Ein rund 1000 Meter langer Zaun steht seit Sonnabend an der B188 nahe Mieste. Er soll in den kommenden Monaten Leben retten - nämlich das von hunderten Kröten und Fröschen. Aufgebaut wurde er von Juniorrangern des Naturparks Drömling und Mitarbeitern der Lebenshilfe Gardelegen.

Mieste l Warum sie das machen? "Das ist eine gute Frage", sagt Sabine Wieter vom Naturpark Drömling lachend. Da müsse man wohl die Kröten selbst fragen. Man kann es ihnen nämlich einfach nicht abgewöhnen - das Wandern. Aber schließlich machen sie es auch schon seit ewigen Zeiten so: Im Winter ziehen sich die Tiere in den geschützten Wald zurück, schlafen sich im Laub aus. Im Frühling wandern sie dann in ihre angestammten Laichgewässer. Eigentlich keine Hürde für die kleinen Hüpfer. Dann aber hat der Mensch genau in ihren Lebensraum hinein eine Straße gebaut. Eine vielbefahrene dazu. Sie wird zur Todesfalle für jeden Lurch - wenn der Mensch nicht hilft.

"Wir machen das schon seit vielen Jahren."

Genau das machen die Mitarbeiter des Naturparkes Drömling. Und zwar "schon seit vielen Jahren", betont Naturschützerin Sabine Wieter, die auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Einen ganzen Kilometer lang ist er, der rettende Zaun. Und er ist außerdem so hoch, dass ihn kein Frosch überhüpfen kann.

Dafür fallen die Tiere ein Stück tiefer. Alle 20 Meter findet sich nämlich ein Eimer, der direkt vor dem Zaun in den weichen Waldboden eingegraben ist. In eines der Behältnisse fallen die künftigen Kröteneltern dann immer, wenn sie auf der Suche nach einem Durchgang am Zaun entlanghüpfen.

Einmal täglich sammelt dann in den kommenden Monaten einer der Naturpark-Mitarbeiter alle Tiere ein, spielt Krötentaxi und bringt sie über die Straße, versichert Wieter.

Am Sonnabend war die Fachfrau nämlich mal wieder vor Ort, um die Krötenrettungsaktion für dieses Jahr anzukurbeln. Gut, dass sie dabei jede Menge Hilfe hatte. Denn neben den Mitarbeitern der Lebenshilfe Altmark-West aus Gardelegen, fassten auch wieder die Juniorranger und viele Eltern mit zu. So ging die Aktion flott voran. Viele große und kleine Hände machten der Arbeit tatsächlich ein schnelles Ende. Schon nach knapp einer Stunde war der grüne Zaun gespannt und alle Löcher für die Eimer gebuddelt. Auf ihren Naturschützernachwuchs kann sich Wieter offenbar verlassen.

"Fast 400 Tiere waren es im vergangenen Jahr."

Der ist aber auch mit Feuereifer dabei. Johanna, Jannis, Lia und Jade fegten zum Beispiel emsig das Laub dort beiseite, wo der Zaun gespannt werden sollte. Paul, Morina und Jo schritten laut zählend die Abstände zu den Eimern ab. Dann wurde gebuddelt. Dass manches Loch ein bisschen verrutschte, findet Wieter nicht so schlimm. Viel wichtiger sei, dass die Kinder selbst mit anpacken. Und die haben auch noch viel Spaß dabei.

Sogar Müll sammeln sie emsig ein, der sich in Mengen neben der Bundesstraße findet. Kein schöner Anblick, finden die Kinder. Sicher ist: Wer hier schon mit sechs oder sieben Jahren beim Saubermachen mithilft, wirft wohl später keinen Unrat aus dem Autofenster.

Schade finden die kleinen Ranger am Sonnabend nur, dass sie keinem Lurch begegnen. Ein dicker Regenwurm, den Emely findet, wird zwar ausgiebig bestaunt, gerettet werden muss der aber nicht.

Bald dafür aber diverse Erd-, Kreuz-, und Knoblauchkröten, Moor- und andere Frösche und sogar Kamm- und Teichmolche. Sabine Wieter weiß eine Zahl: "Fast 400 Tiere waren es im vergangenen Jahr."

   

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