Stabile Schülerzahlen sagte Norbert Bucklitsch von der Gardeleger Stadtverwaltung für den Einzugsbereich der Letzlinger Grundschule im Letzlinger Ortschaftsrat voraus. Damit wäre die Grundschule auch ohne die Schüler aus Potzehne und Parleib langfristig gesichert.

Letzlingen l Die Letzlinger Grundschule ist "in der glücklichen Lage, die gesetzlich geforderte Mindestschülerzahl von 52 ganz locker zu erreichen", verkündete Verwaltungsmitarbeiter Norbert Bucklitsch während der Sitzung des Letzlinger Ortschaftsrates am Dienstagabend. Das Ziel seiner folgenden Ausführungen wurde mit jedem Satz deutlicher, und Bucklitsch schloss mit den Worten: "Kurzum, wir brauchen die Kinder aus Potzehne und Parleib eigentlich nicht zur Letzlinger Grundschule zu schicken. Es kann alles so bleiben, und diese Schüler fahren weiter nach Mieste."

Als der Stadtrat im Oktober 2013 den Beschluss fasste, die Schuleinzugsbereiche für Mieste und Letzlingen zu ändern, lag die Vorgabe der Mindestschülerzahl noch bei 60 Kindern.

"Wir machen hier ein neues Fass auf."

Ortschaftsrat Thomas Genz

"Diese Verordnung zur Schulentwicklungsplanung wurde im Dezember 2014 aufgeweicht und nach unten korrigiert. Die Mindestschülerzahl liegt jetzt wieder bei 52 und damit ist der Standort nach heutigem Datum gesichert", so Bucklitsch.

Dass sahen einige Letzlinger Ortschaftsräte und Ortsbürgermeisterin Regina Lessing weniger entspannt. Ortschaftsratmitglied und stellvertretender Ortsbürgermeister Thomas Genz sprach von "einem neuen Fass, das wir da jetzt aufmachen", und dass er dieses Vorgehen als nicht konstruktiv empfinde. Genz richtete seinen Blick voraus und fragte, was wohl nach der nächsten Landtagswahl sei, wenn sich die Vorgaben der Landesregierung für die Schulentwicklungsplanung wiederum ändern. "Unser Thema ist doch, den Grundschulstandort zu sichern. Ihr Vorschlag ist für uns ein großes Risiko", richtete sich Genz direkt an Norbert Bucklitsch.

Zu Wort kamen auch Potzehnes Ortsbürgermeister Harald Rolletschek sowie Oliver Stegert und Peter Kapahnke, beide Mitglieder des Stadtrates und Einwohner Parleibs. Er habe nie "Hurra" geschrien, als es um den Beschluss zur Änderung der Einzugsbereiche ging, betonte Kapahnke. Aber er habe den Potzehner Eltern auch versprochen, dass kein Kind aus den beiden Ortschaften über Gardelegen zur Letzlinger Schule fahren werde. Und wenn es nach aktuellem Stand "nicht vonnöten ist, die Kinder auseinanderzureißen, warum dann etwas dramatisieren und das seelische Leid der Kinder erhöhen, wenn sie sich nach der Kita von Freunden trennen müssen", gab Kapahnke zu Bedenken. Er werde wohl für den Vorschlag stimmen, den Stadtratsbeschluss aufzuheben und die Grundschüler aus Potzehne und Parleib auch ab dem Schuljahr 2017/18 weiter in Mieste beschulen zu lassen.

Potzehnes Ortsbürgermeister Harald Rolletschek brachte die ohnehin fragliche Umsetzung der Schülerbeförderung in diesem Zusammenhang aufs Tapet. Die im Stadtrat zwar diskutierte, schlussendlich aber nicht beschlossene Bedingung der direkten Schülerbeförderung über die sogenannte Kap-Straße (wir berichteten), bleibe ein Problem. "Und wenn ich sehe, wie sich die Personenverkehrsgesellschaft (PVGS) diesbezüglich anstellt, dann glaube ich, die werden einfach abwarten und dann machen, was sie wollen", so Rolletschek.

Einen berechtigten Einwand gab es vom Letzlinger Ratsmitglied Jan Dittrich. Der Ortschaftsrat sei nicht das Gremium, das über Standorte und Einzugsbereiche bestimmt. Man müsse momentan aber von den gesetzlichen Vorgaben ausgehen. Doch nur, weil es gerade gut aussieht, sollten die Einzugsbereiche nicht geändert werden. Er persönlich halte diese "Diskussion für nicht produktiv und zielführend."

Oliver Stegert fügte zum Thema hinzu, dass der umstrittene Stadtratsbeschluss durchaus neu formuliert, diskutiert und gefasst werden könne. Zudem kündigte er an, dass Vertreter der PVGS zur nächsten Sitzung des Sozialausschusses eingeladen werden.

Ortsbürgermeisterin Regina Lessing erinnerte, dass es doch nichts Besseres geben könne, als eine sichere Schülerzahl vorweisen zu können. Sie bat Norbert Bucklitsch, die Verwaltung dahingehend zu informieren, dass der Ortschaftsrat die Grundschule so stabil wie möglich halten will.