Die Eingemeindung verwirrt viele Einwohner der neuen Ortsteile. Viele wissen nicht, wie ihre korrekte Anschrift ist oder wann sie ihre Ausweise umschreiben lassen müssen. Das große Problem: Selbst die Verantwortlichen haben keine konkreten Antworten.

Gardelegen. Es kommt überall zu Irritationen bei den Adressen. Stadt und Post sind sich nicht einig. Beispiel Mieste: Wer sich im Einwohnermeldeamt den Ausweis ändern lässt, erhält laut Stadt den folgenden Adressaufkleber: Ortsteil Mieste, Straße Nummer, 39 649 Hansestadt Gardelegen. Die Stadt verwendet dabei also die Miester Postleitzahl 39 649 in Verbindung mit der Hansestadt Gardelegen.

Die Post weist dagegen darauf hin, dass bei ihr weiterhin die alte Anschrift gelte: Max Mustermann, Musterstraße Nummer, 39 649 Mieste. Viele Bürger aber verwenden bereits jetzt die Gardeleger Postleitzahl 39 638 für Briefe nach Mieste, ohne den Ortsteil zu erwähnen. "Das führt dann zu Verzögerungen, weil diese Postsendungen erst nach Gardelegen geschickt werden", sagte Post-Sprecher Manfred Hauschild.

Zwar gebe es Gespräche mit der Stadt. Doch der ",postalische Nachvollzug‘ der politischen Eingemeindung wird mit der Gemeinde abgestimmt", sagte Hauschild. Im Klartext: Gemeinde und Post unterhalten sich über die Verwendung einer einheitlichen Postleitzahl. Hauschild: "Den Zeitpunkt, ab dem eine einheitliche Postleitzahl verwendet wird, teilt die Deutsche Post dann mit."

Bis dahin gelten für die Post weiterhin die alten Anschriften, beispielsweise Max Mustermann, Bahnhofstraße Nummer, 39 638 Jävenitz. Weiterhin müssten erst die Doppelungen von Straßennamen beseitigt werden. Denn mit den Zwangseingemeindungen gibt es manche Straßennamen mehrfach. Doppelungen im Zuge der ersten Eingemeindungen sind inzwischen durch die Änderung von Straßennamen in den Ortsteilen verschwunden.

Nun ist die Stadt am Zug. Bürgermeister Konrad Fuchs hofft auf Vorschläge der Bürger: "Die Leute kennen die Geschichte ihrer Orte am besten." Gestern sei der Förderverein Lindstedt bei ihm gewesen "und hat vorgeschlagen, die Schulstraße des Ortes umzubenennen, weil es dort ohnehin keine Schule mehr gebe", erzählte Fuchs.

Er habe auch kein Problem, Straßen in Gardelegen umzubenennen. "Wenn die Jävenitzer sagen, bei uns am Kiefernweg wohnen 30 Leute und in Gardelegen bloß 15", führte Fuchs an.

Sollten allerdings keine Vorschläge kommen, müsse die Verwaltung dem Stadtrat Vorschläge unterbreiten, und die Stadträte könnten dann eigene Vorschläge machen. Fuchs meint, dass der Prozess bis Jahresende dauern könnte.

Die Verspätung, die im Falle eines Briefes oft nicht allzu schlimm ist, kann in Notfällen ein Menschenleben kosten. So berichtet eine ansässige Hausärztin, dass es bei manchen Chipkarten zu Problemen kommt. Sie weisen beispielsweise die Dorfstraße in Gardelegen aus, obwohl der Patient an der Dorfstraße eines Ortsteiles wohne. Sie müsse sich dies dann selbst dazuschreiben. "Wenn man nachts um zwei zu einem Notfall gerufen wird, und nicht genau weiß, wo man hin muss, kann das entscheidende Minuten kosten", meinte die Ärztin. Allerdings seien die meisten Chipkarten in Ordnung.

"Wichtig ist der Ort. Ich brauche keine Einheitsgemeinde"

Wer dagegen beim Rettungsdienst anruft, muss kurz und knapp sagen, wo er wohnt. "Wichtig ist der Ort. Ich brauche nicht die Einheitsgemeinde. Dann brauche ich den Name und die Straße und was passiert ist", war aus der Einsatzleitstelle in Klötze zu erfahren. Bislang sei es aber noch nicht zu Problemen gekommen.

Ein weiterer Punkt, der bei den Bürgern für Verwirrung sorgt, ist die Änderung ihrer Dokumente. Wann sollen sie ihre Papiere ändern lassen und was passiert, wenn sie dies nicht tun? Eine klare Aussage, zu welchem Zeitpunkt die Dokumente geändert werden müssen, wollte weder das Landesverwaltungsamt noch das Einwohnermeldeamt treffen. In der Stadtverwaltung befürchte man einen "großen Ansturm", sagte der amtierende Ordnungsamtsleiter Heiko Hirsch. Die eigentliche Änderung der Adresse koste zwar nichts. Allerdings sei momentan "soviel zu tun". Wenn nun alle Bürger auf einmal die Adressaufkleber bräuchten, sei das Amt schlichtweg überfordert.

Mit der Eingemeindung sei der Ausweis nicht ungültig, sagte die Sprecherin des Landesverwaltungsamtes, Gabriele Städter. Der Pass sei unrichtig und sollte eigentlich unverzüglich geändert werden. "Wenn ich nachweisen kann, dass der Mangel bei der Gemeinde liegt, stellt dies jedoch keine Ordnungswidrigkeit dar", sagte sie.

Doch die Polizei sieht die Lage entspannt. Und die Bürger müssen derzeit mit keinen Strafen rechnen. "Wir werden darauf hinweisen", erklärte der Leiter des Salzwedeler Revierkommissariats, Sven Meinecke, die Situation, wenn die Beamten einen Bürger mit gültigem, aber nicht aktualisiertem Ausweis kontrollieren.

Auch in der Kfz-Zulassungsstelle müssten die Menschen keine Nachteile befürchten, erklärte Kreis-Sprecherin Birgit Eurich. Die Fahrzeugpapiere bräuchten nicht extra erneuert zu werden. Bei Neuanmeldungen ohne aktualisierten Ausweis "wird keiner weggeschickt", sagte Eurich. Die Adresse werden mit der kommunalen Datenbank abgeglichen und in aktueller Form eingegeben.