Die Querelen um die Reithalle in Kakerbeck und ein unbegründetes Verkaufsgerücht haben dazu geführt, dass Veranstaltungen, die dort jahrelang stattgefunden haben, nun örtlich verlegt worden sind. Doch der zuständige Turn- und Sportverein hat noch andere Sorgen mit dem Objekt.

Kakerbeck l "Es hieß: Die Kakerbecker Reithalle steht zum Verkauf. Deshalb hat man sich bei den ausrichtenden Pferdezuchtvereinen wohl umorientiert", sagte gestern Dr. Ingo Nörenberg, Zuchtleiter des Pferdezuchtverbandes Brandenburg-Anhalt, auf Volksstimme-Anfrage.

In der Tat finden die für 2015 geplanten Stutbucheintragungen der Pferdezuchtvereine Gardelegen und Salzwedel sowie des Ponyzuchtvereins Drömling erstmals seit vielen Jahren nicht in Kakerbeck statt. Stattdessen werden sie am 8. und 15. Mai in Ackendorf in einer privaten Reithalle abgehalten.

"Nach den uns vorliegenden Zahlen schließt der Verein jedes Jahr mit einem Plus ab."

Ortsbürgermeister Ulf Kamith

Damit bricht dem Turn- und Sportverein (TuS) Kakerbeck, der laut Pachtvertrag für die Unterhaltung der dortigen Reithalle zuständig ist, eine weitere Einnahmequelle weg. Denn schon jetzt ist das Objekt nicht übermäßig ausgelastet, wie TuS-Vorstandsmitglied Horst Schernikau am Dienstagabend dem Ortschaftsrat mitteilte. Dort wurden aktuelle Zahlen auf den Tisch gelegt. Diese hatte der Rat verlangt, um über den TuS-Antrag zur teilweisen Übernahme der Versicherungskosten für die Reithalle diskutieren zu können. Immerhin geht es dabei um eine Gesamtsumme von rund 1500 Euro pro Jahr. Werden weitere Unterhaltungskosten dazugerechnet, baut sich schnell ein dickes Minus bei der Bewirtschaftung des Objektes auf. Und dieses lag in den vergangenen Jahren stets im unteren vierstelligen Bereich.

Dennoch entschied der Ortschaftsrat am Dienstagabend mit einem Verhältnis von vier zu zwei Stimmen, dass der TuS auch weiterhin selbst für alle Kosten aufkommen muss. "Nach den uns vorliegenden Zahlen schließt der Verein insgesamt jedes Jahr mit einem Plus ab", sagte Ortsbürgermeister Ulf Kamith. Und auch Ratsmitglied Steffen Lötge meinte: "Es ist ein bisschen einfach zu sagen, ich hole mir das Geld jetzt einfach von der Kommune." Horst Schernikau indes argumentierte, dass von den 129 TuS-Mitgliedern nur noch 35 der Reitsportsektion angehören würden und dass es dort lediglich noch zwei Aktive gäbe. Der große Rest des Vereins müsse also für die Reithalle mitbluten. "Deshalb kann es sein, dass wir am 17. April dazu einen Beschluss fassen", sagte Schernikau. An diesem Tag gibt es eine Mitgliederversammlung des TuS. Allerdings wies Ortsbürgermeister Kamith darauf hin, dass die Reithalle, die ja der Stadt Kalbe gehöre, nicht einfach so an diese zurückgegeben werden könne. Immerhin seien auf der Basis des 1997 abgeschlossenen und für 25 Jahre geltenden Pachtvertrages ja auch Fördermittel an den TuS geflossen. Und die müssten dann gegebenenfalls zurückgezahlt werden, mutmaßte gestern Kamith.

Unklar sei für ihn, wie das Gerücht um den Verkauf der Reithalle überhaupt in die Welt gelangt sei. Zwar habe es vor einiger Zeit einmal ein Kaufangebot für das Objekt gegeben, doch sei dieses klar vom Rat abgelehnt worden. Denn es gäbe ja, so der Ortsbürgermeister, den aktuellen Pachtvertrag mit dem Sportverein.

Dieser habe sich in der Vergangenheit auch immer sehr stark in die Vorbereitung der Stutbucheintragungen eingebracht. Ob angesichts der aktuellen Problematik allerdings noch eine ausreichende Motivation dafür vorhanden sei, das wisse niemand. "Aber so eine Veranstaltung muss auf sicheren Füßen stehen." Deshalb, erklärte Karl-Ernst Jung, Vorsitzender des Pferdezuchtvereins Gardelegen, sei die Entscheidung in diesem Jahr zugunsten von Ackendorf gefallen.