Zur Gedenkfeier am 13. April soll das neue Informationssystem auf der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibber Feldscheune installiert sein. Das kündigten der Direktor der Gedenkstättenstiftung des Landes, Kai Langer, und Hauptamtsleiter Klaus Richter an. Die Stadt will für die 13 Tafeln 10 500 Euro investieren.

Gardelegen. Lange hat es gedauert, die Stadt geriet darüber deutschlandweit in die Negativschlagzeilen – nun soll die Geschichte zu einem guten Ende kommen. Am 13. April, dem Jahrestag des Massakers an der Isenschnibber Feldscheune, soll auf der dortigen Gedenkstätte das neue Informationssystem eingeweiht werden. 13 Tafel sollen dort die geschichtlichen Zusammenhänge erläutern sowie die Gedenkstätte und ihre Geschichte näher beschreiben.

2007 hatte der damalige Leiter der Gedenkstätte, Dr. Herbert Becker, seine Entwürfe für das Informationssystem vorgestellt. Auch wegen seiner Darstellung der Beteiligung von Funktionshäftlingen an dem Massaker gab es heftige Kritik von Historikern und Opferverbänden. Die Landesgedenkstättenstiftung, von der Stadt gebeten, hatte daraufhin Hilfe zugesagt. Im Dezember 2008 wurde ein Kooperationsvertrag zwischen Stiftung und Stadt unterzeichnet. Beauftragt mit einem Werkvertrag, den die Stiftung mit ihm abgeschlossen hatte, machte sich der Berliner Politologe Thomas Irmer an die Arbeit. Die Stiftung bildete zudem einen Beirat. Mitglieder waren Professor Dr. Rolf Wernstedt, ehemaliger Kultusminister und ehemaliger Landtagspräsident in Niedersachsen, Dr. Peter Fischer vom Zentralrat der Juden, Diana Gring von der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Dr. Detlef Garbe, Direktor der Gedenkstätte Neuengamme, Dr. Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Frigga Conrad vom Förderverein der Mahn- und Gedenkstätte, der städtische Hauptamtsleiter Klaus Richter, Stiftungsdirektor Kai Langer sowie Thomas Irmer. Vor Langers Amtsantritt im Mai 2010 waren dessen Vorgänger Dr. Joachim Scherrieble und später die Leiterin der Gedenkstätte Bernburg für die Opfer der NS-Euthanasie, Dr. Ute Hoffmann, als kommissarische Direktorin der Stiftung Mitglieder im Stiftungsbeirat.

Die Arbeit gestaltete sich schwierig: Querelen an der Spitze der Stiftung und inhaltliche Debatten im Fachbeirat verzögerten das Projekt immer weiter.

Beim Treffen am Mittwoch in Gardelegen einigten sich die anwesenden Fachbeiratsmitglieder auf den Text und die Fotos, die verwendet werden sollen, und ließen dabei auch die aktuellen Veröffentlichungen des israelischen Historiker Daniel Blatman zu den Todesmärschen einfließen. Auch die Standorte der Tafeln wurden bei einer Vor-Ort-Begehung festgelegt.

Nur ein bis zwei Bilder sollen pro Tafel verwendet werden, sagte Langer nach dem Treffen: "Es geht uns vor allem darum, zu transportieren, was konkret geschehen ist." Das erfordere Differenzierungen: "Wir wollen so genau wie möglich erklären – soweit das auf dem Gelände möglich ist."

Nun sollen Texte, Fotos und Standorte den Beiratsmitgliedern übersandt werden, die am Mittwoch nicht in Gardelegen sein konnten. Ihre Änderungswünsche, sollten sie vorhanden sein, würden dann noch diskutiert werden, sagte Langer.

Weitere Vereinigungen, etwa Opferverbände, sollen zu dem Text nicht mehr gehört werden, sagte Langer weiter. Einzig einem Opferbeirat der Gedenkstättenstiftung wolle er die Ausarbeitung vorlegen.

Die 13 Tafeln haben folgende Inhalte: 1) Mahn- und Gedenkstätte Gardelegen, 2) Die Räumung der Konzentrationslager, 3) Das Kriegsende in Mittel- und Ostdeutschland, 4) Die Todesmärsche Richtung Gardelegen, 5) Das Massaker, 6) Die Entstehung der Mahn- und Gedenkstätte, 7) Gedenkort Feldscheune, 8) Der Tatort – Berichte von Überlebenden, 9) Die Täter, 10) Die Tafel "Gardeleger Militär-Friedhof", 11) Die Opfer, 12) Der Friedhof und 13) Gedenkort: Der Friedhof.

Weil es noch keinen beschlossenen städtischen Haushalt gibt, soll der Rat nach dem Wunsch der Verwaltung die 10 500 Euro für die Anschaffung der 13 Infotafeln und Schauvitrinen als außerplanmäßige Ausgabe beschließen, damit die Tafeln bis zum 13. April aufgestellt werden können. Der Bauausschuss wird sich damit am Montag, 14. Januar, befassen.