Der Abriss des Miester Kartoffelschäl- und Abpackbetriebes mit anschließender Renaturierung wird doppelt so teuer wie ursprünglich geplant. Es geht um Mehrkosten von 740000 Euro. Mit dieser Thematik werden sich jetzt die Fachausschüsse des Stadtrates beschäftigen.

Gardelegen/Mieste l Mehrmengen an Asbestzement und an asbestzementhaltigen Abfällen, beim Abriss freigelegte Verkippungen im Freigelände, Bodenplatten und Fundamente mit Asbest, einsturzgefährdete Hallen, viel Handarbeit beim Aussortieren der verschiedenen Materialien (Asbest), Chemikalien und damit verbundene Mehrkosten bei der Entsorgung gefährlicher Stoffe sowie Mehrkosten beim Rückbau unterirdischer Anlagen, wie Rohrleitungen - die Liste ist recht lang, die die Verwaltung als Gründe für Mehrkosten beim Abriss des Miester Kartoffelschäl- und Abpackbetriebes, kurz Kasa, anführt. Der Mehrbedarf beträgt 740000 Euro. Veranschlagt waren 706000 Euro für das Projekt mit dem offiziellen Titel Abbruch und Flächenberäumung Kasa Mieste mit anschließender Renaturierung. Gefördert wird das Ganze über ein Programm zur Altlastensanierung und Bodenschutz mit 536000 Euro. Der Eigenanteil der Stadt belief sich auf 153000 Euro. Das Projekt wurde Anfang des Jahres gestartet. Innerhalb von vier Monaten sollte alles fertig sein.

Asbest und Entsorgung: zusätzlich 428500 Euro

Jetzt wird das Vorhaben doppelt so teuer wie geplant. Und ursächlich sind unliebsame Überraschungen, die bei Baubeginn nicht vorhersehbar gewesen seien. Ausführlich geht das Bauamt in der Beschlussvorlage auf die Gründe ein. Allein die Mehrmengen an Asbest führten "unter Beachtung der Arbeitsschutzauflagen im Bereich der Abfallaufnahme, Abfallverpackung und Abfall-entsorgung" zu einem Mehraufwand von 428500 Euro.

Während der Abrissarbeiten sei festgestellt worden, dass verschiedene Gebäude einsturzgefährdet seien. Eine manuelle Demontage von Asbesteindeckungen sei nicht möglich gewesen, so dass der Abriss maschinell erfolgen musste. Dies wiederum habe zur Folge gehabt, dass die "Separierung der Störstoffe" dann manuell durchgeführt werden musste. "Dies wurde mit hohem personellen Aufwand realisiert", schreibt das Bauamt.

Mauerwerk und Beton hätten aufgrund chemischer Analysen in eine andere Zuordnungsklasse mit höheren Entsorgungskosten eingeordnet werden müssen, was Mehrkosten von 250000 Euro zur Folge hätte. Dazu kämen Mehrkosten durch den Rückbau unterirdischer Anlagen, wie Rohrleitungen, die im Rahmen von Begehungen im Vorfeld nicht erkennbar gewesen seien.

Darüber hinaus seien bei der Gelände- und Gebäudeberäumung Behälter mit Chemikalien, Lacken, Farben und anderem gefunden worden.

Für die Mehrkosten soll erneut eine Förderung beantragt werden. Die Verwaltung rechnet, wie beim ersten Antrag, mit 80 Prozent der Kosten. Das wären dann 576000 Euro. Die Stadt muss ihrerseits 164000 Euro aufbringen.

Die Verwaltung geht davon aus, dass der Antrag bewilligt wird, denn "die durch das Landesverwaltungsamt ... bewilligte Maßnahme ... muss entsprechend des Zuwendungsbescheides fertiggestellt und der Zuwendungszweck erfüllt werden". Und weiter: "Sollte der Zuwendungszweck nicht erfüllt werden, wird der Zuwendungsbescheid unwirksam oder mit Wirkung für die Vergangenheit zurückgenommen oder widerrufen. Ohne zusätzliche Fördermittel kann die Baustelle nicht beendet werden."

Bauausschuss war am 7. April vor Ort

Am 7. April hatte der Bauausschuss das Kasa-Projekt besichtigt. Seitens des Bauamtes gab es eine schriftliche Information darüber, dass "zusätzlich Abfälle und Entsorgungsleistungen erkennbar" seien, die nicht Bestandteil des Leistungsumfanges gewesen seien. Unter anderem wurden Dämmmaterialien, Asbest, eine manuelle Separierung, Mehraufwendungen beim Rückbau einsturzgefährdeter Asbestdacheindeckungen verbunden mit manuellen Separierungsaufwendungen, angegeben. Das alles würde zu einem zeitlichen Mehraufwand von drei Wochen und einem finanziellen Mehraufwand von etwa 40000 Euro führen.

Der Bauausschuss tagt am kommenden Montag, 18. Mai. Die Sitzung beginnt zunächst mit einem Lokaltermin. Treffpunkt ist um 19 Uhr an der Pfahlweide.