Gardelegen l Es soll recht turbulent zugegangen sein mit Sitzungsunterbrechung und reger Diskussion im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung am Montagabend. Thema war die Zukunft der Tourist-Information im Salzwedeler Tor. Anwesend war dabei auch Dagmar Rusch vom VHS-Bildungswerk Stendal. Das Bildungswerk ist unter anderem Träger der Tourist-Information und der Gardeleger Freizeitoase (ehemals Schullandheim).

Grund für die Beratung: Das VHS-Bildungswerk hatte einen Antrag auf Zuschusserhöhung gestellt. Nach dem Wegfall von privaten Serviceleistungen würden die Einnahmen fehlen. Konkret ging es um ein Defizit von 18000 Euro. 9000 Euro sollten durch Stundenreduzierungen bei den Mitarbeitern eingespart werden. Auf 9000 Euro belief sich zunächst der Antrag des VHS-Bildungswerkes an die Stadt Gardelegen.

Die CDU hatte den Antrag gestellt, den Vertrag mit dem VHS-Bildungswerk zu kündigen, und zwar zum 31. Dezember 2015. Zugleich sollten die Leistungen der Tourist-Information neu ausgeschrieben werden. Es sei nicht, wie vertraglich vereinbart gewesen, der Zuschuss der Stadt reduziert worden. Im Gegenteil: Die Stadt müsse ihren Zuschuss noch erhöhen, um den Betrieb der Tourist-Info aufrechterhalten zu können.

Der Stadtrat folgte im nichtöffentlichen Teil seiner Sitzung dem Antrag der CDU. Für dieses Jahr werde der jährliche Zuschuss von 37500 Euro um 11250 Euro erhöht. Der Vertrag wird gekündigt. Die Kündigung müsse fristgemäß bis zum 30. Juni erfolgen, informierte auf Anfrage

Bürgermeister Konrad Fuchs
. Die Leistungen werden neu ausgeschrieben einschließlich einer Mitarbeiterstelle. Denn sollte die Tourist-Info geschlossen werden, müsse die Verwaltung diese Mitarbeiterstelle wieder zurücknehmen.

"Ich denke, eine komplette Schließung kommt nicht in Frage."

Bürgermeister Konrad Fuchs

Doch von einer kompletten Schließung geht Fuchs nicht aus. "Ich denke das kommt nicht in Frage", so Fuchs. Es sei vermutlich jedem klar, dass eine Stadt wie Gardelegen eine Tourist-Information brauche. "Und ich denke, dass außerdem jedem klar ist, dass eine Tourist-Information in einer Stadt wie Gardelegen nicht kostendeckend wirtschaften kann", betonte Fuchs. Es sei durchaus auch vorstellbar, die Tourist-Information wieder unter städtische Trägerschaft zu stellen.

Die war auf Bestreben der Kommunalpolitik im Jahr 2007 privatisiert worden. Das VHS-Bildungswerk hatte die Einrichtung, die sich bis Ende 2013 direkt im Rathaus befand, übernommen - einschließlich einer Mitarbeiterstelle. Als Kooperationspartner hatte das Bildungswerk die Volksstimme mit ihrem Servicezentrum gewinnen können. Die Privatisierung erfolgte damals, um Kosten zu sparen. Der jährliche Zuschuss durch die Stadt sollte perspektivisch geringer werden. Das allerdings ist nicht erfolgt. Die Volksstimme bietet die Serviceleistungen seit Februar diesen Jahres wieder im eigenen Redaktionsgebäude in Gardelegen an, so dass auch diese Einnahmequelle wegfiel.

Laut Verwaltung sei es indes so, dass im Kerngeschäft der Tourist-Information kein erheblicher Rückgang zu verzeichnen sei, meinte Fuchs. Trotzdem die Tourist-Information seit einem Jahr im Salzwedeler Tor, also etwas abseits vom unmittelbaren Stadtzentrum mit Rathaus, sitzt. Die Zahl der Touristen, also der auswärtigen Besucher, sei von 805 im Jahr 2013 auf 891 im vorigen Jahr gestiegen. 37 Stadtführungen mit 732 Besuchern habe es gegeben. Auch damit liege die Tourist-Information im Trend der vorigen Jahre. Einen Rückgang habe es bei telefonischen Kontakten gegeben: von 2932 Gespräche in 2013 auf 2796 in 2014. Vermutlich, weil sich immer mehr Menschen im Internet informieren und über das Internet beispielsweise auch Unterkünfte buchen würden.

An der neuen Ausschreibung könne sich selbstverständlich auch das VHS-Bildungswerk wieder beteiligen, hatte die CDU-Fraktion in ihrem Antrag für die Stadtratssitzung am Montagabend formuliert. Die Fraktion sei auch für den Erhalt der Tourist-Information, aber eben mit Senkung der Kosten für die Stadt.