Demnächst wird sie von hunderten Plakaten im ganzen Bundesland lächeln. Seit Sonnabend steht fest: Camilla Metelka aus Gardelegen ist eine der fünf Jugendlichen, die in diesem Jahr für das Schülerferienticket der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) werben.

Gardelegen. 2013 Jungs und Mädchen hatten sich am Casting beteiligt. Sie ist eine der fünf Jugendlichen, die es geschafft haben. Am Sonnabend entschied sich die Jury der NASA GmbH in der Magdeburger Unsicht-Bar für Camilla Metelka. Und noch am Sonntag ist die 16-Jährige völlig verdattert über das Ergebnis.

Denn "eigentlich", sagt sie, "war das alles nur Spaß". Und der fing beim Hansefest im vergangenen Sommer an. Da sprachen Mitarbeiter des Casting-Teams für das Schülerferienticket die hübsche Gymnasiastin und ihre Freundinnen an. "Wir wollten eigentlich gar nicht mitmachen", erinnert sich Camilla. "Aber wir hatten alle gute Laune und haben gesagt: ,Was soll\'s? Uns nimmt sowieso keiner.\'" Schon am selben Tag ist das erste Interview wieder vergessen. Die Schule - Camilla geht in die zehnte Klasse des Gardeleger Gymnasiums - der Alltag, 1000 Sachen sind wichtiger als dieses Casting. Logisch, wenn man 16 ist.

Umso größer ist ihre Überraschung, als ihr Ende des vergangenen Jahres plötzlich ein Brief in den Postkasten flattert: "Du bist in der Endauswahl", teilt ihr das NASA-Team darin mit. 1994 Mitbewerber hat sie da schon hinter sich gelassen. Denn nur 20 junge Leute kommen jährlich ins Finale. "Ich war total überrascht", gibt Camilla zu, zuckt mit den Schultern und lacht: "Ich dachte überhaupt nicht, dass die so einen Typ wie mich suchen."

Doch genau so unkompliziert, fröhlich und charmant hatte sie wohl auch die Jurymitglieder beim Casting von sich überzeugt. Und weil sie dazu auch noch schlagfertig und außerdem sehr musikalisch ist, entscheiden die Juroren am Sonnabend schließlich, dass Camilla für das Ferienticket werben darf.

Dabei lief das Finale alles andere als reibungslos. "Eigentlich", sagt Camilla, "ging da alles schief." Denn als die Gardelegerin als dritte der 20 Finalisten auf der Bühne ihr Musiktalent unter Beweis stellen soll - Camilla kann nämlich nicht nur wunderschön singen, sondern spielt auch noch Gitarre, Klarinette und Klavier - geht plötzlich das E-Piano kaputt.

Deshalb gibt es für sie eine zweite Chance, nachdem alle Finalisten sich selbst und ihr Hobby auf der Bühne vorgestellt haben: Ein anderes Piano steht schon bereit. Da jedoch fällt plötzlich das Mikrophon aus. Und der Moderator, der ihr mit seinem Mikro aushelfen will, hält ihr das so dicht vors Gesicht, "dass ich immer weiter nach hinten gekippt bin", lacht Camilla.

Unter erschwerten Bedingungen spielt und singt sie also "eine moderne Version" von Poker-Face. "Die meisten", so Camilla, würden den Lady-Gaga-Hit nur in der Pop-Version kennen: "Es gibt aber auch eine ganz coole Version für Klavier." Und die - aber natürlich vor allem die tolle Interpretin - überzeugen schließlich alle. Am Nachmittag steht fest, dass sie es geschafft hat. Camilla ist Miss Schülerferienticket. "Dabei bin ich noch nie mit so \'nem Ding unterwegs gewesen", gibt sie verschmitzt zu.

Das allerdings wird sich demnächst wohl ändern. Denn die fünf Gewinner - darunter zwei weitere Mädchen (13 und 16 Jahre aus Magdeburg und Halle) und zwei Jungs (18 und 15 Jahre aus Stendal und Haldensleben), werden bald viel unterwegs sein. Die fünf Sieger des größten Schülercastings in Sachsen-Anhalt werden nämlich nicht nur auf Plakaten, Faltblättern und auf der Fahrkarte selbst für das Schülerferienticket werben, sondern selbst als Jurymitglieder und Teil der Casting-Crew unterwegs sein, wenn die neuen Models für 2012 gesucht werden.

Demnächst muss Camilla aber erst mal in Gardelegen eine Party für ihre Freunde ausrichten. Die hätten am Telefon mit "Nee!, Echt?, Nee! Oder?" übrigens äußerst wortreich auf ihre Nachricht reagiert, erzählt Camilla lachend. Vor der Party muss sie allerdings noch zum Fotoshooting nach Magdeburg. "Model will ich aber trotzdem nicht werden!", sagt Camilla fröhlich. Und spätestens da ist klar, warum die Jury gerade sie ausgewählt hat.