Seit mehr als zwei Jahren wohnt Britta Jungmann in ihrer Wohnung Am Windmühlenberg. Eine schöne Vierzimmerwohnung mit Balkon in ruhiger Lage. Doch an den Außenwänden haben sich Stockflecken gebildet. Jungmann ist verärgert, weil die Wobau als Vermieter ihre Probleme angeblich nicht ernst nimmt.

Gardelegen. Schon bei der Wohnungsbesichtigung habe sie die schwarze Küchenwand gesehen und Stockflecken oder Schimmel vermutet. Doch der Vertreter der Wobau habe dies vehement verneint, erzählt Britta Jungmann. Das war im Herbst 2008. Wenig später zog die alleinstehende Mutter von drei Kindern ein in die Wohnung. Und erlebt im darauffolgenden Winter, wie es von den Fensterstürzen in ihrer Wohnung tropfte.

"Froh und glücklich" sei sie gewesen, endlich eine große Wohnung für sich und ihre Kinder gefunden zu haben, erzählt die Hartz-IV-Empfängerin. Und: "Die Wohnung ist top, die würde ich gern behalten." Wenn nur das Feuchtigkeitsproblem nicht wäre.

In der Wohnung riecht es nach Feuchtigkeit, nach Schimmel. Jungmann zeigt auf den Sturz über dem Wohnzimmerfenster. Dort habe sie bereits mit Spezialfarbe drübergestrichen, um die dunklen Schimmelflecken zu überdecken. Auch in den anderen Räumen der Wohnung im obersten Stock des Mehrfamilienhauses hat sie die Stock- und Schimmelflecken entsprechend bearbeitet. Zu sehen ist dennoch, dass es erhebliche Feuchtigkeitsprobleme gibt.

"Ich bin über 40 Jahre alt, ich hatte noch nie Schimmel in der Wohnung", sagt Britta Jungmann.

Von der Wobau GmbH, dem Vermieter, sei sie aber "immer nur hingehalten und vertröstet worden". Von der Wobau, deren 100-prozentiger Gesellschafter die Stadt ist, lese sie immer nur, wie toll sie andere Häuser saniert, wieviel sie investiert, wie niedrig der Leerstand sei. "Die sollten mal hier was investieren", sagt Jungmann.

Ganz schlimm sei es im Winter 2009/2010 gewesen. Fotos zeigen, wie dicke Tropfen am Fenstersturz hängen. Das Wasser sei heruntergetropft "wie in einer Tropfsteinhöhle". Teils hätten sich bei starkem Frost sogar Eiskristalle an der Innenseite der Stürze über dem Fenster gebildet, berichtet Jungmann.

"Meine Kinder haben alle im Winter Geburtstag. Aber wir feiern immer erst im Sommer. Ich kann doch keinen einladen in ihre Zimmer, wenn dort Schimmel ist", erzählt Jungmann. Sie wisse, dass man gut lüften müsse. Das habe ihr auch der Wobau-Mitarbeiter erzählt. Aber bereits die Vormieterin habe Probleme mit Schimmel gehabt, habe sie inzwischen erfahren. Und auch im Nachbarhaus sei jemand wegen derartiger Probleme ausgezogen. "Ich fühle mich allein gelassen", so die Mieterin. Immerhin koste die Wohnung etwa 475 Euro Miete.

Angst habe sie um den Gesundheitszustand ihrer Kinder und um ihren eigenen. "Die haben schon oft Kopfschmerzen. Ich habe Angst, dass das schlimmer wird."

Der technische Leiter der Wobau, Peter Ast, erinnert sich an den Fall. Er sei im Winter 2009/2010 in der Wohnung gewesen. Dort sei Wäsche getrocknet worden, obwohl auf dem Dach über der Wohnung Platz zum Wäschetrocknen sei. Das sei natürlich ein Grund für Feuchtigkeit in der Wohnung: "Die Fenster sind dicht, die Feuchtigkeit muss raus." Deshalb sei richtiges Lüften wichtig. Nur das Fenster anzukippen, bringe aber nicht viel. Lieber sollte voll gelüftet werden. Die Wobau habe sogar in der Wohnung ein Messgerät aufgestellt. "Wir haben uns gekümmert, aber der Mieter muss sich auch kümmern", so Ast. Dass sich allerdings am Fenstersturz innen Eis bilde, "kann und darf nicht sein".

Die Wobau hatte vor einigen Jahren die Giebelwände und die rückwärtige Fassade isoliert. Inzwischen sei auch die Bodendecke isoliert worden. Schimmelflecken gibt es aber auch auf der gedämmten Seite in der Wohnung von Britta Jungmann.

"Die Probleme von Frau Jungmann sind kein Einzelfall", sagt Ast, "unser Maler ist dermaßen oft unterwegs, um Schimmelprobleme zu überstreichen." In den meisten Fällen, so Ast, seien daran aber die Mieter selbst schuld: "Die wenigsten Fälle beruhen auf mangelhafte Dämmung." Der technische Leiter: "Das Stockfleckenproblem ist in jedem Winter da."

Seit dem vergangenen Winter habe sich Frau Jungmann nicht mehr bei ihm gemeldet: "Deshalb bin ich davon ausgegangen, dass das Problem behoben ist."

Das ist es offensichtlich noch nicht.