Eine Erhöhung der Baupreise, höhere Honorare für Architektenleistungen und eine unvorhergesehene Abwasserproblematik - das sind die Gründe für Mehrkosten beim Kita-Neubau in Mieste. Konkret sind es 133300 Euro. Bürgermeister Konrad Fuchs gab im Hauptausschuss einen umfassenden Bericht dazu.

Gardelegen/Mieste l Ärgerlich sei es, und als er über die Mehrkosten für den Kita-Neubau informiert worden sei, habe er ein Wort gebraucht, das er sonst nicht öffentlich nutzt, gestand Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs am Dienstagnachmittag im Hauptausschuss. Der hatte nur ein einziges Thema auf der Agenda: die Mehrkosten für den Kita-Neubau in Mieste.

Die Versammlung hatte Fuchs außerordentlich einberufen, um die Mitglieder des Hauptausschusses "als maßgebliche Vertreter ihrer Fraktionen zu informieren", so Fuchs weiter.

Bis zum 16. März sei er davon ausgegangen, dass alles voll im Plan liegt. "Ich habe bei jeder Vergabe gefragt, wie wir beim Kostenplan liegen, später gab es schriftliche Bemerkungen dazu. Ich musste und konnte also davon ausgehen, dass alles gut ist", sagte Fuchs. Am 16. März sei er dann über die Mehrkosten informiert worden. Und zunächst sei sogar eine noch größere Summe im Gespräch gewesen.

"Wir haben dann im Haus überlegt, wie wir damit umgehen. Eine außerordentliche Sitzung des Stadtrates haben wir als nicht notwendig erachtet, denn es lässt sich vieles erklären. Das Haus steht, es ist fast fertig. Da hätte auch eine außerordentliche Sitzung nichts mehr geändert", meinte Fuchs. Die Verwaltung habe sich dann entschlossen, die Beschlussvorlage mit den Mehrkosten in die nächste Sitzungsschiene der Fachausschüsse des Stadtrates zu legen, die mit der Stadtratssitzung am 20. April endet.

"Wollten den Hauptausschuss aufgrund der Bedeutung vorschieben."

Bürgermeister Konrad Fuchs

"Wir wollten aber den Hauptausschuss aufgrund der Bedeutung vorschieben, und zwar nur, um zu informieren", so Fuchs.

Für die Mehrkosten seien drei Punkte maßgebend. Zum einen der Preisindex. Die Fördermittel seien 2012 zu den damals gültigen Baupreisen beantragt worden. Innerhalb von drei Jahren habe es auf dem Baumarkt erhebliche Änderungen gegeben. Die Firmen hätten offenbar eine gute Auftragslage. Für einige Gewerke habe es nur zwei Angebote gegeben. Zum anderen sei es die Novellierung der Honorarordnung für Architekten- und Ingenieurverträge, die eine Erhöhung der Honorare zur Folge hatte. Maßgeblich habe auch eine Abwasserproblematik die Baukosten erhöht. Das Problem sei 2012 noch nicht abzusehen gewesen.

"Wir werden wieder in eine resignative Phase gezwungen."

Regina Lessing

Mehrkosten in der Größenordnung seien nicht nachvollziehbar. "Wir werden wieder in eine resignative Phase gezwungen", kritisierte Regina Lessing, Vorsitzende der Gemischten Fraktion. Die Honorarkosten seien doch generell Bestandteil der Planungen. "Der Planer hat seinen finanziellen Rahmen vorgegeben, und auf dieser Grundlage stellt er seine Rechnung", so Lessing. Es könne nicht sein, dass im Nachhinein andere Forderungen aufgemacht werden.

Unverständlich sei auch die Abwasserproblematik. "Wir bauen hier nicht in der Taiga, sondern in Mieste. Es kann doch nicht sein, dass wie Phönix aus der Asche solche Probleme auftauchen", schimpfte Lessing.

Die Honorarordnung sei während der Bauphase 2013 geändert worden, erläuterte Ottmar Wiesel vom städtischen Bauamt. Die höheren Planungskosten würden nur die Bauabschnitte betreffen, die nach der Novellierung noch auszuführen waren.

Die Abwasserproblematik habe Mehrkosten von allein 30000 Euro verursacht. Im Vorfeld der Sanierung der benachbarten Grundschule sei ein Baugrundgutachten erstellt worden. Demnach sei Grundwasser unter der Kellersohle der Schule festgestellt worden. "Wir sind davon ausgegangen, dass der umliegende Bereich auch grundwasserfrei ist, dass wir dort ganz normalen Boden haben. Das war aber nicht so", schilderte Wiesel die Situation.

Das Grundwasser stand höher, so dass für die Abwasserarbeiten eine Grundwasserabsenkung mit Wasserhaltung und Grabenverbau erforderlich gewesen sei.

Am Dienstag, 7. April, wird sich der städtische Bauausschuss mit den Mehrkosten befassen und eine Beschlussempfehlung für den Stadtrat erarbeiten. Die Sitzung beginnt um 19 Uhr mit einer Besichtigung des Kita-Neubaus nahe der Grundschule.