Wäre sie ein Mensch, wäre sie nun "erwachsen". Aber eben ums Erwachsenwerden und die Probleme, die das manchmal mit sich bringt, geht es seit 20 Jahren ja auch in der Awo-Tagesgruppe. Im Juni wird das Jubiläum gefeiert - ein Einblick, ein Rückblick und ein Ausblick:

Kalbe l Meistens geht es so gegen Mittag los. Dann kommt Leben ins Awo-Haus. Neun Kinder kommen aus der Schule, freuen sich aufs gemeinsame Mittagessen. "Und für manche ist das dann die erste Mahlzeit des Tages", sagt Awo-Tagesgruppenleiter Thomas von Glahn. Der Erzieher und Erlebnispädagoge ist seit dem ersten Tag dabei. Neun Kinder zwischen sechs und 13 Jahren dürfen gleichzeitig von ihm und seinen Kolleginnen, Janine Brösicke und Kathrin Keller betreut werden. Das ist das Maximum. Und zumeist ist die Tagesgruppe auch voll besetzt. "Der Bedarf ist da", sagt von Glahn. Die Notwendigkeit sieht er selbst jeden Tag aufs Neue.

Denn die Familien, aus denen die Kinder kommen, tun sich schwer im Alltag. In der Gruppe lernen die Kinder manchmal erst, wie Strukturen funktionieren, dass Haushaltsarbeit sein muss und geteilt werden darf, dass Rücksichtnahme und Respekt das Leben lebenswerter machen, aber auch, dass Leistungen gewürdigt und anerkannt werden. Ebenso wie gemeinsam der Abwasch und die Hausaufgaben erledigt werden, wird zusammen gespielt, gelacht und trainiert.

"Jedes Kind hat aber seine eigenen Defizite", betont von Glahn. Fehlt es dem einen an Selbstbewusstsein, muss ein anderes in seiner Gewaltbereitschaft gebremst werden. Für jedes Tagesgruppenkind wird deshalb gemeinsam mit den Eltern und dem Jugendamt - die Behörde regelt auch die Finanzierung - ein individueller Hilfeplan erstellt.

Um den Kindern tatsächlich bessere Chancen zu bieten, müssen sich allerdings auch die Erzieher immer wieder weiterbilden. Deeskalationstraining ist dabei ein genau so wichtiges Thema, wie zum Beispiel sexueller Missbrauch oder der Umgang mit Kindern aus extremistisch gesinnten Elternhäusern. Die Eltern würden auch bewusst mit einbezogen, betont von Glahn. Und die meisten nehmen das auch dankbar an. Wer ein Kind in die Tagesgruppe schickt, hat schließlich vorher selbst einen Antrag auf Erziehungshilfe gestellt.

Und wie gut die in den meisten Fällen funktioniert, zeigt das Feedback, das die Erzieher immer wieder erhalten. "Viele Ehemalige melden sich immer mal wieder bei uns, oder rufen an", freut sich der Gruppenleiter. "Sie erinnern sich gern an die Zeit bei uns."

Und so werden wohl auch am 12. Juni viele Ehemalige dabei sein, wenn die Awo-Tagesgruppe ab 16.30 Uhr in den Ratsstuben zur Geburtstagsfeier einlädt. Ab 17 Uhr erfahren die Gäste - neben den Kindern sind auch viele Helfer, Lehrer und Sponsoren eingeladen - dann lustige, spannende und berührende Begebenheiten. "Wir haben nämlich eine Zeitreise geplant", verrät von Glahn.

Danach wird zünftig gefeiert. Und zwar mit einem Büffet und Livemusik. Dass das möglich wird, verdankt das Team übrigens einem besonderen Sponsor: Die Hamburger Preuschhof-Stiftung spendiert, wie schon oft zuvor für andere Projekte, 3000 Euro.