Rund 100 Arbeitsplätze sind geplant. Als eine von mehreren Modellregionen im Land soll Kalbe in den kommenden drei Jahren von der Bürgerarbeit profitieren. Die Umsetzung des Konzeptes gestaltet sich derzeit allerdings eher zögerlich. Von elf beantragten Bürgerarbeitsstellen ist bislang nur eine einzige genehmigt worden.

Kalbe. Am 15. Januar sollten die ersten Bürgerarbeiter schon in Lohn und Brot sein. Dann wurde der Start des Bundesprojektes auf den 1. Februar verschoben. Doch auch am Dienstag war für Kalbe erst eines der beantragten elf Projekte durch das Bundesverwaltungsamt bestätigt worden. Die anderen zehn seien vom Bundesverwaltungsamt abgelehnt worden, informiert Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth auf Nachfrage.

Ruth spricht vom "Modellprojekt Bürgerarbeit", von dessen "experimentellen Charakter". Dass er mit der Entwick- lung der viel umworbenen Idee derzeit aber alles andere als zufrieden ist, ist dem Stadtoberhaupt deutlich anzusehen. Gleich zehn Bürgerarbeitsplätze, die im Bereich Tourismus und Breitensport in Kalbe entstehen sollten, waren durch das Prüfraster des Bundesverwaltungsamtes gefallen.

So sollte unter anderem die Touristinformation in der Mildestadt durch eine zusätzliche Stelle unterstützt werden. Hier sahen die Prüfer augenscheinlich keinen Bedarf. Genauso wenig wie für die Unterstützung des örtlichen Sportvereines VfL, der eine Pflege seiner Sportanlagen dringend nötig hätte.

Eine weitere Möglichkeit für sinnvolle Bürgerarbeit sahen die Trägergesellschaften in der Verbesserung der Rad- und Wanderwege für die Bereiche Dolchau/Vienau/Mehrin/Beese und Jeetze/Siepe/Güssefeld. – Die Stadt arbeitet dort mit der ABS Drömling, der Umwelt- und Landschaftssanierung Altmark und der Jeetzer Landschafftssanierung zusammen. Die Wege sollten gepflegt un beschildert werden. Insgesamt sieben Bürgerarbeitsplätze waren hier vorgesehen. "Abgelehnt", sagt Karsten Ruth.

Laut Begründung sei bei den nicht bewilligten Projekten die Zusätzlichkeit – eine zwingende Voraussetzung für Bürgerarbeitsstellen – nicht gegeben. Keine der vorgeschlagenen Stellen könnte indes kommunal besetzt werden, weiß Ruth.

Lediglich einer der Vorschläge war den Prüfern des Bundes genügend "zusätzlich, wettbewerbsneutral und öffentlich interessant": Denn ein Bürgerarbeitsplatz wurde für die kommenden drei Jahren im Bereich der "kulturellen und sozialen Betreuung der Kalbenser Senioren", genehmigt, die derzeit durch die Volkssolidarität angeboten wird.

Ilona Glaue, die seit gut einem Jahr im Kalbenser Klub der Volkssolidarität über ein Kombi-Lohn-Programm beschäftigt ist, freute sich gestern sichtlich über die Nachricht, dass sie nun Verstärkung bekommen soll. Doch leider gestaltet sich die Besetzung der Stelle, die am Dienstag fristgemäß erfolgte, ebenfalls als problematisch. Denn die Bürgerarbeiterin, die ab sofort als zweite Seniorenbetreuerin im Klub arbeiten soll, hatte sich diese Stelle nicht selbst ausgesucht und fühlt sich von der Agentur für Arbeit in der Bewältigung der Aufgabe auch überfordert.

Kein guter Start also für die Bürgerarbeit in Kalbe. "Unsere Erwartungen haben sich bislang nicht erfüllt", bestätigt Ruth.

Im Bundesverwaltungsamt war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Ebensowenig wie die Ansprechpartnerin der Arbeitsagentur. Arge-Pressesprecherin Yvonne Papke bestätigte allerdings, dass die Ablehnungen zahlreicher Projekte durch den Bund "in ganz Sachsen-Anhalt ein Problem" seien. Im Februar soll noch einmal eine Beratung zwischen allen Beteiligten erfolgen.