Gardelegen l "Vergiss nicht, dass du Flügel hast...", das Lied, das Sängerin Mirjam Miesterfeldt am Sonnabend bei allen drei Feierstunden der Jugendweihe sang, passte an diesem Tag wohl auf jede der 138 Hauptpersonen im Gardeleger Schützenhaus. Denn flügge werden sie zwar gerade, doch ihre Flügel, die wunderbaren Schwingen der Freiheit, haben sie noch nicht so richtig ausgebreitet.

Und mancher hatte sie sogar versteckt - hinter einem sehr ersten Gesicht. Kaum ein Lächeln huschte den meisten der jungen Damen und Herren über die Lippen, als sie gemessenen Schrittes in den Festsaal schritten. Und Recht hatten sie. Schließlich ist das Erwachsenwerden eine ernste Angelegenheit. Zudem sei "Erwachsensein auch nicht immer cool", versicherte ihnen auch Festredner Andreas Höppner. Und er sei als Erwachsener zudem in der "schwierigen Lage, hier auch noch kluge Ratschläge geben zu müssen", stellte er mit einem kleinen Augenzwinkern fest.

Doch die hörten sich dann tatsächlich eher fröhlich an. So manches Mal mussten bei Höppners Ansprache nicht nur die jungen Leute in der ersten Reihe, sondern auch die Eltern und Großeltern im Schützenhaussaal laut lachen. So brach das Eis schnell. Höppner erinnerte die Eltern zum Beispiel an die Geburt der Kinder, "als noch jedes Gramm, das sie zugenommen haben, gefeiert wurde." Das allerdings "ändert sich später", richtete er sich an die Jugendweihlinge.

"Eines weiß ich: Zuzuhören und miteinander zu reden ist immer richtig."

Andreas Höppner

Aber natürlich hatte der dreifache Vater den Jugendlichen auch ein paar echte Ratschläge mitgebracht. So jenen, dass die Lebensqualität nicht an dem gemessen wird, was man in der Tasche hat. "Achtet das Anderssein!", bat er zudem. "Verlangt nicht, dass andere so sind wie ihr selbst." Ein Rezept fürs Verhalten, bei "handfestem Zoff" habe er zwar auch nicht, gab Höppner zu. "Aber eines weiß ich: Zuzuhören und miteinander zu reden, ist immer richtig." Und nicht zuletzt sei es nicht verkehrt, sich die Meinung der Eltern mal durch den Kopf gehen zu lassen.

Den Eltern legte er schließlich ans Herz, selbst auch einmal auf die Kinder zu hören. So mancher Vater praktiziere das sicher schon einmal dann und wann, wenn er den Junior frage, wie das neueste Computerspiel funktioniert, vermutete Höppner schmunzelnd. "Akzeptieren auch Sie das Anderssein Ihrer Kinder!" Das könne eine tolle Erfahrung sein.

Am Ende gab er den Jugendweihlingen noch salopp eine letzte Bitte mit auf den Weg: "Versucht, keinen allzu großen Bockmist zu machen!" Und das versprachen die jungen Leute schließlich mit stürmischem Applaus und später mit einem großem Blumenstrauß.

Applaus bekamen am Sonnabend aber schließlich auch alle anderen, die sich an der Organisation der Feierstunde beteiligt hatten. So die drei Paare der Stendaler Tanzschule Schier-Rösel, die Band Lysander und ihre großartige Sängerin, Rezitatoren und Sponsoren und nicht zuletzt der Interessenvereinigung Jugendweihe Stendal.

Bevor die privaten Feiern und das große Geschenkeauspacken beginnen konnten, bedankten sich in jeder Veranstaltung aber schließlich noch zwei der Jugendlichen im Namen aller anderen bei den Eltern und Organisatoren.

"Allerdings, müssen wir auch noch was klarstellen", betonte in der ersten Feierstunde Gymnasiastin Josephine Schmidt lächelnd: "Nur weil wir jetzt erwachsen sind, heißt das noch lange nicht, dass wir jetzt im Haushalt helfen..."

   

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