Zwölf Studenten der Hochschule Anhalt (FH) haben zwei Tage auf dem Zichtauer Gut verbracht, um Modelle für sechs Kunstwerke zu bauen. Am Montagnachmittag sprachen sie darüber auch mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, der das Gut besuchte und mit dessen Besitzer Hasso von Blücher über die Vorhaben ins Gespräch kam.

Zichtau. Schlüssel zur Landschaft heißt eines der Kunstwerke, die später einmal in Zichtau oder im Umland einen Platz finden sollen. Umgesetzt wird die Idee mit einem mannshohen Schlüsselloch, das gleichzeitig eine Pforte ist – zur Landschaft und zu ihrer Kunst. Einer, der am Montag schon einmal zur Probe durch das Schlüsselloch-Modell steigen durfte, war Peter Harry Carstensen. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident, der am Vormittag an einer Sitzung in Berlin teilgenommen hatte, besuchte am Nachmittag als Wahlkampfunterstützer für Uwe Harms aus Klötze das Gut Zichtau. Dort traf er dann auch die zwölf Studenten, die im dritten Semester an der Hochschule Anhalt (FH) in Bernburg Landschaftsarchitektur/Umweltplanung studieren. Zwei Tage lang verbrachten sie in Zichtau mit der Arbeit an den Kunstobjekt-Modellen.

Entworfen hatten sie die Studenten Falk Wilhelm Paetsch und Christoph Schuster. "Weil wir gute Zeichner sind, haben wir die Entwürfe gestaltet", erzählte Falk Wilhelm Paetsch. Sechs Werke seien im Rahmen der Projektarbeit entstanden. Neben dem Schlüssel zur Landschaft gehört auch ein Weidenpavillon dazu, als Beispiel für die alten Flechttechniken in der Landwirtschaft und Gartengestaltung. Falk Wilhelm Paetsch nutzte am Montag die Gelegenheit, seinem Landesvater einmal persönlich die Hand zu schütteln, denn der Student stammt aus Schleswig-Holstein. Mit den Studenten standen auch Professor Einar Ketzler, Vizepräsident der Hochschule Anhalt, und der Projektbetreuer Marcel Heins aus Seethen, Dozent an der Hochschule, dem Gast aus Kiel Rede und Antwort. Das aktuelle Projekt ist das zweite der Hochschule in Kooperation mit dem Zichtauer Gut. "Wir sind sehr froh über die Zusammenarbeit", sagte Prof. Einar Ketzler. Vielleicht komme es später auch dazu, dass die geplante Stiftung Zukunft Altmark einige Stipendien übernehme.

Nachdem sich Peter Harry Carstensen vom Gutsbesitzer Hasso von Blücher den ausgebauten Rinderstall hatte zeigen lassen, ging es über das Gutsgelände weiter zur schmuck hergerichteten Orangerie und dann zum alten Kornspeicher, der auf drei Etagen mehrere Veranstaltungs- und Seminarräume bietet. Dort nahmen die Gastgeber und Gäste an einer gemeinsamen Kaffeetafel Platz. Einige Frauen aus Zichtau hatten altmärkischen Blechkuchen gebacken.

Während der gemütlichen Plauderrunde setzten Hasso von Blücher, der in einem Vorort von Düsseldorf wohnt und vor einigen Jahren das Zichtauer Gut seiner Vorfahren gekauft hatte, seine Erzählung über die Familiengeschichte und das Projekt Gut Zichtau fort. "Unser Ehrgeiz ist ungebremst", versicherte von Blücher seinem Gast aus Schleswig-Holstein. Der lobte im Gegenzug die Altmark "als schöne Gegend" mit viel Natur, die er bei der seiner Anreise vom Dienstwagen aus gesehen habe.

