Einen Appell an Augenmaß, Vernunft und Transparenz richtete der neue Stadtratsvorsitzende Kai-Michael Neubüser (CDU) am Montagabend an den Stadtrat. Bürgermeister Konrad Fuchs bot den Stadträten "einen fairen und konstruktiven Umgang miteinander" und eine "qualifizierte Verwaltung" an.

Gardelegen. Ihm war es "eine außerordentliche Freude", die neuen Stadträte am Montagabend im Rathaussaal zur konstituierenden Sitzung begrüßen zu können, sagte Bürgermeister Konrad Fuchs. Die 35 Männer und Frauen – Astrid Läsecke fehlte krankheitsbedingt – waren Ende November für die Dauer von rund dreieinhalb Jahren gewählt worden. Die verkürzte Legislaturperiode wird verursacht von der Gebietsreform, die die Stadt zum 1. Januar zur flächenmäßig drittgrößten Stadt Deutschlands gemacht hat.

Fuchs ging darauf ein, sprach von "Problemen, deren Ausmaß manche sich noch nicht vorstellen können", von "enormen Aufgaben" und mahnte, diese Aufgaben "äußerst sparsam" anzugehen. Die Stadträte müssten sich auch Gedanken machen, wo noch Einnahmen zu erzielen seien. Ziel sei, die Lebensqualität zu erhalten und auszubauen. Dazu müsse die Stadt "die finanzielle Schieflage in den Griff bekommen". Er jedenfalls freue sich auf eine "konstruktive, streitbare und nach vorn gerichtete Atmosphäre".

Der neue Stadtratsvorsitzende Kai-Michael Neubüser appellierte an die Stadträte, zu ihren Entscheidungen zu stehen. Erfolg sei aber nicht das Maß aller Dinge. Es gehe auch um Mitmenschlichkeit und Solidarität. Die Hauptaufgaben des neuen Stadtrates seien, "sich zusamenzuraufen, Vertrauen und Identität zu schaffen". Neubüser: "Mit emotionalen Alleingängen werden wir nicht weit kommen. Nur, wenn wir die Bürger mitnehmen, werden wir Erfolg haben". Dazu müsse man den Bürgern auch mal sagen, "wenn es nicht geht".

Von einem "historischen Tag" sprach SPD-Stadtrat Walter Thürer, der die konstituierende Sitzung als ältestes Mitglied des neuen Stadtrates bis zur Wahl des neuen Stadtratsvorsitzenden leitete. Mit der Zuordnung der restlichen 18 Gemeinden aus der Verwaltungsgemeinschaft Südliche Altmark habe die Stadt eine beispiellose Erweiterung erfahren. "So etwas hat es in der Geschichte Gardelegens noch nie gegeben, und so etwas wird es auch in den nächsten 100 Jahren nicht mehr geben", betonte Thürer.

Auch der SPD-Politiker appellierte an den neuen Stadtrat, gemeinsam die Zukunft zu gestalten, aber nur unter dem Blickwinkel äußerster Sparsamkeit.

"Es ist nicht hilfreich, dem Verlust der Selbstständigkeit nachtrauern. Wir wollen Neues gestalten. Es gibt viel zu tun. Es liegt jetzt an uns, das Beste daraus zu machen. Wenn in einigen Jahren die Letzlinger, Jävenitzer oder Miester sagen, wir wohnen zwar in Letzlingen, Jävenitz und Mieste, aber wir gehören alle zur schönen Hansestadt Gardelegen, dann haben wir viel erreicht", sagte Thürer.