Nach 15 Jahren voller großartiger Lieder verabschiedeten sich am Sonnabend die Sängerinnen und Sänger von Musica Mundana von ihren Fans - natürlich mit einem grandiosen Konzert - aber auch mit einem großen Stück Wehmut.

Gardelegen l Erst runzelt Marcel Philipp die Stirn, dann steht er einfach nur da und hört lachend zu. Aus dem Song, den er eigentlich erwartet hat, machen die 15 Männer und Frauen vor ihm nämlich plötzlich ein ganz anderes Stück. "Marcy, du hast`s einfach drauf!", singen sie im Refrain und preisen musikalisch das Talent ihres Chorleiters.

Aber das stellt am Samstagabend in der Gardeleger Nikolaikirche ohnehin niemand infrage - nicht auf der Bühne und nicht im Zuschauerraum, der mit knapp 200 Gästen aus allen Nähten platzt. Jeder hier weiß, was Philipp, was das ganze Ensemble "drauf hat."

"Was machen wir nur von jetzt an immer am 23. Dezember?"

Zuschauer und Sängerpapa Peter Grzywotz

Seit 15 Jahren begeistert Musica Mundana schließlich die Fans. Einige der Sänger sogar noch länger, denn das Ensemble war 1997 einst als Gospelchor im Gardeleger Gymnasium gegründet worden. Seither trat Musica Mundana regelmäßig in der Region auf, am liebsten natürlich in Gardelegen. Am Sonnabend soll es nun das letzte Mal gewesen sein. Die Mitglieder sind einfach alle zu weit im Land verstreut, Proben mit der ganzen Kapelle daher jedes mal ein logistischen Meisterstück. So fällt schließlich die Entscheidung fürs Aus.

Mancher im Publikum mag das kaum glauben: "Was machen wir nur von jetzt an immer am 23. Dezember?", fragt zum Beispiel Peter Grzywotz vor dem fast allerletzten Song an diesem Abend, als Rosen und Geschenke verteilt werden.

Vor allem das Weihnachtskonzert des Ensembles ist für viele Gardeleger ein fester Termin im Adventskalender.

Bevor alle endgültig ihre Taschentücher rausholen müssen, wird es am Samstagabendabend aber natürlich noch mal so richtig Musica-Mundana-mäßig großartig. Das "Best Of", das Stefan Wiesig, alias Charlie, gleich zu Beginn ankündigt, ist tatsächlich ein solches. Ob der Prinzensong "Mann im Mond" oder die Ballade von der Made, Songs von Coldplay oder Michael Jackson bis hin zum vielstimmigen Gospel - die Sänger ziehen nochmal alle Register. Mal teilen sie sich, dann singen sie wieder zusammen, sie legen zuweilen "eine atemberaubende Choreografie" hin - schnipsen also mit den Fingern - empfehlen den Zuschauern ihren "Bass, Baby" oder lassen die Sopranistinnen Miriam Heckert und Julia Metelka in den höchsten Tönen, aber auch Altistin Johanna Ulrich mit ihrer wunderschönen warmen Stimme Soli singen und werden von Marcel Philipp auf Keyboard oder Cajon begleitet.

Dazwischen necken die Sänger - am Sonnabend sind übrigens auch einige ehemalige dabei - sich selbst und ihr Publikum. Unverkennbar haben alle also offenbar auch noch Spaß beim Singen. Und im Zuschauerraum sitzt am Sonnabend in Gardelegen auch Gründungsmitglied Synke Nickel - die dem letzten Probenwochenende einen Aufenthalt im Kreißsaal vorgezogen hatte - und wippt ihr Baby zu den Liedern der Kollegen auf den Knien.

Am Ende kommen die 16 Musiker vorn natürlich nicht ohne Zugaben weg. Drei sind es insgesamt. Vor der letzten gibt Marcel Philipp mit wenigen Tönen auf dem Keyboard einen dezenten Hinweis, dass auch Sänger mal ins Bett müssen. Er spielt nämlich die Fernsehsandmannmelodie.

Und dann hat er, nachdem er sich bei allen bedankt hat, die dem Ensemble stets zur Seite standen, noch ein paar Worte für die Fans, die berechtigte Hoffnungen wecken: "Wir sind ja nicht aus der Welt", sagt "Marci", und: "Wir werden uns ja nicht aus den Augen verlieren, nur weil wir nicht mehr singen. Und wenn wir uns sehen, dann singen wir natürlich auch." Was immer das heißen mag.

   

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