Auch im 20. Jahr des Treffens ehemaliger Einwohner der Ortschaft Salchau und ihrer Nachfahren ist das Interesse an dem einstigen Dorf in der Heide ungebrochen. Am Sonnabend öffnete das Gefechtsübungszentrum wieder den Weg dorthin.

Seethen l "Mein Vater und ich haben hier die ersten Steine abgetragen und nach Letzlingen gebracht, wo sie wieder verbaut wurden", erinnert sich Wilhelm Lauenroth an die Zeit vor 79 Jahren. Denn 1936 verließ die letzte Familie das Dorf Salchau, weil dort eine große Schießbahn für die Heeresversuchsanstalt bei Hillersleben entstehen sollte und alle Einwohner des Ortes umgesiedelt wurden.

Die Erinnerung an die Wurzeln der ehemaligen Salchauer und die Zwangsumsiedlung wurde erst vor 20 Jahren wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Seinen Gedanken zu diesem Anlass ließ der Leiter des Gefechtsübungszentrums, Oberst Uwe Becker, in seiner Begrüßungsrede freien Lauf.

Er habe sich gefragt, weshalb noch immer Menschen, zum Teil von weit her in die Wüstung Salchau kommen, um der ehemaligen Ortschaft zu gedenken. Als mögliche Antwort sei ihm in den Sinn gekommen, dass man alte Bekannte wieder treffe, mit denen man sich austauschen könne. "Ich glaube aber, der Kitt, der diese Treffen zusammenhält, ist sicher im Begriff Heimat zu finden", betonte Oberst Becker. Dabei gebe es für das Wort Heimat noch nicht einmal eine einheitliche Definition. "Das Fachchinesisch von Soziologen oder Anthropologen möchte ich Ihnen hierbei ersparen", sagte er mit einem kleinen Schmunzeln. "Denn der Tag heute ist schön und soll es auch bleiben", fügte er humorvoll hinzu. Schlussendlich habe jeder Mensch seinen eigenen Heimatbegriff, und mit der Umsiedlung des Ortes ging für die 365 Einwohner Salchaus schlichtweg ihre Heimat verloren. Mittlerweile würden nur noch fünf Männer und zehn Frauen leben, die einst in Salchau geboren wurden, zählte der Vorsitzende des Letzlinger Heimatvereins, Karl-Ulrich Kleemann, auf. Er war im Laufe des Tages Ansprechpartner für alle jene, die nach konkreten Namen und Daten ehemaliger Salchauer suchten.

In der Broschüre mit den Nummern der Gehöfte und den dazugehörigen Namen der Familien blätterte Kleemann hin und her und gab Auskunft über Verwandschaft oder Bekanntschaft und wohin die Familien verzogen waren.

Denn längst nicht alle hatte in den Jahren 1935/36 das Angebot angenommen, nach Blumenberg bei Wanzleben umzusiedeln. So wie beispielsweise August Osinsky, der Urgroßvater von Anneliese Mücke aus Letzlingen. "Ich kenne ihn noch, wie er die Gänse hütete, mit ganz weißem Haar", erinnerte sie sich. Statt auf eine größere Hofstelle nach Blumenberg zu ziehen, hatte es ihr Vorfahre vorgezogen, zu einer seiner Töchter, Marie Matthies, in ein kleines Haus in Letzlingen zu ziehen - nicht so fern der alten Heimat.

 

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