Im Versorgungsgebiet des Wasserwerkes Solpke sorgt seit mehr als zehn Tagen ein Unbekannter beziehungsweise eine Tätergruppe für viel Ärger. Mehrfach wurden nachts Unterflurhydranten geöffnet, so dass es in verschiedenen Orten zu Versorgungsproblemen kam. Die Polizei wurde alarmiert.

Solpke/Gardelegen l Der technische Leiter des Wasserwerkes Gardelegen kann nur den Kopf schütteln. So etwas gab es in seiner Dienstzeit noch nicht, betonte gestern Frank Hellmann. Ein oder mehrere Unbekannte sorgten im Versorgungsgebiet des Wasserwerkes Solpke für erhebliche Störungen der Trinkwasserversorgung. In der Nacht zum 10. Mai wurde erstmals im Bereich Mieste und Miesterhorst von Unbekannten ein Hydrant geöffnet, was in den besagten Orten zu Problemen mit der Wasserversorgung führte. Nach der Öffnung eines weiteren Hydranten kam es am Abend des 10. Mai auch in den Orten Peckfitz und Jeggau zum Druckabfall im Leitungssystem und zu Versorgungsproblemen.

"Die Stelle zu finden, wo das Wasser wegfließt, ist oft nicht leicht"

In den folgenden Tagen schlugen die Unbekannten erneut zu - zuletzt im Bereich Köckte und Trippigleben (in der Nacht zum 19. Mai). Betroffen gewesen sei bislang das Versorgungsnetz des Wasserwerkes Solpke mit nachgeschalteten Versorgungsgebieten. "Das Wasserwerk Solpke gehört zum Wasserverband Gardelegen. Es gibt in dem Versorgungsnetz aber zwei Übergangspunkte zum Wasserverband Klötze, wo ebenfalls Orte von den Störungen betroffen waren, zum Beispiel Miesterhorst und Dannefeld", erläuterte Frank Hellmann. Weitere betroffene Orte waren Sichau und Tarnefitz. Die geöffneten Hydranten hätten sich jeweils an Ortsrändern oder auch an Wirtschaftswegen befunden - dort, wo sich der oder die Täter, zumal nachts, besonders unbeobachtet gefühlt haben dürften. Zweimal sei nicht nur einer, sondern sogar kurz nacheinander zwei Hydranten geöffnet worden. Der Wasserverband Gardelegen hat mittlerweile Anzeige bei der Polizei gestellt, und laut Hellmann wird bereits ermittelt.

Der Wasserverbrauch wird im gesamten Leitungssystem der Wasserwerke ständig gemessen und aufgezeichnet. Nach den Öffnungen der Hydranten, so Hellmann, sei die Entnahme jeweils schlagartig angestiegen. Besonders auffällig sei es in der Nacht, wenn die allgemeine Entnahme zumeist auf einem niedrigen Niveau liege. "Einen solchen Anstieg gibt es normalerweise nur bei einem Rohrbruch, bei Löscheinsätzen der Feuerwehr oder auch bei Befüllungen großer Schwimmbecken direkt über die Standleitung", so Hellmann. Die zuständigen Wasserverbände seien jedoch zumeist durch die betroffene Bevölkerung informiert worden, die sich über eine eingeschränkte oder in einigen Fällen auch komplett ausgesetzte Wasserversorgung gewundert und beschwert hatten. "Unsere Mitarbeiter begeben sich dann unverzüglich auf die Suche nach der Ursache. Aber die Stelle ausfindig zu machen, wo das Wasser wegfließt, ist oft nicht leicht. Hilfreich sind Hinweise von Leuten, die beobachtet haben, wo genau das Wasser austritt", so Hellmann.

Der bisher durch die Hydrantenöffnungen entstandenen Schaden durch Wasserverlust schätzt Hellmann auf rund 1000 Kubikmeter. Aber zusätzliche Kosten entstünden neben dem verlorenen Wasser vor allem durch den zusätzlichen Personalaufwand.

"Der oder die Täter treffen nicht den Wasserverband"

Über das Motiv des Täters oder der Täter möchte der technische Leiter des Wasserwerkes Gardelegen nicht spekulieren. Aber er meinte, wo Behörden seien, da gebe es immer Leute, die mit bestimmten Entscheidungen nicht einverstanden sind. Das könne, müsse aber nicht der Auslöser für diese Machenschaften sein. "Es ist nur die Frage, warum macht man das? Getroffen wird von diesen Straftaten nicht der Wasserverband, sondern einzig und allein die Bevölkerung. Denn die so entstehenden Mehrkosten müssen in die künftigen Gebührenkalkulationen einfließen. Letztendlich kommen alle Kunden des Wasserverbandes Gardelegen für den Schaden auf", erklärte Hellmann.

Der Wasserverband bittet in dieser Angelegenheit die Bevölkerung um Mithilfe. Wer verdächtige Personen an oder in der Nähe von Hydranten beobachtet oder auch austretendes Wasser sieht, wird gebeten, den Wasserverband zu informieren. Hinweise werden unter den Telefonnummern 03907/7230 oder vom 24-Stunden-Bereitschaftsdienst (Telefon 0160/98052326) entgegen genommen. Dort können auch erneute Probleme bei der Trinkwasserversorgung gemeldet werden.