Zichtau l "Er wird mit Seine Exzellenz angesprochen. Ich habe extra nochmal nachgelesen", flüsterte Heike Rindt vom Zichtauer Gutsteam hinter vorgehaltener Hand mit einem respektvollen Lächeln.

Nun ist der Magdeburger Bischof Dr. Gerhard Feige kein Mann, der größten Wert auf die Einhaltung der Etikette legt, wenn er im Gespräch mit den Menschen in seinem Bistum ist. Er gilt eher als aufgeschlossen, weltoffen, ein freundlicher Mann mit einem feinen Humor. Und er ist bekannt als Vertreter der Ökumene. Das zeigte sich auch bei seiner Visitation der Pfarrei St. Hildegard am Wochenende. Am Freitagabend fand eine Gesprächsrunde mit fünf evangelischen Pastoren und einem Vertreter der Gardeleger Adventgemeinde statt. "Das war ein sehr erfreuliches Gespräch", sagte Feige. Der Austausch, das Zusammenkommen mit evangelischen Christen sei ihm ein wichtiges Anliegen. Wobei im Bereich Gardelegen die Ökumene gelebt werde. "Und das ist markant für dieses Gebiet. Es gibt hier besonders gute ökumenische Beziehungen", sagte Feige, obwohl etwa 80 Prozent der Bevölkerung der Region keine konfessionelle Bindung hätte.

Die Altmark sei noch aus einem weiteren Aspekt heraus eine besondere Herausforderung. "Das sind die weiten Wege, die große Fläche", so Feige. Man sage, wenn auf einem Quadratkilometer Land weniger als 50 Menschen leben, dann gelte es als unbesiedelt. "Und hier haben wir Gegenden mit 26 bis 37 Personen auf einem Quadratkilometer. Das Erzbistum Köln mit seinen zwei Millionen Katholiken könnten wir in der Altmark locker verstecken", meinte Bischof Feige mit einem verschmitzten Lächeln.

Zur Pfarrei St. Hildegard gehören mit Gardelegen, Beetzendorf, Kalbe, Klötze, Mieste und Oebisfelde sechs Gemeinden mit etwa 1300 Katholiken. 86000 Katholiken sind es im Bistum Magdeburg insgesamt. Zum Bistum gehören neben Sachsen-Anhalt auch Bereiche in Sachsen und Brandenburg.

"Das Thema ausländische Katholiken wird uns künftig noch mehr beschäftigen als bisher."

Bischof Gerhard Feige

Der demografische Wandel beschäftige wie alle anderen gesellschaftlichen Bereiche auch die katholische Kirche. Nicht nur etwa in punkto Überalterung, sondern auch unter einem ganz anderen Aspekt. Der Anteil der ausländischen Katholiken nehme zu. In Gardelegen liege der bei 18 Prozent. In der Magdeburger Kathedralpfarrei seien mittlerweile 63 Nationen vereint - Studenten, Flüchtlinge, ausländische Familien, die hier beruflich tätig sind, viele aus Afrika und Asien, aber auch sehr viele Menschen aus Polen. Das sei auch im Bereich Gardelegen der Fall. "Dort gibt es eine große Gruppe polnischer Katholiken. Diese Entwicklung wird uns vor Herausforderungen stellen. Wir müssen die ausländischen Katholiken stärker integrieren", so Feige.

Vor über einem Jahr habe er dazu auch die Flüchtlingshilfe Sachsen-Anhalt gegründet. Unter anderem gebe es Hilfen bei Familienzusammenführungen, Fahrtkosten, Unterstützung bei der Ausbildung und der Arbeitssuche und beim Beschaffen von Beglaubigungen und Gutachten, zählte Feige einige Hilfsbereiche auf.

"Das Thema ausländische Katholiken wird uns künftig noch mehr beschäftigen als bisher. Für uns ist es wichtig, ins allgemeine Bewusstsein unserer Katholiken zu holen, dass alle Kirche sind, dass alle Katholiken unsere Kirche stärken. Kirche ist nicht nur da, wo die Kirche ist", betonte Feige.

Begleitet wurde Bischof Feige von Gardelegens katholischem Pfarrer Andreas Lorenz und Salzwedels Pfarrer Andreas Müller.

Zu den Gästen der Zichtauer Gesprächsrunde gehörten unter anderem Bürgermeister Konrad Fuchs und Vertreter von Rückkehrerfamilien, wie Paul-Werner von der Schulenburg aus Apenburg oder Günzel von Itzenplitz aus Grieben, die sich in der katholischen Kirche engagieren.

Christa Ringkamp von der Gartenakademie Sachsen-Anhalt führte die Gäste über das Gelände des Gutes. Das Treffen wurde dann im Foyer der Orangerie fortgesetzt. Paul-Werner von der Schulenburg gab einen Überblick über die Altmark-Festspiele - Kultur an besonderen Orten. Es folgten Gespräche über die Rückkehrerthematik der alten Adelsfamilien. Es ging um die Weltpolitik - quasi Gespräche um Gott und die Welt.

Und zu Mittag wurden unter anderem rote Bete und ein Steckrübeneintopf serviert. "Wir befinden uns hier auf dem Lande, und auf dem Land gab es sonnabends immer Eintopf", erinnerte Christa Ringkamp an alte Traditionen.

Zu den weiteren Stationen der Visitation gehörten unter anderem die Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe. Und es gab viele Gespräche mit den Menschen in der Pfarrei St. Hildegard.