparteiliche Interessen der Bürger.

"Auf die Bürger zugehen und einen offenen Kontakt" haben, möchte Dirk Kuke aus Weteritz. Durch seine frühere berufliche Tätigkeit in Bosnien, Kroatien, Afghanistan und im Jemen "habe ich gelernt, die Welt mit anderen Maßstäben zu sehen".

Stephan Mertens aus Seethen begründete seine Kandidatur damit, dass es zu Neubüser und Zepig eine Alternative geben sollte. Als er seine Kandidatur bekannt gab, standen bis dato nur diese zwei fest. Er betonte mehrfach, dass die 49 Ortsteile von Gardelegen mehr zusammenkommen müssten. "Es darf nicht rüberkommen, dass Ortsteile lästige Anhängsel sind - und den Eindruck habe ich manchmal", so Mertens.

Probleme als Chance sehen will Kai-Michael Neubüser aus Wernitz. Und er betonte - wie auch die anderen - dass Parteipolitik beim Bürgermeisteramt keine Rolle spiele. Es gehe vielmehr darum, den Bürgern Entscheidungen, auch negative, sachlich zu erklären, so Neubüser.

"Das ist meine Heimat, das liebe ich", brachte die Gardelegerin Mandy Zepig ihre Gründe für die Kandidatur auf den Punkt. Sie habe durch ihre Tätigkeit als Stadträtin langjährige kommunalpolitische Erfahrung. Sie möchte Bürgermeistersprechstunden in den Ortsteilen anbieten und auch Online-Bürgermeister-Sprechstunden, um die jungen Gardeleger zu erreichen. Außerdem möchte sie Bürgerdiskussionsabende zu aktuellen Themen der Stadt anbieten.

"Leben als Landwirt von der Hand in den Mund"

Dann waren die potenziellen Wähler an der Reihe. Werner Kutschker eröffnete den Fragereigen mit der wahrlich frechen Frage nach dem Gehalt des Bürgermeisters, und ob das der Grund der Kandidaten sei, anzutreten. Die Frage parierten alle überzeugend, einzig Stephan Mertens fing an, rumzubarmen, dass man als Landwirt von der Hand in den Mund lebe, er das Amt mit Blick auf das Gehalt des Bürgermeisters bislang aber noch nicht betrachtet habe.

Die persönliche Meinung der Kandidaten zur Estedter Grundschule und den zwei Enthaltungen bei dieser Entscheidung wollte Heinz-Jürgen Koch wissen. Kapahnke, der gegen die Schließung gestimmt hatte, bedauerte ausdrücklich, dass es nicht zur Änderung der Einzugsbereiche gekommen war: "Dieser Zustand, dass es nun andere für uns regeln sollen, gefällt mir überhaupt nicht." Kuke, der für die Schließung gestimmt hatte, sagte: "Es tat weh, ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht." Mertens konnte die Entscheidung der Ratsmitglieder nicht nachvollziehen: "Wenn ich das eine will, muss ich das andere mitnehmen."

Neubüser sagte, dass er das erste Mal in seiner Tätigkeit als Stadtratsvorsitzender nach einer Sitzung eine schlaflose Nacht hatte, und er fügte hinzu: "Bei solchen Entscheidungen dürfte es keine Enthaltungen geben." Enthalten hatten sich sein CDU-Fraktionskollege Otto Grothe und Gudrun Gerecke (Linke-Fraktion).

Bürgerkoffer, Sportzentrum, Lückenbebauung

Mandy Zepig betonte, dass sie vor eineinhalb Jahren, als Estedt das erste Mal im Rat Thema war, der festen Überzeugung war, dass die Schule zu retten sei - mit der Änderung der Einzugsbereiche. Doch weil dies nicht gewollt war, "können wir Estedt nicht halten".

Zuhörer Peter Hoppe wollte von den Kandidaten wissen, wofür sie konkret stehen. Zepig nannte dabei einen Bürgerkoffer, mit dem Anträge schon in den Ortsteilen ausgefüllt werden könnten, einen Bürgerbus (Bürger fahren andere Bürger) und eine Ehrenamtsbörse: "Ähnlich wie grüne Damen im Krankenhaus." Außerdem wollte sie eine Rückkehrer-Initiative starten. Er sei ein Verfechter der Lückenbebauung, besonders in den Ortsteilen, betonte Neubüser. Außerdem sehe er auch, dass die Verwaltung in die Ortseile kommen müsste.

Gardelegen als grüne Stadt will Mertens mehr in die Öffentlichkeit bringen: "Das gehört ins Tourismuskonzept." Das solle mit Radwegen untermauert werden. Außerdem müssten die Familienverbände gestärkt werden, "so wie es früher einmal war".

Ein Sportzentrum mit Sauna und Restaurant könnte sich Dirk Kuke vorstellen, denn das fehle Gardelegen noch. Die Generationengerechtigkeit und die solide Finanzbasis der Stadt nannte Kapahnke als Schwerpunkte. Außerdem wolle er auf den Mittelstand zugehen, "dem es nicht rosig geht". Er wolle sich für Fördergeld in jeder Form starkmachen. "Wir müssen aus einem Euro fünf oder zehn machen, um zu investieren." Als ein Beispiel nannte er Ökokonten, die eine Chance für Gardelegen seien, "denn bislang machen wir zu wenig aus unserer Fläche".

   

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