Am 28. November wurde in Gardelegen ein neuer Stadtrat gewählt. Die Volksstimme stellt in den folgenden Ausgaben täglich eine(n) der 36 Ratsfrauen und Ratsherren vor.

Gardelegen. Er ist einer, der gern viel weiß. Er beschreibt sich als "sehr wissbegierig". Für Ralf Linow bedeutet das auch, seinen Wissensdurst mit Hilfe neuer Medien zu stillen. "Ich versuche, oft am Computer zu arbeiten, nutze sehr viel das Internet", erzählt der 50- Jährige. Er recherchiert nicht nur gern im Internet, sondern steht auch mit anderen im Kontakt – über das soziale Netzwerk Facebook.

Ein Thema, das den gebürtigen Gardeleger seit vielen Jahren interessiert, ist die Geschichte der nordamerikanischen Indianer. "Es ist noch mein großer Wunsch, einmal in die USA zu reisen und mir das Land anzuschauen und Reservate zu besuchen", sagt Linow und fügt hinzu: "Vielleicht, wenn ich Rentner bin." Bis dahin schaut er sich Reportagen an und liest über die Indianer. Eines seiner Lieblingsbücher, Dee Browns "Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses", hat er schon mehrfach gelesen.

Seit April vergangenen Jahres hat Ralf Linow aber nicht mehr ganz so viel Zeit zum Lesen und für andere Freizeitaktivitäten. Denn im April 2010 wurden die Enkelsöhne Matz und Momo geboren. "Die Zwillinge sind mein ganzer Stolz", sagt der Opa und zeigt auf das Laufgitter im Wohnzimmer. "Wenn es die Zeit erlaubt, verbringe ich sie mit den beiden Jungen." Da sie mit ihren Eltern in Gardelegen wohnen, ist das kein Problem. Papa der Zwillinge ist Ralf Linows Sohn Mike (31). "In diesem Jahr wird er heiraten, auch darauf freuen wir uns schon", sagt der Vater des Bräutigams.

In das "wir" schließt er seine Frau Martina, mit der er seit 1979 verheiratet ist, und seine Tochter Franziska (26) ein, die derzeit in München lebt.

Ralf Linow selbst ist immer der Altmark treu geblieben. Er ist in Gardelegen aufgewachsen, hat die Karl-Marx-Schule besucht und anschließend eine Lehre in der Bismarker Molkerei gemacht. Die beendete er als Facharbeiter für Milchwirtschaft. Erst arbeitete er noch in Bismark, dann wechselte der junge Mann zur Gardeleger Molkerei.

Von 1983 bis 1986 schloss sich ein Studium in Schwerin an. "Man will sich ja weiterbilden", sagt Ralf Linow, der nach dem Studium Agraringenieur-Ökonom und in der SED-Kreisleitung im Bereich Landwirtschaft tätig war. "Die Landwirtschaft hat mich schon immer interessiert", erzählt der Gardeleger und sieht eine Wurzel dafür bei den Bismarker Großeltern: "Die hatten ganz viele Tiere, da kam der Wunsch wohl her." Die Tierliebe ist bis heute geblieben. Zum Linowschen Haushalt gehört auch Mischlingshund Flo.

Dann kam die Wende. Ralf Linow, der kurze Zeit beruflich an der Spitze der SED/PDS im Altkreis Gardelegen stand, setzte sich noch einmal auf die Schulbank. 1993 schloss er erfolgreich das Studium zum staatlich geprüften Betriebswirt ab. Es folgten vier Jahre als Geschäftsführer der Jugendförderungszentrum GmbH, und von 1997 bis 2005 war er dann selbstständig tätig. Seit 2006 arbeitet Ralf Linow als Bereichsleiter Spritzguss/Konfektionierung bei AKT.

In die Kommunalpolitik kam der Gardeleger "erst nach der Wende so richtig". Es habe in diesen Jahren "Spaß gemacht, an Veränderungen teilzunehmen", sagt der 50-Jährige heute. Er gehörte von 1990 bis 1994 zum ersten Kreistag in Gardelegen, war dort Fraktionsvorsitzender der SED/PDS. Dann pausierte sein kommunalpolitisches Engagement. 1999 wurde er dann in den Stadtrat gewählt, arbeitete in mehreren Ausschüssen, war stellvertretender Stadtratsvorsitzender und stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Nach dem Tod von Peter Lorenz im vergangenen Jahr übernahm er den Vorsitz der Linkspartei-Fraktion, die er auch im neuen Stadtrat führen wird.

Nach mehr als einem Jahrzehnt im Stadtrat sagt Ralf Linow, der Mitglied der Linkspartei ist: "Natürlich macht es noch Spaß." Er sei gespannt, wie es im neuen Stadtrat weitergeht. Wichtig sei es, "dass wir versuchen, dass das neue Gebilde auch einen Nutzen hat".

Dass es nicht nur in der Kommunalpolitik auf ein gutes Zusammenspiel von Stadträten und Verwaltungsmitarbeitern ankommt, das hat Ralf Linow vor sechs, sieben Jahren für sich herausgefunden. Denn seither ist er Jahr für Jahr dabei, wenn ein Gardeleger Unternehmen im Januar ein Fußball-Sponsorenturnier ausrichtet. Dann läuft auch eine gemischte Mannschaft Stadtrat/Verwaltung auf. "Und ich stehe im Tor", erzählt Ralf Linow.