Gardelegen (iwi) l Fast zehn Stunden hatte er an diesem Tag in Wolfsburg gearbeitet, bei der Rückfahrt krachte es dann auf der Bundesstraße 188, weil ein 28-jähriger Gardeleger in einen Sekundenschlaf gefallen war. Dass es keine Verletzten gab, war pures Glück. Weil er durch sein Verhalten fahrlässig den Straßenverkehr gefährdete, wurde er am gestrigen Montag zu einer Geldstrafe, 30 Tagessätze à 35 Euro, verurteilt.

Morgens um fünf Uhr sei er aufgestanden, um sieben Uhr habe seine Schicht in Wolfsburg begonnen, schilderte der Gardeleger. Körperlich extrem anstrengende Tätigkeiten habe er nicht machen müssen, er habe Malerarbeiten erledigt. Nachmittags kurz nach 17 Uhr war er wieder in seinem Pkw und fuhr nach Gardelegen. Diese Fahrt endete am 29. August 2014 gegen 18.20 Uhr kurz hinter dem Abzweig nach Weteritz.

Zum eigentlichen Unfallgeschehen konnte der Angeklagte nicht viel sagen. Er sei nicht übermüdet gewesen, als er in sein Auto gestiegen sei, versicherte der 28-Jährige mehrfach. "Ich bin ganz normal gefahren, und plötzlich hatte ich einen Sekundenschlaf", so der Gardeleger.

Genau dieser Aspekt - ob dieser Sekundenschlaf plötzlich, ohne Vorwarnung auftreten kann - hatte zu dem zweiten Verhandlungstag geführt, wo auch ein Gutachter gehört wurde.

Auf der Bundesstraße war der Gardeleger mit seinem Audi nach links auf die Gegenfahrbahn gekommen. "Ich konnte nur noch ausweichen, und dann hat es schon gekracht", schilderte der Zeuge (50), der ihm mit seinem Fahrzeug entgegenkam. Obwohl der 50-Jährige auf den Randstreifen auswich, berührten sich die Autos seitlich. Die beiden Insassen blieben unverletzt. Der Unfallverursacher lenkte gegen und kam wieder auf seine Fahrbahn.

Schriftlicher Vermerk der Polizei zur Müdigkeit

Den Sekundenschlaf hatte der Angeklagte gleich nach dem Unfall im Beisein der Polizisten und der anderen Unfallbeteiligten eingestanden. Außerdem hatte ein Polizist bei der Unfallaufnahme schriftlich vermerkt, dass der Mann schon vorher gemerkt habe, dass er müde sei, aber sich durchbeißen wollte.

"Wenn ich merke, dass ich müde bin, muss ich anhalten" sagte die Staatsanwältin. Dieser Unfall sei insgesamt noch glimpflich abgegangen. Sie beantragte daher eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 35 Euro und dass der Führerschein, den der Angeklagte wegen des Unfalls Anfang des Jahres abgeben musste, weitere sechs Monate eingezogen bleibt.

"Woran konnte er merken, dass er übermüdet ist? Er hat eine Müdigkeit eingeräumt, aber das, was die Polizei draus macht, ist eine andere Sache", plädierte der Anwalt des Angeklagten. Er beantragte einen Freispruch. Richter Bormann blieb mit der Geldstrafe von 1050 Euro unter dem Antrag der Staatsanwältin. Er sagte zum Angeklagten: "Sie hätten merken müssen, dass Sie nicht mehr fahren können." Zu der Geldstrafe kommen die Verfahrenskosten für den Mann, die sich durch den zweiten Verhandlungstag und das Hinzuziehen des Gutachters deutlich erhöht haben. Auch alle Zeugen mussten ein zweites Mal geladen werden. Für den Führerschein verhängte der Richter eine Sperrfrist von weiteren sechs Monaten.