Gardelegen l "Das Massaker in der Feldscheune ist weltweit bekannt. Aber auch der Weg dorthin ist blutig", sagt Frank Roßband vom Sprecherrat der Gardeleger Ortsgruppe der Linken. Gemeinsam mit Johannes Förster, Peter Flick und Zeitzeuge Otto Mewes, der den Todesmarsch der KZ-Häftlinge im April 1945 als Neunjähriger mit ansah, hat er sich auf den Weg an jene Orte gemacht, an denen schon vor dem eigentlichen Massaker gemordet wurde. Am Freitagabend nun wurde das Ergebnis im Zuge des Erinnerungsabends in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität gezeigt.

Die vierköpfige Gruppe hat ihren Weg nämlich filmisch dokumentiert und zeigt damit auf, wo heute auf welche Weise an die Ermordeten erinnert wird. Rund 300 müssen es allein auf dem Gebiet der Einheitsgemeinde Stadt Gardelegen gewesen sein, sagt Frank Roßband, der seine Informationen im Vorfeld unter anderem mithilfe der Broschüre "After the battle" gesammelt hat. Darin sind jene Orte aufgelistet, durch die der Todesmarsch der Häftlinge - sie kamen vor allem aus dem KZ Mittelbau-Dora und dessen Außenlagern - geführt hat. Sie waren zuvor mit dem Zug in Mieste beziehungsweise in Letzlingen angekommen. Allein in und um Estedt wurden mehr als 100 von ihnen getötet, weitere 31 hingegen im Wald bei Jävenitz. Es wurden aber auch Häftlinge erschossen, weil sie vor Kraftlosigkeit im Marsch zurückgefallen waren. Ihre Leichen wurden teils achtlos am Wegrand liegen gelassen. Andere wiederum, denen die Flucht gelungen war, wurden von Hitlerjugend und Volkssturm, die zuvor von der SS angestachelt worden, gejagt. Einer der auch dazu unzählige Dokumente und Fotos gesammelt hat, ist Torsten Haarseim, der den Erinnerungsabend nutzte, um sein neues Buch "Gardelegen 1945 - Dokumentation des Unfassbaren" vorzustellen.

"Es sollte Pflichtlektüre in den Schulen werden." - Doris Prießmeier zum neuen Buch von Torsten Haarseim

Doris Prießmeier, die zwar noch Kind war, der sich die Geschehnisse im April 1945 aber dennoch ins Gedächtnis gebrannt haben, hat es bereits gelesen und sagte: "Es sollte Pflichtlektüre in den Schulen werden." Leider, und das bedauerte nicht nur die 67-jährige Gardelegerin, sei das Thema heutzutage bei den Jugend kaum präsent. Wenn sie dann aber damit konfrontiert werde, zeige sie sich meist sehr interessiert und auch betroffen, weiß Torsten Haarseim. "Das Thema ist nicht tot. Die Leute wollen nach wie vor Information", so seine Worte.

Information, sagt Frank Roßberg, soll es beim nächsten Erinnerungsabend aber auch über positive Beispiele geben. Denn es habe durchaus auch Menschen in der Region gegeben, die KZ-Häftlinge versteckt oder ihnen anders geholfen hätten.

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