Das Thema Kinderbetreuung und deren Kosten wird mit zu den ersten gehören, die in den Fachausschüssen des neuen Stadtrates für Diskussionsstoff sorgen werden. Der jährliche Zuschussbedarf für die kommunalen Einrichtungen der Stadt lag bisher bei 550 000 Euro. Mit der Zuordnung der ehemaligen VG-Gemeinden werden es 1,35 Millionen Euro sein. Diese Zahlen nannte Bürgermeister Konrad Fuchs bei einem Forum zur Zukunft der Kinderbetreuung mit Sozialminister Norbert Bischoff.

Gardelegen. Die Wolken werden immer düsterer. Die Finanzdecke in der drittgrößten Stadt Deutschlands wird immer knapper. Jetzt liegen aktuelle Zahlen bezüglich der Finanzierung der Kinderbetreuung vor. Bisher musste die Stadt ein jährliches Defizit bei der Kinderbetreuung in Krippe, Hort und Kindergarten von 550 000 Euro decken. Mit der Zwangszuordnung der restlichen 18 Gemeinden aus der Verwaltungsgemeinschaft Südliche Altmark werden es dann 1,35 Millionen Euro sein. "Wir haben in der Stadt seit fünf Jahren keine Änderungen bei den Elternbeiträgen vornehmen müssen. Das hängt damit zusammen, dass wir uns mit unserem Personalschlüssel fast am Limit bewegt haben", sagte Fuchs bei einem Forum zur Zukunft der Kinderbetreuung in Sachsen-Anhalt mit dem Landes-Sozialminister Norbert Bischoff.

Die Verfahrensweise in den neuen Ortsteilen sehe allerdings etwas anders aus. "Das Defizit ist viel höher, weil man sich dort wesentlich mehr geleistet hat als die Stadt. Für die Kinderbetreuung in der Stadt mit 14 300 Einwohnern brauchten wir 550 000 Euro, für die neue Stadt mit 24 000 Einwohnern werden es 1,35 Millionen Euro sein", wiederholte Fuchs die Zahlen. Die Ausschüsse und der neue Stadtrat stünden nun vor der enormen Aufgabe, ein Gleichmaß herzustellen. "Es wird eine der ersten Aufgaben sein, die Elternbeiträge anzugleichen. Es kann nicht sein, dass es in einer Stadt zehn verschiedene Beitragsmodelle gibt", machte Fuchs deutlich. Für die städtischen Kitas gelte bei den Elternbeiträgen eine größere Staffelung als in allen anderen Kitas. Die Eltern hätten fünf Möglichkeiten, auszuwählen. "Wir haben damit eltern- und kindgerecht gehandelt", meinte Fuchs.

Bisher habe die Stadt außerdem allen Eltern, die es wünschen, eine niveauvolle Betreuung ihrer Sprösslinge anbieten können. "Und das in den meisten Fällen auch sofort. Wartezeiten gab es nur manchmal", sagte Fuchs. Seit der Wende habe es in der Kernstadt jährlich zwischen 80 und 100 Geburten gegeben. Der Bedarf der Kinderbetreuung habe ziemlich genau kalkuliert werden können. Wie das in den neuen Ortsteilen sei, müsse erst analysiert werden. Laut den Prognosen des Statistischen Landesamtes soll die Geburtsrate bis 2015 um 20 Prozent sinken, bis 2018 sogar um 40 Prozent. "Es lässt sich unschwer erkennen, was hier auf uns zukommt, welche Auswirkungen das auf die Kinderbetreuung haben wird. Das kann sich jeder ausrechnen", machte Fuchs deutlich.

Bisher sei in der Stadt nur auf Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft gesetzt worden. Das wird sich künftig ändern. Einige Einrichtungen in den neuen Ortsteilen werden bereits von freien Trägern geführt. "In meinen Überlegungen spielen auch Tagesmütter eine große Rolle. Wir können es beispielsweise Eltern aus Dannefeld nicht zumuten, ihre Kinder nach Gardelegen zu fahren. Es sei denn, sie wollen das. Unser Ziel ist es, die Kinder wohnortnah unterzubringen", stellte Fuchs Überlegungen der Verwaltung vor.

Eine Fünfer-Staffelung wie in den städtischen Einrichtungen gibt es in keiner der neu dazugekommenen Ortsteile. Die Krippenbeiträge liegen wesentlich unter den städtischen. In der Rappelkiste in Solpke muss für eine fünfstündige Krippenbetreuung 85 Euro bezahlt werden, in Estedt nur 75. In der Stadt sind es 100 Euro (s. Infokasten).

In Miesterhorst wird sogar noch selbstgekocht. Vom subventionierten hausgemachten Essen profitieren dort allerdings nicht nur die Kinder, sondern auch die Mitarbeiter.