Jede Menge umgestürzte Bäume auf den Straßen und in den Wäldern, Stromausfälle, beschädigte Bäume und Gebäude: Die Sturmtiefs Mike und Niklas hielten zu Beginn dieser Woche die Feuerwehren im Altmarkkreis in Atem.

Altmarkkreis l Der Vergleich mit Orkantief Kyrill liegt nach den Visiten seiner "Kollegen" Mike und Niklas nahe, fällt allerdings unterschiedlich aus. So fiel sowohl im Januar 2007 als auch in von Montag bis Mittwoch im Altmarkkreis der Strom aus. Doch aus Sicht von Corinna Hinkel, Sprecherin des Energieversorgers E.on Avacon, waren die Probleme, die Niklas verursachte, nicht so gravierend wie bei Kyrill. "Bei Kyrill hatten wir einen totalen Stromausfall", erinnert sich die Unternehmenssprecherin. Niklas dagegen habe viele Stromausfälle verursachte, die sich über den gesamten Altmarkkreis verteilten. Die ganze Nacht über seien Mitarbeiter im Einsatz gewesen, stellten provisorische Verbindungen her und setzten auch Notstromaggregate ein. Die Reparaturarbeiten dauerten am Mittwoch noch an, "allerdings, ohne dass die Kunden davon etwas gemerkt haben". Problematisch sei, dass viele Böden sehr aufgeweicht seien, so dass keine schwere Technik eingesetzt werden konnte.

Appell an Spaziergänger: Wälder besser meiden

Niklas hat jedoch in den Wäldern der Region mehr Bäume auf die Wege stürzen lassen als Kyrill 2007, so der erste Eindruck von Helmut Jachalke, Leiter des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark. "Ende der nächsten Woche werden wir genau wissen, wie hoch die Schäden sein werden", so der Amtsleiter weiter. Nach jetzigem Stand der Dinge dürfte der entstandene Schaden bei weniger als 20 Prozent der normalen Einschlagsmenge liegen, wagt Jachalke eine erste Prognose.

An potenzielle Spaziergänger appelliert er, Waldspaziergänge vorsichtshalber zu unterlassen. Kronen könnten angebrochen sein und auf die Wege stürzen. Den Waldbesitzern legt Helmut Jachalke ans Herz, schnellstmöglich die Gatter der Neuanpflanzungen zu kontrollieren und gegebenenfalls zu reparieren, bevor Rehe die Zugangsmöglichkeit bemerken und die jungen Pflanzen wieder abfressen.

Die Statistik der Einsatzleitstelle Altmark in Stendal weist für Wehren der Region seit Sonntagabend 168 Einsätze aus, davon mehr als die Hälfte für die Feuerwehren des Altmarkkreises. Vor allem Niklas bedeutete für die Brandbekämpfer eine große Herausforderung. Mit etwa 30 Einsätzen waren die Feuerwehren im Stadtgebiet von Gardelegen am häufigsten gefordert, auch in Bereich Salzwedel, Klötze, Kalbe, Beetzendorf und Diesdorf eilten die Kameraden von Einsatz zu Einsatz und beseitigten unzählige umgestürzte Bäume.

"Die Windgeschwindigkeiten waren sehr hoch. Alles, was nicht sehr stabil ist, stürzt bei diesem Wetter um", sagt Salzwedels Stadtwehrleiter Holger Schmidt. Da sei es auch für die Kameraden gefährlich, wenn sie unter Bäumen arbeiten müssen, die bei Sturm erheblich unter Spannung stehen. Dann seien die Bäume unkontrollierbar und würden besondere Probleme verursachen, wenn sie etwa auf Gebäude stürzen. Die Gardeleger Brandbekämpfer wurden durch einen umgestürzten Baum am Postgebäude in der Goethestraße vor eine Herausforderung gestellt. Dieser sei sehr unglücklich gefallen und war schwer zu beseitigen, resümierte der stellvertretende Stadtwehrleiter Till Kern.

Allerdings gehören umgestürzte Bäume inzwischen zum Alltagsgeschäft der Feuerwehren, so das Fazit von Holger Schmidt. 2014 sei die Salzwedeler Wehr beinahe zu ebenso vielen technischen Hilfeleistungen wie zu Bränden ausgerückt, vergleicht er.

Windböe drängt Sattelzug von der Straße ab

Eine Person wurde leicht verletzt, als bei Beetzendorf ein Ast auf den Pkw stürzte. Nach Informationen der Polizei stürzte am Dienstag gegen 14.15 Uhr auf einen BMW, dessen Fahrer auf der Bundesstraße 71 zwischen Kakerbeck und dem "Langen Heinrich" unterwegs war. Am Fahrzeug entstand wirtschaftlicher Totalschaden. Der Abschnitt "Langer Heinrich" musste für die Bergung umgestürzter Bäume mehrmals voll gesperrt werden.

Etwa zwei Stunden später wurde ein Sattelzug auf der B 71 von einer Windböe erfasst, die das Fahrzeug zwischen Ackendorf und Berge nach rechts von der Fahrbahn drückte. Durch das Fahrzeug wurden auf 78 Metern der begrünte Randstreifen und ein Chausseebaum beschädigt, der Lkw kam parallel zur Straße auf dem Rad-/Fußweg zum Stehen. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf etwa 8000 Euro

Der Ast, der gegen 17.30 Uhr, zwischen Röwitz und Buchhorst auf das Dach eines Seat fiel, versetzte der Fahrerin (24) einen Schock. Sie blieb jedoch unverletzt, ebenso wie die junge Frau, die in ihrem Golf bei orkanartigen Böen und Stark-regen gegen 21.20 Uhr bei Rockenthin gegen einen Baum prallte.

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