Stendal (ge/ue) l An normalen Schulunterricht war am Dienstag im Landkreis Stendal nicht zu denken. Kaum eine Schule zwischen Seehausen und Tangerhütte, Havelberg und Osterburg, die nicht vom Warnstreik betroffen war, zu dem die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aufgerufen hatte.

Das Landesschulamt habe "sich schon ganz schön anstrengen" müssen, um die Betreuung der Schüler absichern zu können, kommentierte Sven Oeberst, Vorsitzender der GEW-Kreisverbandes Stendal, die Folgen des Streiks. Mit ihm will die Gewerkschaft den Druck in den Tarifverhandlungen auf die Länder als Arbeitgeber von Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes - darunter die Lehrer - verstärken.

Während rund 300 Pädagogen aus der Ostaltmark am Morgen in Busse stiegen und zur die Tarifauseinandersetzung begleitenden Groß-Demo nach Leipzig fuhren, fiel in den meisten Schule im Landkreis der Unterricht aus. Gewährleistet war allerdings in jedem Fall, dass die Kinder und jungen Leute an den Schulen betreut wurden, so sie denn dort erschienen. An den Gymnasien in Stendal, Havelberg, Tangermünde und Osterburg hingegen lief der Unterricht zuminderst in den Kurs-stufen 11 und 12 weitestgehend normal, wurden zum Beispiel Klausuren wie geplant geschrieben.

Das geringere Echo auf den Streikaufruf an den Gymnasien überraschte GEW-Kreis-Cehf Oeberst aus mehreren Gründen nicht. Zum einen gebe des dort mehr verbeamtete Lehrer, die nicht streiken dürften. Zum anderen hätten sich viele Kollegen dort bewusst gegen eine Teilnahme am Streik entschieden, um denn Unterricht in den Kursstufen, der laufen müsse, nicht zu gefährden.

20 Lehrer und 2 pädagogische Mitarbeiter beteiligen sich am Streik, informierte Brigitte Meine, Leiterin der Salzwedeler Lessing-Ganztagsschule. Einige Kollegen seien auch erkrankt, zehn seien in die Schule gekommen. Da auch nur ein Sechstklässler zur Schule gekommen war, habe auch kein Unterricht stattgefunden.

8 von 25 Lehrern der Comenius-Ganztagsschule in Salzwedel beteiligten sich am Streik und seien mit nach Leipzig gefahren, so Schulleiter Norbert Hundt. Es seien auch nur wenige Schüler erschienen, die dann von den verbliebenen Kollegen betreut wurden.

Regulärer Unterricht fand dagegen in der Sekundarschule Dähre und in den Berufsbildenden Schulen in Salzwedel statt.

In der Gardeleger Wandergrundschule wurde nicht gestreikt, alle Lehrer und Schüler kamen, abgesehen von denen, die krank waren. In der Jävenitzer Grundschule beteiligte sich ein Gast-Lehrer aus Börgitz, der in Jävenitz Englisch unterrichtet, am Streik. Seine Jävenitzer Kollegen streikten dagegen nicht. Der Unterricht lief normal, ebenso im Gardeleger Geschwister-Scholl-Gymnasium. Auch in der Gardeleger Goethe-Grundschule wurde nicht gestreikt.

Anders dagegen in der Gardeleger Karl-Marx-Sekundarschule: Acht Lehrer und vier Schüler waren in der Schule. Vier Klassen waren planmäßig auf Klassenfahrt, darunter die zehnten Klassen, die ihre Abschlussfahrten absolvierten. Für zwei Klassen stand ebenfalls planmäßig ein Schülerbetriebspraktikum auf dem Programm. Im Vorfeld haber es Elternbriefe, dass kein regulärer Unterricht stattfinden wird, so Schulleiter Horst-Dieter Radtke.

In der Miester Sekundarschule Am Drömling habe etwa die Hälfte der Lehrerschaft am Streik teilgenommen. Zwei Klassen waren planmäßig auf Klassenfahrt, eine weitere nahm am Brafo-Projekt zur Berufsorientierung teil. In der Schule waren nur zwei Schüler, die drei verbeamteten Lehrer und weitere Kollegen, so Schulleiterin Heike Herrmann.