Viel zu wenige Helfer haben sich bislang beim Organisationsbüro des Sachsen-Anhalt-Tages gemeldet. Nun hoffen die Landesfestmanager auf Freiwillige aus den örtlichen Vereinen. Auf die Mitglieder der Gardeleger Schützen werden sie allerdings verzichten müssen. Sie fühlen sich nicht ausreichend informiert.

Gardelegen. Das Endergebnis war deutlich. Pressesprecherin Christiane Weiß-Carle zählte während der halbjährlichen Mitgliederversammlung am Freitagabend 15 Gegenstimmen und 13 Enthaltungen. Damit steht fest: Der Gardeleger Schützenverein wird zum Sachsen-Anhalt-Tag Ende Juni keine Helfer stellen.

Und dabei werden gerade die so dringend benötigt. "Leider nur wenige Einzelpersonen" haben sich bislang als Helfer registrieren lassen, informierte Georg Bäthge, Mitarbeiter im Organisationsbüro und dort verantwortlich für die Helfer aus den Vereinen, gestern auf Anfrage. "Das wird wohl unsere schwierigste Aufgabe werden."

Denn immerhin 400 Helfer - "und diese Zahl hat sich nach wie vor nicht verändert" - werden am Wochenende vom 24. bis zum 26. Juni in Gardelegen gebraucht, um die verschiedensten Bereiche abzudecken. So müssen Parkplatzeinweiser und Bühnenhelfer gestellt werden, zudem sollen den Übernachtungsgästen in den Schulen Ansprechpartner zur Verfügung stehen, und auch die nächtliche Reinigung der Innenstadt soll gewährleistet sein.

"Da soll sich die Stadt doch ans Arbeitsamt wenden"

Ein großer Tross an Hilfskräften wird also benötigt. Seit Wochen wenden sich die Organisatoren immer wieder öffentlich an die Gardeleger. Kürzlich nun sprachen sie die örtlichen Vereine über die Zeitung direkt an: "Vereine, die Lust haben, ein tolles Fest hinter den Kulissen mitzugestalten und dabei ganz nah am Geschehen sein wollen, sollten ein Anmeldeformular anfordern", heißt es im jüngsten Schreiben des Organisationsbüros.

Die Schützen indes haben genau dazu allerdings keine Lust. "Jedenfalls nicht unter diesen Bedingungen", beendete Christiane Weiß-Carle die Diskussion am Freitagabend im Schützenhaus. Besser gesagt "nicht zu unbekannten Bedingungen", präzisierte sie am Montag im Gespräch mit der Volksstimme. Denn bislang - so informierte Andreas Brandt als Vorsitzender am Freitag ebenfalls - stehe überhaupt nicht fest, ob die Helfer für ihre Arbeit vergütet werden, und wenn, in welcher Höhe.

"Uns geht eine lukrative Einnahmequelle verloren"

Da solle sich die Stadt "doch einfach mal ans Arbeitsamt wenden", schlug Bernd Günther während der Versammlung vor. "Da gibt es genügend Leute, die ausreichend Zeit haben." Denn umsonst, soviel steht am Freitag nach längerer Diskussion fest, wollen die Schützen nicht mithelfen.

Das müssten sie auch nicht, versichert gestern Georg Bäthge auf Anfrage. "Es soll jeder was bekommen." Wieviel das jedoch genau sein wird, darüber "haben wir noch nicht gesprochen", gibt er zu. Das würde dann "mit dem jeweiligen Verein ausgehandelt". Bisher könne er aber noch keine Summen nennen, so Bäthge, noch nicht einmal einen ungefähren Anhaltspunkt: "Es gibt da noch keine festen Sätze."

Und so gibt es von den Schützen auch keine feste Zusage. Denn wer mache schon Zusagen auf eine Leistung, wenn die Gegenleistung unklar sei, so Weiß-Carle.

Zudem sei "bislang auch noch keiner der Mitarbeiter des Organisationsbüros direkt an uns als Verein herangetreten", kritisiert die Pressesprecherin: "Wir stehen doch da wie Max in der Sonne." Es habe bislang nur diese eine Versammlung Mitte Dezember gegeben, zu der das Organisationsbüro die Vereine eingeladen hatte. Und diese Versammlung sei "im wahrsten Sinne des Wortes eine Massenkarambolage" gewesen. Denn dort habe es kaum konkrete Informationen gegeben. Andreas Brandt als Vorsitzenden hätten so auch "offensichtlich die Argumente, gefehlt", um die Mitglieder von einer Teilnahme im Helfertrupp zu überzeugen.

"Diese Versammlung war eine Massen- karambolage"

Hilfreich wäre es dagegen gewesen, wenn ein Mitarbeiter des Organisationsbüros an der Versammlung teilgenommen hätte, sagte Christiane Weiß-Carle: "Ich hätte das jedenfalls super gefunden." Schließlich benötigten die Veranstalter die Hilfe der Vereine.

"Uns geht sowieso schon eine lukrative Einnahmequelle verloren, weil es in diesem Jahr kein Hansefest gibt", sagte die Vereinssprecherin. Da nämlich habe der Schützenverein mit dem Ausschank von Bier stets Einnahmen erzielt, die im Vereinsleben fest eingeplant seien. Und deshalb fühle sie sich durch die öffentlichen Aufrufe auch ein wenig unter Druck gesetzt, so Weiß-Carle: "Bis Ende Januar sollten sich die Vereine melden und ihre Helfer angeben. Solch eine Entscheidung kann man doch aber nicht im Vorstand treffen. Das muss doch mit den Mitgliedern besprochen werden." Schon aus diesem Grund "wollten wir die Versammlung am Freitag abwarten".

"Wir wollen das mit den Helfern nicht vom Tisch wischen"

Deren Ergebnis lasse sich vielleicht auch noch mal abändern. "Wir wollen das mit den Helfern auch nicht völlig vom Tisch wischen", versichert sie. Allerdings müssten die Angebote und Informationen aus dem Organisations-Büro schon ein bisschen konkreter werden.