Sportunterricht ganz anderer Art machten gestern die Schüler der oberen Klassen der Karl-Friedrich-Wilhelm-Wander-Förderschule in Gardelegen. Rollstuhlfahren in allen Facetten stand für die Jugendlichen auf dem Plan.

Gardelegen l Valon Haxthiu aus der Oberstufe 3 der Wander-Förderschule hatte gestern den Vorteil auf seiner Seite. "Valon ist Rollstuhlfahrer. Er kennt sich also aus", sagte Lehrerin Astrid Läsecke während einer der kurzen Atempausen beim Projekt "Rollstuhlsport macht Schule" in der Sporthalle. Denn dass Rollstuhlfahren ganz schön anstrengend sein und trotzdem viel Spaß machen kann, dass erlebten Schüler und Lehrer gemeinsam auf vier Rädern beim Ballspiel mit Rollstuhl.

"Das macht echt Spaß", sagte Benjamin Meyer aus der Oberstufe 3, beugte sich nach vorn und gab seinen Rädern den nächsten Schwung, in Richtung des Gymnastikballs und dann zum Tor. Nichts anderes sagten seine Klassenkameraden und das obwohl sich nach relativ kurzer Zeit die ersten Zeichen von Verletzungen einstellten. Doch von den Blasen, die sich durch das ständige Antreiben der Räder an den Handballen bildeten, ließen sich weder Jungen noch Mädchen vom Spiel abbringen. "Das ist immer so", berichtete Mathias Sinang lachend, der das Projekt als Rollstuhl-Sportler begleitet. "Bei den Jugendlichen überwiegt einfach der Spaßfaktor. Und sie wollen Erfolgserlebnisse haben", unterstreicht auch Projektleiter Volker Möws, Physiotherapeut im Klinikum Bergmannstrost in Halle, der schon berufsbedingt viel mit Rollstuhlfahrern arbeitet. "Aber wir nehmen den Jugendlichen auch viel von ihren Berührungsängsten gegenüber Rollstuhlfahrern und ihrem fahrbaren Untersatz."

Die Tücken des Alltags, mit denen Rollstuhlfahrer konfrontiert sind, und Techniken sie zu überwinden, übten die Schüler direkt vor der Sporthalle. So cool das Runterrollen auf einer kurzen Schräge war, so respektzollend waren die Stufen, die sich Anna-Lena Gaida traute, rückwärts rollend und mit nur einer Hand am Geländer zu bewältigen.

"Rollstuhlsport macht Schule" ist ein gemeinsames Projekt des Behindertensportverbandes Sachsen-Anhalt, der Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmanns-trost Halle und des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes. Schirmherr ist Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh. Finanziert wird das Projekt durch die Unfallkasse Sachsen-Anhalt, die Kliniken Bergmannstrost und Lotto Toto Sachsen-Anhalt. Das Projekt läuft mittlerweile im fünften Jahr. "Es hat sich herumgesprochen, was wir machen und bewirken. Für den Rest dieses Schulhalbjahres sind wir jedenfalls ausgebucht", sagte Volker Möws.

   

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