Den Saatkrähen geht es ans Gefieder. Vorausgesetzt, der Stadtrat stimmt der Störaktion zu. Vom Ortschaftsrat wurde sie am Donnerstagabend mehrheitlich empfohlen. Nur einer war dagegen: Ortsbürgermeister Dr. Helmut Bender.

Kalbe. "Ich halte diese Maßnahmen für rausgeschmissenes Geld." Dr. Helmut Bender, Ortsbürgermeister von Kalbe, machte am Donnerstagabend keinen Hehl daraus, was er davon hält, die Krähennester im Stadtpark herunterzuspritzen.

Das Landesverwaltungsamt hat zwar signalisiert, dass es dafür in diesem Jahr eine Sondergenehmigung geben könnte. Jedoch würde diese dann nicht für den kompletten Stadtpark gelten, sondern nur für den Bereich von der Schulstraße bis zum Mittelweg. Der Bereich zwischen Mittelweg und Friedhof sowie der alte Friedhof blieben ausgespart. Und genau das kann Bender nicht nachvollziehen (wir berichteten).

Auch Jörg Kämpfer, Chef der Ortsfeuerwehr Kalbe, die die Störaktion zu realisieren hätte, fände eine solche Teilaktion "einen Witz", wie er durch seine Ehefrau Sigrun Kämpfer ausrichten ließ. Sie ist Mitglied im Ortschaftsrat Kalbe. Und genau der hatte am Donnerstagabend eine Empfehlung dazu abzugeben, ob die Störaktion stattfinden soll.

Sie soll – das jedenfalls ist die mehrheitliche Meinung des Gremiums. Zwar waren, nicht zuletzt wegen der Winterferien, nur vier Ortschaftsratmitglieder erschienen, doch war Bender am Ende der einzige, der sich nicht mit der Störaktion anfreunden konnte.

Dabei ist er eigentlich einer derjenigen, die die Saatkrähenpopulation im Stadtpark – im vergangenen Jahr brüteten dort 416 schwarze Vogelpaare – am meisten zu spüren bekommen. Denn er ist direkter Anwohner. Allerdings hat sich der Ortsbürgermeister, daran ließ er am Donnerstagabend keinen Zweifel, inzwischen mit der Situation arrangiert. Zumal in der Vergangenheit alle Versuche, die Krähenanzahl im Park vor dem Friedhof zu reduzieren, an den Gesetzlichkeiten gescheitert waren. Diese scheinen nun etwas aufgeweicht zu sein. Zwar stehen die als Singvögel geltenden Tiere nach wie vor unter Naturschutz, doch nehmen sie nicht nur in Kalbe, wo es die größte Krähenpopulation Sachsen-Anhalts gibt, überhand. Dies habe ein Termin mit der Oberen Naturschutzbehörde ergeben, an dem auch Vertreter anderer altmärkischer Orte teil- genommen hätten und in des- sen Verlauf sich der zuständige Mitarbeiter der Behörde am 28. Januar selbst ein Bild vom Kalbenser Stadtpark gemacht habe. Darüber informierte Renate Ahlfeld, Mitarbeiterin des Hauptamtes, nun den Ortschaftsrat. Nach dem Besichtigungstermin sei übrigens dann recht kurzfristig die Mitteilung vom Landesverwaltungsamt in Halle gekommen, dass ein teilweises Ausspritzen der Nester erlaubt werden könnte.

Diese Maßnahme kostet allerdings Geld. Für die Störaktion bräuchte es nämlich spezielle Technik. Und die steht nicht in den Garagen der Feuerwehr, sondern müsste für mehrere Tage gemietet werden. Denn mit einer einmaligen Aktion ließen sich die Krähen nicht aus dem Park vertreiben. Der Ortschaftsrat empfahl deshalb, an zwei aufeinander folgenden Wochenenden zu spritzen. Das letzte Wort dazu hat jedoch der Stadtrat. Denn nur er hat die Hoheit über die Finanzen. Sollte er am 24. Februar sein Okay geben, müsste die Störaktion schnellstmöglich erfolgen. Denn bereits im März beginnt das Brutgeschäft. Dann darf den Krähen keine Feder mehr gekrümmt werden.

Bei vielen Menschen sind die Tiere verhasst. Sie gelten als Totenvögel, machen Dreck und vor allem Lärm. Und sie haben laut Bender "die Angewohnheit, ihren Kot im Flug abzusetzen". Das führe dazu, dass die Exkremente nicht nur auf Köpfen und Autodächern, sondern nicht selten auch an Fensterscheiben landen würden.