Kalbe l Der kleine Roni aus Syrien staunt nicht schlecht, als ihn vorgestern plötzlich seine neue Erzieherin in seiner Muttersprache Arabisch anspricht. "Er hat mich ganz komisch angeguckt", sagt die lachend. Und auch ein Gespräch mit dem Papa von zwei kleinen afghanischen Jungen hat die 24-Jährige schon geführt, auch das in dessen Muttersprache Persisch. Luigina Khosravan Esfahani, genannt Gina, ist nicht nur ausgebildete Erzieherin, sondern nämlich auch noch ein Sprachtalent. Neben Deutsch und Persisch, mit denen die Halbiranerin aufgewachsen ist, spricht sie auch noch fließend Englisch - "Hab ich ja in der Schule gelernt"- und dazu Arabisch und Türkisch - "Hab ich mir an der Volkshochschule draufgeschafft" - und ist damit ein echter Glücksgriff für die Kita, die mittlerweile auch viele Flüchtlingskinder betreut. Das bestätigt gestern auch Leiterin Katrin Berndt.

Seit zwei Tagen verstärkt die junge Frau das Team der kommunalen Einrichtung. 30 Stunden in der Woche arbeitet sie im Märchenland. Grund für ihre Einstellung sei aber nicht ihre außergewöhnliche Sprachbegabung - auch wenn das natürlich großartig sei, und er sich von der Bundesregierung angesichts der neuen ausländischen Kinder gewünscht hätte, dass so etwas möglich wäre, sagt Bürgermeister Karsten Ruth gestern auf Nachfrage. Eingestellt wurde die junge Frau aufgrund der gestiegenen Kinderzahl.

Aufgewachsen ist die Tochter eines Iraners und einer Deutschen übrigens in Nordrhein-Westfalen, ihre Erzieher-ausbildung absolvierte sie in Köln. Seit einigen Monaten ist die fröhliche junge Frau aber bereits eine waschechte Kalbenserin. Sie wohnt nämlich schon seit dem vergangenen Sommer in der Mildestadt. Bis Mitte Februar war sie als Erzieherin in Salzwedel angestellt. Nun ist sie froh, an ihrem Wohnort arbeiten zu können.

Hierher verschlagen in die Altmark hat es sie, "weil meine Freundin hier wohnt". Und sie selbst fühlt sich auch schon heimisch. "Die billigen Mieten sind einfach unschlagbar", sagt sie lachend. Offenbar vermisst sie den Trubel der Großstadt kein bisschen. Und schließlich kann sie als Erzieherin ja auch überall arbeiten.

Dass es auch in den altmärkischen Kitas so viele ausländische Kinder gibt, habe sie aber doch überrascht, gibt Gina zu. "Köln ist ja nun absolut multikulti. Da kennt man das gar nicht anders. Ich hätte aber nicht gedacht, dass das hier auch so ist." Und so freut sie sich, dass sie auch hier helfen kann, zum Beispiel Verständigungsprobleme zu lösen.

Mit den ausländischen Kindern will sie aber natürlich Deutsch sprechen. Schon, weil ja auch die Jüngsten die Sprache ihres Gastlandes schnell lernen sollen. Ein bisschen bunter wird es aber wohl trotzdem werden mit ihr. "Ich kenne zum Beispiel viele Spiele aus anderen Länder", sagt sie. Darunter sind sogar japanische Fingerspiele. "Und ich kenne zum Beispiel das Lied Bruder Jakob in ganz vielen Sprachen!" Spricht`s und singt es prompt auf persisch. Das klingt sehr hübsch. Und übrigens: "ding, dang, dong" und der "Jakob" selbst hören sich dabei genau so an wie in der deutschen Version.