Gardelegen/Berge l Mit der kurzfristigen Schließung der Kindertagesstätte Berge hatte der Erzieher-Notstand am Dienstag nach Pfingsten seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. "Uns blieb keine andere Wahl. Es war nicht möglich, die Erziehung verantwortbar abzusichern", erläuterte die Fachdienstleiterin für den Bereich Kindertageseinrichtungen der Stadt Gardelegen, Manuela Dietrich-Beckers, gegenüber den Vertretern des Gemeindeelternrates. Das Gremium traf sich am Mittwochabend in der Kita Jävenitz zu seiner Sitzung.

Die betroffenen Eltern, so Dietrich-Beckers weiter, hätten am Dienstag jedoch nicht vor verschlossenen Türen gestanden. Alle seien am Donnerstag und Freitag vor Pfingsten telefonisch über die Schließung informiert worden. Die Kinder konnten in benachbarten Einrichtungen betreut werden. Seit Mittwoch ist die Kita Berge aber wieder geöffnet. Vor allem Personal aus umliegenden Kitas verrichtet dort Dienst.

Der Vorsitzende des Gemeindeelternrates Nico Macht wies in der Diskussion darauf hin, dass die angespannte Personalsituation seit längerem ein bekanntes Problem sei. Allerdings zeige die Schließung der Berger Einrichtung, wie dringend notwendig eine Entschärfung der Situation sei.

Das bestätigte Manuela Dietrich-Beckers. Sie informierte, dass in jüngster Vergangenheit auch schon die Kita Letzlingen und die Kita Spatzennest in Gardelegen kurz vor der Schließung gestanden hätten.

"Sind permanent damit beschäftigt, Personal hin- und herzuschieben." - Manuela Dietrich-Beckers

"Nur dank der Flexibilität und des Engagements anderer Erzieherinnen und Mitarbeiterinnen konnte das jedoch noch abgewendet werden", so Dietrich-Beckers. Das Problem sei, dass die Belastung des einsatzfähigen Personals so groß geworden sei, dass auch dort ein noch höherer Krankenstand drohe. "Wir sind gegenwärtig permanent damit beschäftigt, Erzieherinnen hin- und herzuschieben", informierte Dietrich-Beckers, "wir müssen dafür sorgen, dass wir in den Einrichtungen einen Stamm von Mitarbeitern haben, die immer da sind."

Die Verwaltungsmitarbeiterin betonte, dass Gardelegen seit Monaten intensiv bemüht sei, das Personalproblem in den Kitas zu entschärfen. Mitarbeiterinnen sollen neu eingestellt werden. "Wir versuchen unser Möglichstes, aber im Moment rückt kein Personal nach. Bei den geplanten Neueinstellungen handelt es sich um angehende Erzieherinnen, die in Kürze ihre Ausbildung beenden. Sie können erst Anfang Juli ihre Arbeit aufnehmen", sagte die Fachdienstleiterin.

Die Mitglieder des Gemeindeelternrates betrachteten die Situation mit großer Sorge. Allerdings zeigte sich Nico Macht optimistisch: "Es wird offenbar sehr viel getan, um die Personalsituation zu verbessern. Wenn Anfang Juli die neuen Mitarbeiterinnen wirklich da sind, dann ist eine Lösung in Sicht."

Wie Manuela Dietrich-Beckers gestern auf Nachfrage der Volksstimme ausführte, werden gegenwärtig in den Kindereinrichtungen der Stadt Gardelegen insgesamt 1392 Kinder betreut. Dafür sind 132 Erzieherinnen und Erzieher eingestellt. Zur Seite stehen den Erzieherinnen derzeit vier Praktikanten. In der bislang akutesten Zeit der Personalnot, am 26. und 27. Mai, waren jedoch insgesamt 80 Erzieherinnen aufgrund von Krankheit, Urlaub, Schwangerschafts-Beschäftigungsverbot sowie Elternzeit nicht verfügbar. Zum 1. Juli würden durch die Stadt vier und zum 1. August noch einmal sechs neue Erzieherinnen eingestellt, ergänzte Dietrich-Beckers. Darüber hinaus leisten ab dem 1. August für das Erzieher-Anerkennungsjahr 2015/2016 fünf Praktikanten Dienst.