Sie ist 13 Jahre jung, geht täglich zur Schule, hat Freunde wie jedes andere junge Mädchen, lacht, liest und träumt gern. Marie Weiser hat aber auch noch ein Hobby, das doch eher ungewöhnlich ist für einen Teenager in ihrem Alter. Denn Marie schreibt Geschichten. Über Jungs und Mädchen, über Tiere und natürlich auch über die ganz große Liebe.

Gardelegen. Alles begann vor zwei Jahren mit einem Kuss. Allerdings keinem echten, und unvollständig war er auch noch. Deutschlehrerin Astrid Christall hatte ihrer sechsten Klasse in der Rosa-Luxemburg-Schule in Gardelegen damals eine Geschichte mitgebracht, die von einem Kuss erzählt. Eine Geschichte ohne Ende. Ihre Schüler sollten sie mündlich vervollständigen. Sie machten das mit mehr oder weniger Spaß am Erzählen, mit mehr oder weniger Fantasie. Eine Schülerin indes setzte sich hin und schrieb das Ende ihrer Geschichte auf. "Und das war das erste Mal, dass ich gemerkt habe, wie schön es ist, zu schreiben", sagt Marie Weiser heute.

Seither lässt die 13-Jährige die Lust daran nicht mehr los. Immer wieder greift sie zu Bleistift und Block, schreibt auf, was sie bewegt, wovon sie träumt und was sie sich wünscht. "Wenn ich mal Stress habe, dann setze ich mich in mein Zimmer und schreibe", verrät Marie, "wenn ich dann eine Weile dabei bin, kriege ich gleich wieder gute Laune."

Und eine gut gelaunte Tochter ist natürlich auch für Maries Eltern, Marina Weise und Axel Peter, eine Freude. Vom Papa hat die 13-Jährige vielleicht auch das Talent geerbt. Der erzähle auch gern und viel, "manchmal halbe Romane", sagt Marie und lacht. Und auch die Mama ist natürlich stolz auf ihre kleine Schriftstellerin. Sie darf die Geschichten natürlich lesen, "und sie findet sie richtig gut", sagt Marie.

"Ganz toll" findet auch Maries Deutschlehrerin Astrid Christall, dass ihre Schülerin so begeistert schreibt. "Vor allem bewundere ich ihre Ausdauer. Immerhin bleibt sie schon seit zwei Jahren dabei." Damit beweise Marie schließlich auch die Ernsthaftigkeit ihres Hobbys. Sie werde die Schülerin deshalb auf jeden Fall unterstützen, versichert Christall. Schulsozialarbeiterin Fabienne Hapke habe Marie zudem angeboten, sich nach einer Schreibwerkstatt umzuhören, in der sie Erfahrungen sammeln und sich mit jungen Leuten ihres Alters austauschen kann. Dass jemand ihren Stil bewertet und Tipps gibt, würde sich die 13-Jährige nämlich durchaus wünschen.

Dass die Geschichten von ihr den Geschmack ihrer gleichaltrigen Freunde treffen, hat Marie übrigens schon gemerkt. "Manche Freundinnen fragen schon, wann ich die nächste Geschichte fertig habe", sagt die Achtklässlerin.

Ein bisschen über ihre nächste Erzählung darf die Volksstimme schließlich aber exklusiv schon mal erfahren: Es geht um die große Liebe zwischen Janina und Jonas. Und dabei gibt es natürlich jede Menge Verwicklungen und Missverständnisse, ehe die zwei zueinanderfinden. Dass es ein Happy End geben wird, ist allerdings gewiss. "Meine Geschichten enden alle glücklich", sagt Marie. Auch wenn so dramatische Titel wie "Große Liebe – Kleiner Hass" manchmal etwas anderes vermuten lassen.

Ganz sicher hängt Maries Vorliebe für Storys mit gutem Ende ja auch mit ihren eigenen Vorstellungen für ihr zukünftiges Leben zusammen. Das nämlich wünscht sich das hübsche junge Mädchen so, wie sie es in ihren Geschichten beschreibt: mit Mädchen, die noch echte Freundinnen sind, und mit Jungs, die Gentlemen sind, ganz viel Zeit zum Reden haben und die sich von ihren Kumpels kein bisschen beeinflussen lassen.

"Manchmal stelle ich mir auch vor, dass ich das Mädchen bin, von dem ich schreibe", gibt Marie verschmitzt zu. Aber das tun ganz sicher auch die großen Schriftsteller zuweilen.