"Ich bin hergeschickt worden, um Wahlkampf zu machen. Wenn Sie also nicht wissen, wen Sie wählen sollen, dann rufen Sie mich an", begann Carstensen seine allgemeinen Ausführungen, bevor es sich wieder an Hasso von Blücher wandte: "Ich bin sehr beeindruckt von dem, was Sie hier machen." Das habe etwas mit Nachhaltigkeit zu tun, so Carstensen. "Manchmal wird es gar nicht gesehen und geachtet, dass die Herrenhäuser von privaten Leuten gehalten werden", sagte der Ministerpräsident mit einem Verweis auf die Adligen in seinem Bundesland. Er freue sich aber, dass dies mittlerweile vom Denkmalschutz so gesehen werde und dass Wege gefunden werden, die Anforderungen des Denkmalschutzes mit modernem Bauen zu verbinden. "Ich habe gelernt: Jedes Problem lässt sich lösen", sagte Peter Harry Carstensen.

Ein Problem, dass sich weniger leicht lösen lassen wird, ist die Verschuldung Schleswig-Holsteins. Um deren Entwicklung zu verdeutlichen, hatte Carstensen einige große Diagramme mitgebracht. Mit Blick auf die Schulden müsse die Frage gestellt werden: "Sind wir noch in der Lage, nachhaltig Politik zu machen?"

Ein Ausdruck von Nachhaltigkeit ist für Peter Harry Carstensen das, was derzeit auf dem Zichtauer Gutsareal entsteht. In Schleswig-Holstein seien vor einiger Zeit Aktivregionen gebildet worden. Mit dem Ergebnis, dass die Akteure vor Ort mit einer hohen Motivation ans Werk gegangen sind, ihre Region voranzubringen. "Zichtau wäre etwas, das in eine solche Aktivregion kommen würde", sagte Carstensen.

Hasso von Blücher, der seinem Gast gegenüber Platz genommen hatte, freute sich über die Lobesworte und bedankte sich mit einigen kleinen Geschenken. Unter anderem gab es ein Päckchen von "Blüchers Nr. One"-Tee. "Wir sind hier angetreten, um etwas zum Blühen zu bringen, was sonst verdorrt wäre", fasste von Blücher seine Motivation zusammen, sich auf dem Familiengut zu engagieren. Besonders freue ihn, dass die Zichtauer und viele andere hinter dem Vorhaben stehen. "Alle zwei Wochen kommen Anfragen: Kann ich mitmachen", sagte der Düsseldorfer und bat mit Blick in die Runde: "Bitte, wünschen Sie dem Projekt Glück und Gesundheit!"

Das gehört sicher auch dazu, doch der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Harms macht den Erfolg eher an den Akteuren fest: "Dass es Hoffnung gibt, liegt an den Menschen." Er sei sich gewiss, dass es noch viele Anlässe geben wird, sich auf dem Zichtauer Gut zu treffen.

Die könnten auf jeden Fall etwas mit Gärten zu tun haben. Einige Ideen stellte Christa Ringkamp vom Büro Hortec, das auch das Projekt Gartenträume in Gardelegen betreut, vor. Dabei ging es darum, den Zichtauer Gutspark zu einem Kulturpark zu machen, und um die geplante Gartenakademie in Zichtau sowie das Projekt 200 Gärten in der Altmark.

Zudem informierte sie darüber, dass sich Hasso von Blücher und seine Mitstreiter mit dem Vorhaben in Zichtau – dabei geht es auch um die Stiftung Zukunft Altmark – am Wettbewerb "Menschen und Erfolge – Aktiv für ländliche Infrastruktur" beteiligen wollen. Der Wettbewerb wurde vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gemeinsam mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund und dem Deutschen Landkreistag initiiert. Es geht darum, Menschen und deren Engagement für die ländliche Infrastruktur – Kultur, historische Bauten, Wirtschaft, Bildung, Mobilität und Verkehr, Nahversorgung und andere Bereiche – zu würdigen. Insgesamt geht es um ein Preisgeld in Höhe von 24 000 Euro, das eine von Verkehrsminister Peter Ramsauer berufene Jury vergeben wird.