Sie gilt als Wachstumsbranche, führte aber bisher in der Altmark eher ein Schattendasein - die Kultur- und Kreativwirtschaft. Bei einem Vernetzungstreffen in Salzwedel sind erste Schritte für eine bessere Zusammenarbeit vorgestellt worden.

Salzwedel l "Die Kultur- und Kreativwirtschaft birgt gerade für den ländlichen Raum ein erhebliches Entwicklungspotenzial", sagte am gestrigen Dienstag Petra Triebe, Wirtschaftsförderin beim Altmarkkreis. Im soziokulturellen Zentrum Hanseat in Salzwedel hatten sich Vertreter dieses Wirtschaftszweiges aus beiden altmärkischen Landkreisen zusammengefunden.

Zunächst wurde geklärt, was unter dem Begriff Kultur- und Kreativwirtschaft zu verstehen ist. Sie teilt sich in elf Teilbereiche, wie Architektur- und Buchmarkt, Design, Film, Presse, Rundfunk, Kunst und weitere (siehe Infokasten). Für die Altmark ist zusätzlich das kreative Handwerk aufgenommen. Viele der Kreativschaffenden sind Freiberufler, haben Klein- oder Kleinstbetriebe. Sie zu unterstützen, Kooperationsbeziehungen aufzubauen und den Bekanntheitsgrad zu steigern, ist Ziel eines aus dem Regionalbudget geförderten Projektes. Darin geht es auch um die Darstellung der wirtschaftlichen Potenziale der Branche im ländlichen Raum. Grundlage war das Erstellen eines Firmenkatalogs. Damit beauftragt wurde die freiberufliche Politikwissenschaftlerin Johanna Neuling, die gestern auf dem ersten Vernetzungstreffen die Ergebnisse vorstellte. Ziel war eine Analyse und Darstellung der Marktsituation.

Große Resonanz

Demnach gibt es altmarkweit 159 Kultur- und Kreativschaffende - 72 im Altmarkkreis und 87 im Landkreis Stendal. Den größten Anteil nehmen dabei, der Werbemarkt, das kreative Handwerk, der Buchmarkt und die Designwirtschaft ein.

Das Projekt sei auf positive Resonanz gestoßen, berichtete Neuling. Sie hatte die Firmeninhaber zu Vor- und Nachteilen des Firmenstandortes Altmark befragt. Als positiv seien unter anderem die Nähe zu Berlin und Hamburg, geringe Lebenshaltungskosten und Immobilienpreise, eine hohe Lebensqualität, die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ein geringer Konkurrenzdruck genannt worden.

Schwächen der Altmark als Wirtschaftsstandort seien Lage und Erreichbarkeit, vor allem die Entfernung zur Autobahn, eine geringer Absatzmarkt, eine schlechte Vernetzung über Landkreisgrenzen hinweg und eine mangelnde Betreuung von Existenzgründern. Zudem bemängelten die Befragten eine geringe Wertschätzung und Berücksichtigung ihrer Branche bei Ausschreibungen.

Handlungsempfehlungen

Die Politikwissenschaftlerin hat verschiedene Handlungsempfehlungen erarbeitet, basierend auf den erhobenen Daten und Erfahrungen. So sollte eine Netzwerkstrategie mit einer Koordinierungsstelle erarbeitet werden. Wichtig sei, die Branche mit ihren Teilmärkten als ganzes zu erfassen - "als zusammengehörenden Wirtschaftssektor", so Johanna Neuling. Sie regte zudem gemeinsame Veranstaltungen wie Messen oder Märkte an und empfahl, "die politischen Entscheidungsträger auf kommunaler Ebene zu involvieren".

Bilder