Einst gehörte das Land einem beliebten und geachteten Jävenitzer. Nun soll hier eine Straße mit neuen Häusern entstehen. Geht es nach Christian und Maik Matthies aus Jävenitz, sollte der ehemalige Besitzer und einstiger Bürgermeister, Bruno Schulze, der Namenspate werden. Ein Ausflug in die Geschichte.

Jävenitz l "Das Gebiet gehört einfach nicht mehr zum Alten Dorf", sagt Maik Matthies und zeigt auf ein Areal, das bislang noch von einem Maschendrahtzaun eingeschlossen ist. Doch schon bald sollen dort die Bagger anrollen. Eine neue Straße mit Parzellen für Einfamilienhäuser soll entstehen. Und die braucht laut Angaben der Stadt einen Namen.

Einen, oder besser gesagt zwei solche haben Maik und Christian Matthies nun vorgeschlagen, nämlich "Bruno-Schulze-Ring" oder "Auf dem Schulzen Hof". Geht es nach ihnen, sollte die neue Jävenitzer Straße nach einem alten Bürgermeister des Dorfes benannt werden. Die Begründung haben die geschichtsinteressierten Brüder der Stadt auch schon zugeschickt, samt der Vita des einstigen Dorfoberhauptes und seiner Verdienste.

Und die sind bedeutend. "Bruno Schulze ist sozusagen der Julius Beck von Jävenitz", sagt Christian Matthies. So gehörte der 1873 als Sohn des Dorfschulzen Friedrich Schulze geborene Jävenitzer laut Recherchen der Matthies-Brüder im Jahr 1898 zu den Gründungsmitgliedern der Jävenitzer Feuerwehr. Schon fünf Jahre nach Beginn seiner Amtszeit als Bürgermeister sorgte er im Jahr 1909 dafür, dass das gesamte Dorf Strom erhielt. Im April 1914 war er maßgeblich am Baubeginn der neuen Kirche beteiligt, die mitten im Ersten Weltkrieg, 1917, geweiht werden konnte. 1932 war er dann wiederum der erste, der das Malern der Kirche finanziell unterstützte und damit eine große Spendenaktion anstieß.

Doch Schulze war auch ein moderner Bürgermeister: So gehörte der Bau der Wasserversorgung zu seinen Projekten. Als die Bürger vieler Dörfer im Umkreis noch zum Dorfbrunnen laufen mussten (die Kloster Neuendorfer zum Beispiel bis 1954), war Jävenitz bereits 1924 an eine öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Zu verdanken haben die Jävenitzer ihrem Bruno Schulze übrigens auch eines der größten altmärkischen Denkmale an die gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg.

Leider hätten die Jävenitzer der Familie des Dorfchefs seine Taten und Großzügigkeit nicht gedankt. Sohn Gerhard wurde 1946 enteignet. Er und Schwester Christine samt Familie mussten den Hof, auf dessen Stelle nun die neue Straße entstehen soll, verlassen.

"Es waren Jävenitzer, die uns vom Hof jagten. Und das, nachdem mein Großvater so viel für dieses Dorf getan hat", zitieren Maik und Christian Matthies ein Gespräch mit Schulzes Enkelin im Jahr 2005.

"Das neue Wohngebiet würde einen würdigen Namen tragen."

Auch das Grab Schulzes, der 1939 auf dem Jävenitzer Friedhof bestattet wurde, ist nicht mehr vorhanden. Allein deshalb wäre es schön, "wenn das neue Baugebiet nach ihm benannt und so etwas von diesem bedeutenden Jävenitzer und seiner Familie erhalten bleiben würde", schlagen Maik und Christian Matthies in ihrem Schreiben an die Stadt vor und weiter: "Das neue Wohngebiet würde einen würdigen Namen tragen."

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